Drei Fragen an Silke Tober

Geldpolitische Herausforderungen

Wir haben Silke Tober, Expertin für Geldpolitik im IMK, drei Fragen zur zinspolitischen Wende, sicheren Staatsanleihen und digitalem Euro gestellt  (Report 135).


Warum kauft die Europäische Zentralbank immer noch Wertpapiere?

Die EZB kauft immer noch Wertpapiere, weil die wirtschaftliche Erholung im Euroraum noch nicht so weit fortgeschritten ist wie in den USA, wo die Fed die Käufe seit längerem eingestellt hat und mittlerweile sogar damit begonnen, sie wieder zu verkaufen. Das zeigt ein Ausstieg aus der stark expansiven Geldpolitik ist möglich, sobald sich die Konjunktur nachhaltig erholt hat.

Warum sind sichere Staatsanleihen so wichtig?

Sichere Staatsanleihen bilden einen Stabilitätsanker für die Volkswirtschaft. Ohne diese sicheren Anleihen können abrupte Erwartungsänderungen – zum Beispiel weil Investoren einen staatlichen Schuldenschnitt befürchten – zu einem Teufelskreis steigender Risikoprämien und einbrechender Produktion führen wie es in vielen Ländern während der Eurokrise zu beobachten war.

Warum ist ein digitaler Euro sinnvoll?

Ein digitaler Euro ist das gesetzliche Zahlungsmittel Euro nur in digitaler Form. Er bedeutet keineswegs das Aus für Bargeld, sondern könnte parallel existieren. Es wäre also kein zusätzliches Zahlungsmittel oder gar ein Spekulationsobjekt wie Bitcoin, sondern hätte denselben Wert wie der heutige Euro, den die EZB garantiert und mithilfe der Geldpolitik stabilisiert.
Dies hätte erhebliche Vorteile für Verbraucher. Gegenwärtig hinterlässt man mit den meisten Ausgaben eine für das kontoführende Kreditinstitut gut lesbare Datenspur. Für einen digitalen Euro spricht daher, dass er in anonymer Form und für kleinere Beträge das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter gewährleisten könnte. In nicht-anonymer Form könnte der digitale Euro durch Konten bei der Zentralbank bereitgestellt werden. Dann hinterlässt man zwar immer noch eine Datenspur, aber bei einer staatlichen Institution, die der demokratischen Kontrolle unterliegt.
Handlungsbedarf besteht auch wegen der Konkurrenz durch andere digitale Währungen. Bitcoin und Co. sind gegenwärtig eher Spekulationsobjekte als Währungen, aber wenn andere Staaten digitale Währungen zur Verfügung stellen, wird die EZB ohnehin in Zugzwang geraten. Das gilt umso mehr, wenn sogar einzelne Euroländer auf die Idee kommen, eigene Digitalwährungen herauszugeben.


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