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31.05.2011

„Schritt Richtung Normalisierung, aber kein Durchbruch“

IMK: Konsum wächst wieder stärker, Zunahme aber weiter unter dem langjährigen Mittel

Regierungspolitiker und manche Ökonomen halten die deutsche Konsumschwäche für überwunden. Tatsächlich geht der Trend nach oben, die Zuwachsrate liegt aber noch weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Darauf weist das Institut für Markoökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung hin.

Die Deutschen kaufen wieder mehr ein – darüber sind sich Statistiker und Wirtschaftsforscher einig. Um 0,5 Prozent stiegen die realen privaten Konsumausgaben 2010. Für dieses Jahr hat das Makro-Konsortium aus IMK, dem österreichischen WIFO und dem OFCE aus Paris in seiner Prognose vom April einen Zuwachs von 1,1 Prozent vorhergesagt. „Und angesichts der jüngsten positiven Zahlen dürfte das sogar eher die Untergrenze sein“, sagt IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld. Für 2012 rechnen die Wissenschaftler des Makro-Konsortiums mit einem Plus von 0,9 Prozent.

Ist die Nachfrageschwäche in Deutschland damit überwunden? Und hat sich die ökonomische Kritik am Wirtschaftsmodell der vergangenen Dekade – starker Export bei schwacher Binnenkonjunktur – erledigt? „Richtig ist, dass die deutsche Wirtschaft derzeit etwas balancierter wächst als in den letzten Jahren, wir hängen nicht mehr ganz so extrem an den Ausfuhren", sagt Prof. Dr. Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. Löhne und Investitionen entwickelten sich wieder etwas stärker. „Das ist ein erfreulicher erster, vorsichtiger Schritt in Richtung Normalisierung. Aber längst noch kein Durchbruch."

Das unterstreicht eine Zeitreihe des Statistischen Bundesamts. Die für 2011 prognostizierte Zunahme der Konsumausgaben wirkt vor allem deshalb so positiv, weil sie sich von der sehr schwachen Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts abhebt: Zwischen 1999 und 2009 stiegen die realen Konsumausgaben im Durchschnitt pro Jahr um lediglich 0,6 Prozent. Dagegen hatte der Zuwachs in den 1990er-Jahren im Mittel noch bei 1,9 Prozent pro Jahr gelegen, in den 1980ern waren es 2,3 und im Jahrzehnt zuvor 3,4 Prozent.

Das IMK sieht einen deutlichen Zusammenhang zur Deregulierung des Arbeitsmarkts, der Ausdehnung des Niedriglohnsektors und der zunehmenden Einkommensungleichheit seit der Jahrtausendwende. Das bedeute auch, dass die Politik einen Beitrag zur nachhaltigen Überwindung der Konsumschwäche leisten könne, betont Horn. Etwa durch einen Mindestlohn und bessere Regulierung bei der Leiharbeit.

Weitere Informationen:

in: Böckler Impuls 9/2011
 
Kontakt:

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Peter Hohlfeld
IMK

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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