Böckler vor Ort

Mitbestimmung macht Wasserbetriebe zum Vorzeigeunternehmen

Seit einem Jahr besucht der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Böckler vor Ort" Unternehmen mit beispielhafter Mitbestimmung. Dies Mal zog es ihn nach Berlin zu den Berliner Wasserbetrieben, dem  größten städtischen Wasserversorger Deutschlands. Von Guntram Doelfs 


Dem scharfen Blick von Reiner Hoffmann entgeht nichts. „Das Fenster muss aber noch zu, oder?“ fragt er und schiebt dann lachend an einem Werkstatt-Modell ein Miniaturfenster zu. Azubi Denys Toews von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) bringt er damit nicht aus der Fassung, er lacht einfach mit und setzt dann wie ein routinierter Profi seinen Vortrag über die Feinheiten moderner Regelungstechnik bei Heizungen fort. Die Stimmung ist blendend an diesem Donnerstagvormittag in der BWB-Ausbildungswerkstatt im Berliner Stadtteil  Lichtenberg, auch bei Reiner Hoffmann. Er genießt es sichtlich, bei einem Unternehmen zu Gast zu sein, indem gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen herrschen. Und so verteilt er Komplimente, etwa zur Ausbildung beim kommunalen Versorger, die dort „nicht nur als Kostenfaktor betrachtet  wird. Das finde ich äußerst beeindruckend“, sagt er. Mit so viel Lob von Gewerkschaftsseite hatte Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, dann doch nicht gerechnet. 

Hoffman besucht im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Böckler vor Ort“ den größten städtischen Versorgungsbetrieb, der in Berlin mit 4430 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern der Stadt zählt.  Inzwischen genießen die Wasserbetriebe auch wieder einen hervorragenden Ruf in der Hauptstadt. Das war durchaus nicht immer so war, daran erinnerte Karsten Malareck den DGB-Vorsitzenden und auch Vorstandschef Simon. Nach der Teilprivatisierung 1999 „sollte hier nämlich die Ausbildungswerkstatt geschlossen werden“, sagt der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates. Der hohe Mitbestimmungsgrad im Unternehmen hat das ebenso verhindert wie den Rauswurf von vielen Mitarbeitern - obwohl das Unternehmen seit Anfang des Jahrtausends mehr als 2500 Arbeitsplätze abgebaut hat. „Niemand wurde hier betriebsbedingt gekündigt“, so Malareck.

Der hohe Grad der Mitbestimmung, die kooperative Zusammenarbeit der Geschäftsführung und die 2013 erfolgte Rekommunalisierung der Wasserbetriebe sorgen für sehr gute Arbeitsbedingungen. Es gibt laut Hoffman keine Leiharbeiter und Werkverträge, derzeit bildet das Unternehmen 241 Azubis aus. Der Anteil der Frauen auf der Führungsebene beträgt 41 Prozent, es gibt keine Unterschiede bei der Lohnhöhe zwischen Männern und Frauen. „Dies ist ein absolutes Vorzeigeunternehmen“, sagt der DGB-Vorsitzende – und wäre wohl froh, wenn er öfters solche Firmen besuchen könnte.


Weitere Informationen

Berliner Wasserbetriebe - Leuchtturm der Mitbestimmung

Die Berliner Wasserbetriebe sind durch eine langjährige Mitbestimmungstradition geprägt. Da sie in Ihrer Rechtsform eine Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR) sind und somit dem Personalvertretungsgesetz des Landes Berlin unterliegen, verfügt das Unternehmen über einen Personalrat. Das Gremium arbeitet aktiv mit der Gewerkschaft ver.di an Themen mit und agiert somit als kooperativer und
zuverlässiger Mitbestimmungsakteur.

Die Arbeit und das Verhältnis zwischen dem Vorstand und dem Personalrat sind geprägt von konstruktiver und vertrauensvoller Zusammenarbeit. Dieser Arbeitsweise zeigt sich auch in schwierigen Zeiten. Beleg hierfür ist die Rekommunalisierung der Wasserbetriebe im Jahr 2014.

Die Zusammenarbeit des Personalrats mit der Gewerkschaft ver.di fußt auf einem vertrauensvollen Verhältnis. Deutlich wird dies daran, dass das Gremium mit der Gewerkschaft ver.di aktiv an dem Errichtungsgesetz für die AÖR gearbeitet hat und darin auch die paritätische Mitbestimmung im Aufsichtsrat durchgesetzt wurde. Weiterer Erfolg ist die Sicherung von Arbeitsplätzen im Zuge der Teilprivatisierung im Jahr 1999, wo Arbeitsplätze und die Arbeitsbestimmungen in einem "Tarifvertrag zur Arbeitsplatzsicherung" gesichert werden konnten. 

Mehr dazu in der Datenkarte Berlin 2016 (pdf)



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