Drei Fragen an Sebastian Gechert

Auszeichnung für IMK Forscher

Sebastian Gechert wurde auf der rennomierten INFER-Konferenz für ein Working Paper ausgezeichnet, das die langfristigen Wirkungen der Konjunkturpakete und Konsolidierungsmaßnahmen im Euroraum nach der Finanzkrise untersucht.


Worum geht es in dem prämierten Papier?

Während der Finanzkrise und der anschließenden Krise des Euroraums wurden in den Ländern ganz unterschiedliche Budgetmaßnahmen umgesetzt: die Krisenländer, allen voran Griechenland, wurden auf einen harten Sparkurs gezwungen, während z.B. Deutschland zunächst mit expansiven Konjunkturpaketen gegensteuerte und anschließend auf einen neutralen Pfad einschwenkte. Wir haben uns angeschaut, welche kurz- und längerfristigen Effekte auf Wachstum und Beschäftigung mit diesen verschiedenen Strategien verbunden waren. Üblicherweise wird angenommen, dass Konjunkturpakete nur Strohfeuer entfachen und ein Sparkurs langfristig positive Wachstumseffekte mit sich bringt. Wir finden jedoch, dass die Länder, die in den Krisenjahren am stärksten konsolidiert haben, sich in der Folge im Schnitt viel schlechter entwickelt haben, als erwartet. Und dies wirkt sich auch auf ihr längerfristiges Wachstumspotenzial negativ aus.

Was sagt uns dies über die Rolle der Konjunkturpolitik in der Krise?

Das sagt uns, dass es für die Erhaltung von Arbeitsplätzen auch langfristig wichtig ist, in einer Krise aktiv gegenzusteuern und die automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen, sofern dazu Spielraum vorhanden ist. Wenn die Privatwirtschaft schwächelt, darf der Staat nicht auch noch hinterhersparen. Das vertieft die Krise und manifestiert sich in zunehmender Langzeitarbeitslosigkeit und ausgebliebenen Investitionen, was später nur schwer zu korrigieren ist. Griechenland musste sicher seinen öffentlichen Haushalt in Ordnung bringen. Aber das hätte man mit der Unterstützung der europäischen Partnerländer behutsam machen sollen, nachdem sich das Land zunächst vom Krisenschock erholt hätte. Das hätte den Menschen viel Leid erspart und vermutlich sogar die Konsolidierung erleichtert.

Profitiert Deutschland also auch heute noch seinen von seinen Konjunkturprogrammen während der Finanzmarktkrise?

Im Umkehrschluss heißt es genau das. Mit den Konjunkturprogrammen in Deutschland wurde der Einbruch der privaten Nachfrage abgefedert. Das hat (in Kombination mit anderen Elementen, wie etwa der Kurzarbeitsregelung) Menschen in Jobs gehalten, die sie sonst vielleicht auf Dauer verloren hätten. Letztlich haben diese kurzfristigen Mehrausgaben zur rechten Zeit sogar später den Schuldenabbau befördert, weil dadurch längerfristig Steuereinnahmen gesichert und teure Arbeitsmarktmaßnahmen gespart werden konnten. Wir haben berechnet, dass ohne die Maßnahmen der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP heute um etwa 5 Prozentpunkte höher gelegen hätte. 


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