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23.09.2011

Buch „Knastmauke“ von Dr. Sibylle Plogstedt

Von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt mit Bürgerpreis zur deutschen Einheit ausgezeichnet

Die Soziologin, Journalistin und Filmemacherin Dr. Sibylle Plogstedt erhält am 2. Oktober den Bürgerpreis zur deutschen Einheit 2011. Die Jury unter Vorsitz von Dr. h.c. Joachim Gauck zeichnet damit Plogstedts Buch „Knastmauke“ aus. Es beleuchtet das Schicksal und die oft schwierige soziale Lage von politischen Häftlingen der DDR nach der Wiedervereinigung. Das Buch entstand aus einem Forschungsprojekt der Autorin an der Universität Duisburg-Essen. Die Hans-Böckler-Stiftung gratuliert Sibylle Plogstedt. „Wir haben das Projekt und das Buch unter anderem auch deshalb gern gefördert“, sagt Dr. h.c. Nikolaus Simon, Sprecher der Geschäftsführung, „um unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie alle jungen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zum Blick auf das Unrechtssystem DDR aufzufordern.“

Den „Einheitspreis“ vergibt die Bundeszentrale für politische Bildung seit 2002 in mehreren Kategorien. Er richtet sich an „Bürgerinnen und Bürger, die sich zukunftsorientiert für das geeinte Deutschland und Europa einsetzen“. In ihrer Begründung schreibt die Jury, Sibylle Plogstedts Buch würdige „diejenigen, die ihren Widerstand gegen das Regime teuer bezahlt haben und gibt den Opfern ein Gesicht“. Durch ihre intensive und langjährige Arbeit habe sie „ein Thema der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, das bis heute noch unzureichend aufgearbeitet ist.“ Dabei knüpfe Sibylle Plogstedt auch an eigene Erfahrungen an. Als 24-Jährige war sie 1969 von der Staatssicherheit der Tschechoslowakei verhaftet worden, da sie einer Jugendgruppe angehörte, die den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen bekämpfte.

Die Studie vermittelt auf breiter empirischer Basis und zugleich sehr anschaulich, warum viele der insgesamt rund 200.000 Menschen, die zwischen 1949 und 1989 in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert waren, bis heute unter der Zeit im Gefängnis leiden. Einzel- und Dunkelhaft sowie die vor allem in den ersten DDR-Jahren praktizierte Haft in Nasszellen haben bei vielen der mehr als 800 Befragten bleibende seelische und körperliche Schäden hinterlassen. Gefangene, die nach der Entlassung in der DDR blieben, erlitten häufig einen sozialen Abstieg, konnten oft ihre Ausbildung nicht abschließen und arbeiteten in niedriger qualifizierten Berufen.

Den Zusammenbruch des SED-Regimes erlebten sie zwar ganz überwiegend als Befreiung, doch gehörten sie nach der Vereinigung nicht selten zu den ersten, die ihren Arbeitsplatz verloren. Während die meisten ehemaligen politischen Gefangenen bei der rechtlichen Rehabilitierung vor den Gerichten positive Erfahrungen machten, gelang ein beruflicher oder sozialer Wiederaufstieg nur wenigen. Heute verdient die Hälfte der befragten ehemaligen Häftlinge weniger als 1000 Euro im Monat, überdurchschnittlich viele von ihnen leben unter der Sozialhilfegrenze.

Rund 70 Prozent der Befragten geben an, sie hätten mit der Haft auch nach 1989 nicht abschließen können. Knapp 60 Prozent fühlten sich außer Stande, neu zu beginnen. „Die ehemaligen Häftlinge haben eine positive Einstellung zur Einheit“, hebt Studienautorin Sibylle Plogstedt hervor, „aber sozial haben sie davon nicht profitiert.“

Weitere Informationen:

zum Buch: Knastmauke

Kontakt:

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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