Drei Fragen an Sabine Stephan

Importzölle schädigen primär US-Wirtschaft

Sabine Stephan, Referatsleiterin Ökonometrie und Außenhandelsexpertin, beantwortet 3 Fragen zum Handelskrieg.


Was will Donald Trump eigentlich mit dem Handelskonflikt erreichen?

Die Strafzölle auf Stahl und Aluminiumimporte sind in erster Linie politisch motiviert. Zum einen sendet der US-Präsident an seine Kernwählerschaft in den ehemals stark industrialisierten Regionen („Rust Belt“) das Signal, dass er es ernst meint mit seiner „America First“-Doktrin als auch mit dem Kampf gegen den „unfairen“ Handel, den die ganze Welt angeblich mit den Amerikanern treibt. Damit löst er ein wichtiges Wahlversprechen ein. Zum anderen setzt er mit den Zöllen Kanada, Mexiko und Südkorea unter Druck, um diesen Ländern Zugeständnisse in den Nachverhandlungen von NAFTA und KORUS abzuringen. Dabei geht es ihm aber nicht um tiefgreifende Reformen dieser Abkommen, sondern um punktuelle Verbesserungen zu Gunsten der USA, mit denen er in den anstehenden Kongresswahlen punkten kann. Und: er testet die Verhandlungsbereitschaft der EU an.

Mit welcher Strategie sollte die EU hierauf reagieren?

Mit Gelassenheit. Zum einen ist die Abhängigkeit der europäischen Stahlproduzenten vom US-Markt eher gering. Zum anderen spielt die Zeit der EU in die Hände. Die Importzölle werden den Stahlpreis in den USA steigen lassen. Damit verteuern sich die Vorprodukte für die großen Stahlverbraucher in der US-Industrie und für das Baugewerbe. Sobald dies spürbar wird, dürfte der Druck der US-Wirtschaft auf den Präsidenten steigen, die Zölle wieder zurückzunehmen.

Ein weiter Grund für Gelassenheit ist, dass die USA ihre Handelspartner wohl vor die Wahl stellen werden, entweder mengenmäßige Beschränkungen ihrer Exporte oder aber Importzölle zu akzeptieren. Die EU sollte die Quote wählen. Eine solche Quote wäre nämlich kein Drama. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit: 2002 verhängte George W. Bush Importzölle auf spezifische Stahlerzeugnisse, räumte aber einigen Staaten zollfreie Importkontingente ein. Die Zölle sorgten dafür, dass die Stahlpreise in den USA stiegen. Davon profitierten die ausländischen Stahlexporteure, die von den Zöllen ausgenommen waren. Sie verkauften zwar eine geringere Menge in die USA, erzielten für diese aber einen höheren Preis, so dass ihre finanziellen Einbußen per Saldo begrenzt blieben.

Was kann man tun, um solche Handelskonflikte von vorneherein zu vermeiden?

In der Vergangenheit gab es einen breiten Konsens, dass multilaterale Verhandlungen ein geeigneter Weg sind, um globale Handelskonflikte zu vermeiden. Diesen Konsens hat Trump mit seiner Abkehr vom Multilateralismus und seiner Fundamentalopposition gegen die WTO nun einseitig aufgekündigt. Sicherlich hat die globale Handelsarchitektur in ihrer jetzigen Form Schwachstellen und Probleme. Doch der Grundsatz eines multilateralen Interessensausgleichs erscheint angesichts der Kosten, die mit einem Handelskrieg verbunden wären, nach wie vor tragfähig. Deshalb sollte die EU längerfristig die Option eines reformierten Multilateralismus in die Verhandlungen mit den USA einbringen. Davon würden letztlich alle profitieren.


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