WSI GenderDatenPortal: Erwerbstätigkeit in Europa

Teilzeitquoten im Europavergleich 2002-2016

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In ganz Europa ist Teilzeitarbeit weiblich geprägt: Im Vergleich der 28 EU-Länder weisen Frauen in allen Ländern wesentlich höhere Teilzeitquoten auf als Männer – im europäischen Durchschnitt ist jede dritte Frau (32 Prozent), aber nicht einmal jeder zehnte Mann (9 Prozent) teilzeitbeschäftigt. Dabei variieren die länderspezifischen Teilzeitquoten von Frauen sehr stark: zwischen 2 Prozent (Bulgarien) und 76 Prozent (Niederlande). Demgegenüber weisen die Teilzeitquoten der Männer in den 28 EU-Ländern eine deutlich geringere Spannweite auf: zwischen 2 Prozent (Bulgarien) und 26 Prozent (Niederlande).

Deutschland hat (zusammen mit Österreich) mit 47 Prozent die zweithöchste Teilzeitquote von Frauen innerhalb der EU-28. Demgegenüber arbeiten nur 9 Prozent der Männer in Deutschland Teilzeit; dieser Wert entspricht dem europäischen Durchschnitt.

Auch der Abstand zwischen den Teilzeitquoten von Frauen und Männern fällt in den europäischen Ländern höchst unterschiedlich aus: Er reicht von weniger als einem Prozentpunkt (Bulgarien) bis zu 50 Prozentpunkten Abstand (Niederlande). Mit 37 Prozentpunkten weist Deutschland (gleichauf mit Österreich) damit den zweithöchsten geschlechtsspezifischen Abstand in ganz Europa auf.

Da das Niveau der Teilzeitquoten für beide Geschlechter stark zwischen den Ländern differiert, bietet sich als zusätzlicher Vergleichsmaßstab der Frauenanteil an den Teilzeitbeschäftigten an (ohne Abb., siehe Tab.): Im europäischen Durchschnitt stellen Frauen drei Viertel aller Teilzeitbeschäftigten. Deutschland weist mit 81 Prozent nach Luxemburg (82 Prozent) den zweithöchsten Frauenanteil unter den Teilzeitbeschäftigten auf. In der Hälfte der 28 EU-Länder sind zwei Drittel bis drei Viertel aller Teilzeitbeschäftigten weiblich. Geringere Frauenanteile finden sich in einigen der neueren EU-Länder (z. B. Bulgarien, Kroatien, Slowakei), aber auch in Griechenland und Zypern. Nur in Rumänien stellen Frauen lediglich die Minderheit der Teilzeitbeschäftigten (Frauenanteil: 44 Prozent).

Die Betrachtung der Teilzeitquoten im Zeitverlauf von 2002 bis 2016 zeigt, dass Teilzeitarbeit über den gesamten Beobachtungszeitraum zugenommen hat – bei beiden Geschlechtern. Allerdings liegt die Teilzeitquote der Frauen in Deutschland über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg um mindestens 11 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der 28 EU-Länder, während die Teilzeitquote der Männer weitgehend deckungsgleich mit dem europäischen Durchschnitt ist.

Dass die Teilzeitquoten der Männer – gemessen am Ausgangsniveau im Jahr 2002 – stärker ansteigen als jene der Frauen, lässt sich auch daran erkennen, dass der Frauenanteil an allen Teilzeitbeschäftigten bis 2016 leicht zurückgegangen ist: In Deutschland sank der Frauenanteil zwischen 2002 und 2016 von 86 auf 81 Prozent, im europäischen Durchschnitt von 79 auf 76 Prozent (ohne Abb., siehe Tab.). Trotz leichter Veränderungen bleibt Teilzeit damit insgesamt weiterhin stark frauendominiert.
 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

European Commission (2016a): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016Q1 onwards). Luxemburg.

European Commission (2016b): EU Labor Force Survey database. User Guide. Version: November 2016.

Eurostat (2017): LFS series – Detailed annual survey results (lfsa). Reference Metadata in Euro SDMX Metadata Structure (ESMS), http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/DE/lfsa_esms.htm, letzter Zugriff: 25.07.2017.

Eurostat (o.J.): Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (AKE): Beschreibung des Datenbestandes, http://ec.europa.eu/eurostat/web/microdata/european-union-labour-force-survey, letzter Zugriff: 25.07.2017.

Eurostat Statistics explained (2017): EU labor force survey – methodology, http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/EU_labour_force_survey_-_methodology, letzter Zugriff: 25.07.2017.

Tabellen zu den Grafiken

 

 


 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf der European Union Labour Force Survey (LFS, deutsch: EU Arbeitskräfteerhebung). Die LFS ist eine in allen Mitgliedstaaten der EU jährlich durchgeführte, repräsentative Haushaltsbefragung. Zur Grundgesamtheit zählen „alle in Privathaushalten lebende Personen ab 15 Jahren. Wehrdienst- oder Zivildienstleistende, sowie Personen aus institutionellen / Anstalts-Haushalten werden nicht berücksichtigt.“(1)

Die Erhebung wird vom Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) initiiert und organisiert. Für die „Auswahl der Stichproben, die Ausarbeitung der Fragebögen, die Durchführung der direkten Haushaltsbefragungen und die Übermittlung der Ergebnisse an Eurostat nach dem gemeinsamen Kodierungssystem“ sind die jeweiligen nationalen statistischen Ämter zuständig. In Deutschland werden die Daten gemeinsam mit dem Mikrozensus erhoben, bzw. beruhen auf den Daten des Mikrozensus. Die EU Labour Force Survey erfasst unter anderem Daten über den Arbeitsmarkt, Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit, Arbeitszeiten und Bildung.(2)

 


(1) Eurostat (o.J.): Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (AKE): Beschreibung des Datenbestandes.

(2) a. a. O.

Teilzeitquote:
Die Teilzeitquote gibt hier den Anteil der in Teilzeit erwerbstätigen Personen an allen Erwerbstätigen (im Alter von 15 bis 64 Jahren) wieder.

Teilzeiterwerbstätige:
Erwerbstätige Personen zwischen 15 und 64 Jahren, deren Arbeitszeit kürzer ist als die Arbeitszeit, die in ihrem Betrieb als Vollzeit definiert ist. Die Unterscheidung der Voll- und Teilzeitarbeit beruht auf der Selbsteinstufung der Befragten.(1) Davon abweichend gelten in den Niederlanden alle Arbeitsverhältnisse mit weniger als 35 Wochenstunden als Teilzeitbeschäftigung. Dieses Kriterium wird in Schweden auch auf Selbstständige angewendet.(2)

Erwerbstätige:
Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Berichtswoche mindestens eine Stunde einer bezahlten Arbeit nachgingen. Zu den Erwerbstätigen (employed persons) zählen auch Personen, die während der Berichtswoche nicht gearbeitet haben, aber in einem Beschäftigungsverhältnis stehen.(3) Erwerbstätige umfassen sowohl abhängig Beschäftigte als auch Selbstständige und mithelfende Familienangehörige.(4) Wehrdienstleistende werden nicht zu den Erwerbstätigen gezählt.(5)

 


(1) Vgl. European Commission (2016a): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016Q1 onwards). Luxemburg.

(2) Vgl. Eurostat Statistics explained (2017): EU labor force survey – methodology.

(3) Vgl. Eurostat (2017): LFS series – Detailed annual survey results (lfsa). Reference Metadata in Euro SDMX Metadata Structure (ESMS).

(4) Vgl. European Commission (2016a): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016Q1 onwards). Luxemburg.

(5) Vgl. European Commission (2016b): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016Q1 onwards). Luxemburg.

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