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28.02.2011

Online-Umfrage von www.lohnspiegel.de

Führungskräfte: Frauen im Nachteil

Frauen mit Hochschulabschluss sind doppelt im Nachteil: Sie haben seltener Führungs- und Personalverantwortung als Männer, und sie werden in ihren Führungspositionen auch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Umfrage der Internetseite www.lohnspiegel.de, die vom WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird und an der sich rund 12.000 Akademiker/innen beteiligt haben. „Unsere Analyse belegt nachdrücklich, dass selbst Frauen mit Führungs- und Personalverantwortung ihren männlichen Kollegen noch keineswegs gleichgestellt sind. Das gilt auch und gerade für das Einkommen“, kommentiert Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des Projekts LohnSpiegel am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung die Ergebnisse.

Weniger Führungspositionen
Von den Männern mit Hochschulabschluss haben rund 59 Prozent eine Führungsposition, von den Frauen hingegen nur rund 43 Prozent. In Westdeutschland ist dieser Abstand stärker ausgeprägt als in Ostdeutschland.

Geringeres Gehalt
Frauen in Führungspositionen verdienen im Durchschnitt knapp 22 Prozent weniger als Männer. Ihr Gehalt beläuft sich ohne Sonderzahlungen auf Basis einer 40-Stunden-Woche durchschnittlich auf 3.710 Euro, während Männer mit 4.742 Euro gut 1.000 Euro mehr erhalten. Der Einkommensabstand fällt in Ostdeutschland mit rund 14 Prozent deutlich geringer aus .

Gleiche Funktion – geringeres Gehalt
Auf allen Hierarchiestufen bekommen Frauen mit Hochschulabschluss ein deutlich geringeres Gehalt als Männer. Bei der Position der Hauptabteilungsleiter fällt der Einkommensabstand mit 33 Prozent am größten aus: Männer verdienen monatlich im Durchschnitt 5.982 Euro, Frauen dagegen nur 4.514 Euro. Bei Abteilungsleitern beträgt die Einkommenslücke immerhin 30 Prozent (4.940 zu 3.789 Euro), bei Gruppenleitern noch 23 Prozent (4.503 zu 3.661 Euro).

Unterschiedliches Einkommen auch bei gleicher Führungsverantwortung:
Gemessen an der Zahl der unterstellten Mitarbeiter/innen erreichen Frauen mit Hochschulabschluss eine geringere Führungsspanne: Im Durchschnitt sind den Frauen 17 Beschäftigte unterstellt, bei den Männern sind es dagegen 43. Aber auch bei zahlenmäßig gleicher Personalverantwortung verdienen Männer mehr als Frauen: Die Einkommensdifferenzen bewegt sich je nach Anzahl der Mitarbeiter/innen zwischen 15 und 21 Prozent.

Die Gehaltsunterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Führungskräften spiegeln teilweise die unterschiedlichen Vergütungsniveaus in Abhängigkeit von der Betriebsgröße und zwischen den Branchen wieder. Frauen arbeiten zu einem größeren Anteil in kleineren und mittleren Betrieben und Branchen mit niedrigeren Gehältern. „Aber vor allem die hohe Differenz auch bei Beschäftigten mit quantitativ gleicher Führungsverantwortung deutet darauf hin, dass auch Diskriminierung eine Rolle spielt" meint WSI-Experte Reinhard Bispinck.

Das Projekt „LohnSpiegel“ erhebt und analysiert die Einkommens- und Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in Deutschland. Es ist Bestandteil des internationalen Wage-Indicator-Netzwerks, an dem Projekte aus insgesamt 60 Ländern mit gleicher Zielrichtung beteiligt sind. Die LohnSpiegel-Daten werden im Rahmen einer kontinuierlichen Online-Erhebung ermittelt, an der sich die Besucherinnen und Besucher der Webseite „www.lohnspiegel.de“ freiwillig und anonym beteiligen können. Zurzeit bietet der LohnSpiegel einen Online-Gehalts-Check für rund 280 Berufe.

Kontakt:

Dr. Reinhard Bispinck
Leiter WSI-Tarifarchiv

Dr. Heiner Dribbusch
WSI

Rainer Jung
Leiter Pressestelle


Die Pressemitteilung mit Grafik (pdf)

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