Drei Fragen an Rudolf Zwiener

DEN DEMOGRAFISCHEN WANDEL BEWÄLTIGEN: DIE SCHLÜSSELROLLE DES ARBEITSMARKTES

Wir haben Rudolf Zwiener, Referatsleiter für Wirtschaftspolitische Beratung und Modellsimulationen, drei Fragen zu Report 137 gestellt.


Werden die Lasten des demografischen Wandels für die Alterssicherung überschätzt?

Ja und zwar erheblich, weil unzulässigerweise von der Alterung der Gesellschaft – gemessen am Altenquotienten (Verhältnis der über 65 Jährigen zu den 15 – 64 Jährigen) – direkt auf die Zunahme der ökonomischen Lastverteilung durch die Jüngeren geschlossen wird. Projektionen mit einem sogenannten Belastungsrechner der AK Wien auf Basis von Bevölkerungsprognosen von Eurostat zeigen, dass zwar der Altenquotient bis 2060 um 73 bis 86 % steigen wird, dass dies aber nicht 1:1 für die ökonomische Lastzunahme gelten wird. Bei der ökonomischen Lastenverteilung wird die Zahl der Rentner und Rentnerinnen zusammen mit den Arbeitslosen bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen (ohne  Kurzarbeiter). Dieser Belastungsquotient wird bis 2060 unter Standardannahmen „nur“ um 51 % steigen. Gelingt in Zukunft eine höhere Erwerbsbeteiligung, dann lässt sich dieser ökonomische Lastanstieg sogar auf 10 bis 18 % begrenzen.

Welche Rolle spielen die Bevölkerungsprognosen ?

Bei diesen Berechnungen spielen Bevölkerungsprognosen eine wichtige Rolle. So revidierte Eurostat im vergangenen Jahr seine Bevölkerungsprognose für Deutschland innerhalb von drei Jahren für das Jahr 2060 um fast 10 Mill. Personen nach oben. Es wird jetzt von einer weitgehenden langfristigen Stabilität der Bevölkerung knapp oberhalb von 80 Mill. Personen und nicht mehr von einem deutlichen Rückgang ausgegangen. Zwar steigt weiterhin der Anteil der über 65 Jährigen merklich an, doch auch die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter liegt im Jahr 2060 um gut 6 Mill. Personen höher als noch vor drei Jahren angenommen. Damit reduziert sich der erwartete Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ganz erheblich. Das eröffnet zusätzliche Spielräume bei der Ausdehnung des Arbeitsvolumens und Ausschöpfung des Erwerbspersonenpotentials.

Welchen Beitrag kann die Arbeitsmarktpolitik leisten, um die Lasten der Alterung der Gesellschaft abzufedern ?

Klar erkennbar wird bei unserer Analyse, dass dem Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle bei der Milderung der Folgen des demografischen Wandels zukommt. Potenziale für eine höhere Erwerbsbeteiligung sind vorhanden und sollten genutzt werden, d.h. Personengruppen mit geringerer durchschnittlicher Erwerbsbeteiligung wie Frauen, Ältere, Ausländer sollten besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Eine solche Strategie würde dazu beitragen, auch andere zentrale Herausforderungen zu bewältigen (Ausbildungsdefizite, mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Fehlen altersgerechter Arbeitsplätze, etc.). Wird für Deutschland in den kommenden Jahrzehnten eine Arbeitsmarktentwicklung erreicht, die sich dem schwedischen Niveau d annähert, und wird die demografische Entwicklung entsprechend neueren Vorausberechnungen von Eurostat eintreten, ändern sich die ökonomischen Abhängigkeitsverhältnisse in einem Ausmaß, das gut bewältigt werden kann.


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