Von WALTHER MüLLER-JENTSCH

Stellvertreterpolitik ist passé

Rezension Ein Band aus dem VSA-Verlag beschreibt, wie die IG Metall von amerikanischen Organizing-Konzepten gelernt hat – und wie sie die ursprünglichen Konzepte durch mehr Beteiligung verändert.

Von WALTHER MüLLER-JENTSCH

Die Sicherung ihrer Organisationsstärke ist eine zentrale Aufgabe der Gewerkschaften, die sie mit neuen Strategien angehen. Zu diesen zählt ein Erschließungsprojekt der baden-württembergischen IG Metall, die mit einer Publikation die daraus gewonnenen Erfahrungen nach dem dreijährigen Startzyklus niederlegt. Das auf neun Jahre angelegte Projekt orientiert sich am Ansatz des Organizing. Diese in den USA und Großbritannien praktizierte Strategie zur aktiven Mitgliedergewinnung wurde von der IG Metall durch Elemente konsequenter Mitgliederbeteiligung angereichert.

Im Interview schildern der Bezirksleiter und der Teamleiter des Projekts ihre Vorstellungen und Erwartungen. Dem folgen Erfahrungsberichte aus zehn Betrieben. In ihnen berichten die Organizer, mit welchen Methoden es ihnen gelang, Mitglieder zu gewinnen und zu aktivieren, Betriebsratswahlen gegen Widerstände zu organisieren und Tarifverträge durchzusetzen. Häufig erwies sich, dass Organizing fehlende gewerkschaftliche Tradition und Erfahrung ersetzen kann und muss.

Den Abschluss des Bandes bilden Lektionen und Thesen zur neuen Mitgliederpolitik. Zwei seien herausgegriffen: Eminent wichtig sind „Eins-zu-eins-Gespräche“, bei denen es vor allem aufs Zuhören ankommt. Mit direkter Ansprache erhöhen sich die Chancen zur Beteiligungsbereitschaft. Stellvertreterpolitik ist passé. Die andere These ist die bewusste oder implizit herbeigeführte Veränderung der Organisation, ihre Weiterentwicklung zum basisorientierten und „handlungsmächtigen“ Akteur, der auch in der alltäglichen Praxis mit „beißwilligen und -fähigen Belegschaften“ gewerkschaftliche Ziele durchzusetzen vermag.

IG-Metall-Bezirk Baden-Württemberg (Hrsg.): Aufrecht gehen. Wie Beschäftigte durch Organizing zu ihrem Recht kommen. Hamburg, VSA-Verlag 2018, 155 Seiten, 16,80 Euro

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