Drei Fragen an Rudolf Zwiener

Mindestlohn steigert das Wirtschaftswachstum

Wir haben Rudolf Zwiener, Referatsleiter für Wirtschaftspolitische Beratung und Modellsimulationen, drei Fragen zu Report 141 gestellt.


Hat die Einführung des Mindestlohns, wie von vielen Ökonomen erwartet, Beschäftigungseinbußen ausgelöst?

Eindeutig nein. Jedenfalls nicht auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Die Arbeitsmarktentwicklung war wie in den Vorjahren positiv, getragen von merklichen Zuwächsen bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Erwerbstätigenzahl nahm in den letzten drei Jahren im Jahresdurchschnitt um 0,9 %, 1,3 % und 1,5 % zu.
Gleichzeitig nahm die Zahl der Mini-Jobber aufgrund der Mindestlohneinführung in den Jahren 2015 und 2016 ab. Für manche Unternehmen lohnte sich diese Form der Beschäftigung nicht mehr. Es kam daher zu einer nennenswerten Zahl an Umwandlungen von Mini-Jobs in sozialversicherungspflichtige Teilzeit- und teilweise sogar zu Vollzeitarbeit. Ebenfalls stieg die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden an. Entsprechend ging die Arbeitslosigkeit weiter zurück und die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt 2015 bei 6,7 %.

Wer profitiert vom Mindestlohn besonders?

In erster Linie profitierten rund 4 Millionen Beschäftigte im Niedriglohnbereich, die bei Einführung des Mindestlohns im Durchschnitt eine Lohnerhöhung von 18 % erhielten. Gleichzeitig wurden aber auch die Löhne in angrenzenden Lohngruppen überdurchschnittlich angehoben (Spillover-Effekt).
Ohne den Mindestlohn würden Personen, die in nicht-tarifgebundenen Unternehmen zu sehr niedrigen Löhnen arbeiten, weiterhin von der Verteilung des wachsenden gesellschaftlichen Wohlstands abgeschnitten bleiben. Der Mindestlohn sichert ihnen eine Teilhabe am Wirtschaftswachstum.
Neben den Mindestlohnbegünstigten ist auch der Staat ein Gewinner, weil seine Einnahmen stärker als seine Ausgaben stiegen. In den letzten Jahren dürfte er diese Mehreinnahmen weitgehend wieder ausgegeben und damit das Wirtschaftswachstum zusätzlich angeregt haben. Letztlich erhöhte das die Beschäftigung zusätzlich.

Hat die deutsche Wirtschaft insgesamt gelitten?

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nach der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 schloss nahtlos an die des Vorjahres an und die gute wirtschaftliche Entwicklung hielt seither ununterbrochen an. Mit einer Zuwachsrate des BIP von 1,7 %, 1,9 % und 2,2 % entwickelte sich die Wirtschaftsleistung in den Jahren 2015 bis 2017 dynamischer als in den Vorjahren. Auch die Arbeitsmarktentwicklung gewann weiter an Fahrt. Das Wirtschaftswachstum wurde durch die Einführung des Mindestlohns über die höheren Löhne der Mindestlohnbegünstigten und über den Spillover-Effekt tendenziell vor allem über die Steigerung des privaten Konsums angeregt. Dieser Effekt fiel deswegen besonders stark aus, weil vor allem Personen profitierten, die mit einer vergleichsweise geringen Sparquote für eine Steigerung des realen privaten Verbrauchs sorgten. Dieser Konsumeffekt ist deutlich stärker als der negative Einfluss auf die Exporte.
Es kam dabei zwar zu Preissteigerungen, die allerdings im gesamtwirtschaftlichen Maßstab vernachlässigbar gering waren. Höhere (Mindest-)Löhne und geringe Preissteigerungen lösten einen Prozess aus, der nach einiger Zeit auch die Löhne aller Beschäftigten in den normalen Lohnrunden leicht anhebt. Die Preiseffekte in Folge der Mindestlohneinführung haben in der konkreten Situation des Jahres 2015 einen wichtigen Beitrag gegen deflationäre Tendenzen geleistet und so zumindest eine noch größere Verfehlung der Zielinflationsrate der EZB verhindert.


zum IMK Report (pdf)


zurück

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden