WSI GenderDatenPortal: Erwerbstätigkeit in Europa

Erwerbstätigenquoten im Europavergleich 2001-2016

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Die aktive Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben ist in der EU-28 geringer als die von Männern, wie die Erwerbstätigenquoten (employment rate) zeigen. Dies gilt für Deutschland wie für alle anderen Länder der EU.

Für das Jahr 2016 zeigen sich im Ländervergleich für die Erwerbsbeteiligung der Frauen enorme Unterschiede: Am niedrigsten ist sie in Griechenland (43 Prozent) und am höchsten in Schweden (75 Prozent). Im Durchschnitt aller 28 EU-Staaten liegt die Erwerbsbeteiligung der Frauen bei 61 Prozent. Mit fast 71 Prozent fällt die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Deutschland weit überdurchschnittlich aus, nur in Dänemark und Schweden sind Frauen noch häufiger erwerbstätig.

In allen Ländern der EU-28 sind Männer zu einem größeren Anteil erwerbstätig als Frauen. Zudem variiert die männliche Erwerbsbeteiligung zwischen den Ländern etwas weniger als bei den Frauen. Die Erwerbstätigenquoten der Männer reichen von 61 Prozent (Griechenland) bis 80 Prozent (Niederlande). In Deutschland beträgt sie rund 78 Prozent und gehört damit zu den höchsten in Europa.

Der geschlechtsspezifische Abstand der Erwerbstätigenquoten fällt in Deutschland 2016 mit 8 Prozentpunkten etwas geringer aus als im europäischen Durchschnitt (11 Prozentpunkte). Auffallend geringe Unterschiede von weniger als 5 Prozentpunkten ergeben sich nur für Litauen, Finnland, Lettland und Schweden. Demgegenüber gibt es sehr große geschlechtsspezifische Abstände mit 15 oder mehr Prozentpunkten in Malta, Italien, Griechenland, Rumänien und in der Tschechischen Republik. Die meisten anderen EU-Staaten weisen einen geschlechtsspezifischen Abstand zwischen 5 und 10 Prozentpunkten auf.

Im Zeitverlauf von 2002 bis 2016 ist die Beteiligung an Erwerbstätigkeit in Deutschland bei beiden Geschlechter gestiegen, insbesondere in den Jahren nach 2004: Innerhalb von 14 Jahren sind die Erwerbstätigenquoten der Frauen von 59 auf 71 Prozent und die der Männer von 70 auf 78 Prozent angewachsen. Dieser starke Zuwachs wurde durch die Wirtschaftskrise kaum gebremst. Allerdings fiel der Anstieg in den Jahren nach 2010 nur noch gering aus.

Im europäischen Durchschnitt sind die Folgen der Wirtschaftskrise deutlicher erkennbar: Die Erwerbsbeteiligung der Frauen – die auch im EU-Durchschnitt seit 2002 stark angestiegen war – hat nach 2008 nur leicht zugenommen, und beträgt im Jahr 2016 61 Prozent. Die Erwerbstätigenquote der Männer ist nach 2008 sogar deutlich zurückgegangen und hat 2016 mit 72 Prozent noch nicht wieder das Niveau von vor der Krise (2008) erreicht. Insgesamt weisen Frauen im europäischen Durchschnitt im Jahr 2016 immer noch eine um mehr als 10 Prozentpunkte geringere Erwerbstätigenquote auf als Männer. Allerdings hat sich der Abstand zwischen den Geschlechtern von 2002 bis 2016 sowohl in Deutschland als auch im EU-Durchschnitt jeweils um ein Drittel verringert.(1)

Bei der Interpretation der empirischen Befunde – insbesondere im Ländervergleich – ist zu beachten, dass die Erwerbstätigenquote alleine noch keine abschließende Bewertung der Arbeitsmarktintegration von Frauen und Männern erlaubt. Bei der Erwerbstätigenquote wird lediglich die Teilnahme am Erwerbsleben, jedoch nicht der Umfang der Erwerbstätigkeit berücksichtigt. Es wird somit nicht zwischen Vollzeit-, Teilzeitbeschäftigten und geringfügig Beschäftigten unterschieden. Bei der Interpretation der Erwerbstätigenquote im Geschlechtervergleich sollte daher immer auch die Teilzeitquote von Frauen und Männern mit berücksichtigt werden.(2) Ebenfalls aufschlussreich ist es, den Umfang der Erwerbstätigkeit beider Geschlechter in sogenannte Vollzeitäquivalente umzurechnen, um ihren Erwerbsumfang vergleichbar zu machen.(3)


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

European Commission (2016a): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016Q1 onwards). Luxemburg.

European Commission (2016b): EU Labor Force Survey database. User Guide. Version: November 2016.

Eurostat (2017): LFS series – Detailed annual survey results (lfsa). Reference Metadata in Euro SDMX Metadata Structure (ESMS), http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/DE/lfsa_esms.htm, letzter Zugriff: 25.07.2017.

Eurostat (o.J.): Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (AKE): Beschreibung des Datenbestandes, http://ec.europa.eu/eurostat/web/microdata/european-union-labour-force-survey, letzter Zugriff: 25.07.2017.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Teilzeitquoten im Europa-vergleich 2002-2016. In: WSI GenderDatenPortal.

Kümmerling, Angelika / Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2016): Vollzeitäquivalenzraten im Ländervergleich 2011. In: WSI GenderDatenPortal.

 


(1) Zu beachten ist, dass die Veränderungen der europäischen Durchschnittswerte auf sehr unterschiedlichen Veränderungsmustern der einzelnen Länder basieren: In einigen Ländern stieg sowohl die Erwerbstätigenquoten der Frauen als auch der Männer an, sodass der geschlechtsspezifische Abstand im Zeitverlauf – trotz der insgesamt stark gestiegenen Erwerbsbeteiligung beider Geschlechter – annähernd konstant blieb. Andererseits ist die Abnahme des Abstands nicht in allen Ländern allein oder überwiegend auf die gestiegene Erwerbsbeteiligung der Frauen zurückzuführen. In einigen Ländern ist der Rückgang des geschlechtsspezifischen Abstands sogar (fast) vollständig im Rückgang der Erwerbstätigenquote der Männer begründet (z. B. in Irland, Griechenland, Portugal und Zypern).

(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Teilzeitquoten im Europavergleich 2002-2016. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Vgl. Kümmerling, Angelika/ Hobler , Dietmar/ Pfahl, Svenja (2016): Vollzeitäquivalenzraten im Ländervergleich 2011. In: WSI GenderDatenPortal.

Tabellen zu den Grafiken

 

 


 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf der European Union Labour Force Survey (LFS, deutsch: EU Arbeitskräfteerhebung). Die LFS ist eine in allen Mitgliedstaaten der EU jährlich durchgeführte, repräsentative Haushaltsbefragung. Zur Grundgesamtheit zählen „alle in Privathaushalten lebende Personen ab 15 Jahren. Wehrdienst- oder Zivildienstleistende, sowie Personen aus institutionellen / Anstalts-Haushalten werden nicht berücksichtigt.“(1)

Die Erhebung wird vom Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) initiiert und organisiert. Für die „Auswahl der Stichproben, die Ausarbeitung der Fragebögen, die Durchführung der direkten Haushaltsbefragungen und die Übermittlung der Ergebnisse an Eurostat nach dem gemeinsamen Kodierungssystem“ sind die jeweiligen nationalen statistischen Ämter zuständig. In Deutschland werden die Daten gemeinsam mit dem Mikrozensus erhoben, bzw. beruhen auf den Daten des Mikrozensus. Die EU Labour Force Survey erfasst unter anderem Daten über den Arbeitsmarkt, Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit, Arbeitszeiten und Bildung.(2)

 


(1) Eurostat (o.J.): Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (AKE): Beschreibung des Datenbestandes.

(2) a. a. O.

Erwerbstätige:
Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Berichtswoche mindestens eine Stunde einer bezahlten Arbeit nachgingen. Zu den Erwerbstätigen (employed persons) zählen auch Personen, die während der Berichtswoche nicht gearbeitet haben, aber in einem Beschäftigungsverhältnis stehen.(1) Erwerbstätige umfassen sowohl abhängig Beschäftigte als auch Selbstständige und mithelfende Familienangehörige.(2)  Wehrdienstleistende werden nicht zu den Erwerbstätigen gezählt.(3)

Erwerbstätigenquote:
Die Erwerbstätigenquote (employment rate) gibt die Beteiligung am Erwerbsleben an. Sie bemisst den prozentualen Anteil der Erwerbstätigen an der gleichaltrigen Gesamtpopulation.(4) Die vorliegenden Analysen beziehen sich auf Personen im Erwerbsalter zwischen 15 und 64 Jahren.

 


(1) Vgl. Eurostat (2017): LFS series – Detailed annual survey results (lfsa). Reference Metadata in Euro SDMX Metadata Structure (ESMS).

(2) Vgl. European Commission (2016a): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016Q1 onwards). Luxemburg.

(3) Vgl. European Commission (2016b): EU Labor Force Survey database. User Guide. Version: November 2016.

(4) Vgl. Eurostat (2017): LFS series – Detailed annual survey results (lfsa). Reference Metadata in Euro SDMX Metadata Structure (ESMS).

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