Böckler Impuls Ausgabe 17/2016

Krankenversicherung

Szenarien für den Umbau

Die Bürgerversicherung bringt den Versicherten mehr Gerechtigkeit. Wie lässt sie sich einführen?

Mit einer Bürgerversicherung lässt sich die europaweit einmalige Aufspaltung in gesetzliche und private Krankenversicherung überwinden – und die Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland abschaffen. Ein weiterer Vorteil: Die Krankenkassenbeiträge könnten in einem einheitlichen System mit solidarisch finanzierten Leistungen für alle Versicherten um durchschnittlich ein bis drei Prozentpunkte sinken, wie verschiedene Studien zeigen.

Der Übergang vom zweigeteilten System hin zu einer Bürgerversicherung wäre aber auch mit Herausforderungen verbunden – vor allem für die privaten Krankenversicherer (PKV), deren bisheriges Geschäftsmodell infrage gestellt wäre. Die Hans-Böckler-Stiftung hat ein Forschungsprojekt am IGES Institut gefördert, das die Folgen für die Beschäftigten in PKV-Unternehmen abschätzt und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigt. Die Studie des Gesundheitsforschers Martin Albrecht, die auf mehrstufigen Expertendiskussionen und Auswertungen der Forschungsliteratur basiert, unterscheidet vier Transformationsszenarien.

In einem der vier Szenarien würden GKV- und PKV-Unternehmen unter gleichen Wettbewerbsbedingungen auf einem gemeinsamen Markt agieren. Alle Kassen und Versicherer wären in einen gemeinsamen Risikostrukturausgleich einbezogen. Die Kunden hätten mehr Möglichkeiten, den Versicherer zu wechseln. Ein Trend, der sich bereits heute abzeichnet, würde sich verstärken: Immer mehr Menschen wechseln von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung. Der Prognose zufolge dürfte dies über einen Zeitraum von zehn Jahren dazu führen, dass die Zahl der Beschäftigten bei PKV-Unternehmen und bei freien Vertriebsbüros um ein Drittel sinkt.

Nach Einschätzung der Experten ist dieses Szenario günstiger als andere untersuchte Szenarien wie etwa das abrupte Ende des Neukundengeschäfts in der PKV. „Die Erforschung verschiedener Optionen zeigt, dass für den Übergang in eine Bürgerversicherung politische Gestaltung nötig ist“, sagt Dorothea Voss, Sozial­expertin in der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung. Dabei sei an arbeitsmarkt- und qualifizierungspolitische Instrumente für die Beschäftigten der Versicherungsbranche oder Zwischenstufen der Reform des Krankenversicherungssystems zu denken.

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Quellen

Martin Albrecht u.a.: Transformationsmodelle einer Bürgerversicherung (pdf). Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 332, Oktober 2016


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