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24.08.2011

Positive Erfahrungen mit existierenden Gemeinschafts-Papieren

Eurobonds: Nur moderate Zinsaufschläge zu erwarten

Eurobonds können einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der Schuldenkrise im Euroraum lösen, ohne dass die Zinsen für deutsche Staatskredite wesentlich steigen. Diesen Schluss lassen nach Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung die Erfahrungen mit bereits existierenden Formen von Eurobonds zu.

So lag etwa das Zinsniveau von Anleihen der Europäischen Investitionsbank, für die seit Jahren die Mitgliedsstaaten gemeinsam bürgen, lange nur wenig über dem Zinssatz, der im Mittel auf deutsche Staatsanleihen fällig wurde. Erst durch die Turbulenzen im Euroraum vergrößerte sich der Abstand, weil verunsicherte Anleger vermehrt deutsche Staatsanleihen kauften, was deren Zinsen spürbar sinken ließ. „Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass mit der Einführung von Eurobonds keine markanten Zinssteigerungen für Deutschland zu erwarten wären, erklärt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK.

Gemessen am längerfristigen Durchschnittszins für deutsche Staatsanleihen rechnet das IMK bei Einführung von Eurobonds mit einem moderaten Aufschlag von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten. Gehe man von der realistischen Annahme aus, dass die deutsche Staatsschuld sukzessive über zehn Jahre auf Eurobonds umgestellt würde, fielen im ersten Jahr lediglich 0,6 bis eine Milliarde Euro an Mehrkosten an, so die Ökonomen. Nach 10 Jahren würden sich die Mehrausgaben auf sechs bis 10 Milliarden Euro pro Jahr aufsummieren. Als Gegenleistung eröffneten Eurobonds jedoch die Chance, die Krise des Euroraums dauerhaft zu überwinden – „und das spart dem deutschen Staat deutlich mehr Geld, als für die leicht erhöhten Zinsen gezahlt werden müsste“, betont Horn. Auf längere Sicht dürfte die hohe Liquidität des mit den Bonds enstehenden gemeinsamen europäischen Anleihemarkts sogar zusätzliche Investoren anlocken, beispielsweise China. Die höhere Nachfrage dürfte auf die Zinsen drücken. Horn: „Das würde die Finanzierung der Schuldenlast aller Euroländer erleichtern.“

Durch bindende Vereinbarungen zwischen den Mitgliedern der Währungsunion lasse sich auch verhindern, dass sinkende Zinsen die Krisenländer von ihrem Konsolidierungspfad abbringen, so Horn. Der Wirtschaftsforscher empfiehlt, alle Euro-Staaten streng auf die Einhaltung des EZB-Inflationsziels von knapp zwei Prozent zu verpflichten. Ein Land, das diese Marge überschreite, sollte nach Horns Vorschlag das Recht verlieren, neue Eurobonds zu begeben – so lange, bis es das Inflationsziel wieder einhalte. Die Orientierung auf den Maßstab Inflation erlaube es, sowohl staatliche als auch private Überschuldung zu verhindern, die etwa in Irland und Spanien Auslöser der Krise waren. Ein weiterer Vorteil: So würden auch Länder wie Deutschland in die Pflicht genommen, die in den vergangenen Jahren das Inflationsziel meist unterschritten haben und auf diese Weise ebenfalls gegen die Stabilitätskriterien des Euroraums verstießen.

Weitere Informationen:

Gastbeitrag von Gustav Horn auf ZEIT ONLINE              

Kontakt:

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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