Drei Fragen an Thomas Theobald

Wie sicher ist das Geld an den Finanzmärkten?

Der IMK Finanzmarkstabilitätsreport beschäftigt sich einmal im Jahr mit den größten Risiken, die die Stabilität der internationalen wie nationalen Finanzmärkte gefährden. Wir haben Dr. Thomas Theobald, Referatsleiter Finanzmärkte und Konjunktur drei Fragen zu Report 134 gestellt.


Sind die Finanzmärkte derzeit stabil?

Die Risiken für die Finanzmarktstabilität sind aktuell niedrig, es zeichnen sich aber Risiken für die mittlere Frist ab. Viele Investoren haben sich durch die zuletzt guten Konjunkturdaten und die Niedrigzinsen dazu verleiten lassen, Risikoprämien vor allem bei Aktien- und Unternehmensanleihen sehr niedrig zu bepreisen. Unter solchen Bedingungen kann jede Form von nicht erfüllten Markterwartungen - selbst eine sehr vorsichtig eingeleitete Zinsänderung durch die Zentralbank - für abrupte Neubewertungen sorgen. Das kann sich dann sehr negativ auf die Realwirtschaft auswirken.

Gefährdet Präsident Trump mit seinen Deregulierungsvorschlägen diese Stabilität?

Obwohl vielen der Vorschläge bisher die zum Inkrafttreten notwendige Zweikammermehrheit in Repräsentantenhaus und Senat fehlt, besteht Grund zur Warnung. Die Vorschläge sehen nämlich vor, dass kleinere Banken ohne Einschränkung Eigenhandel betreiben dürfen und weniger Banken als bisher am Stresstest der US-Notenbank teilnehmen müssen. Auch für die Großbanken sollen die Auflagen zur Beschränkung des Eigenhandels zumindest teilweise gelockert werden. Schließlich sollen die durch Basel III verschärften Anforderungen an die Liquidität der Kreditinstitute zum Teil verschoben oder aufgeweicht werden. Die US-Administration ignoriert damit zentrale Erkenntnisse der jüngeren Finanzmarktforschung und erhöht signifikant die Risiken.

Brauchen wir den digitalen Euro?

Gegenwärtig ist selbst die weitverbreitetste digitale Währung, Bitcoin, keine vollumfängliche Währung im ökonomischen Sinne. Dass es digitale Währungen in Zukunft geben wird, ist mittlerweile aber sehr wahrscheinlich. Das heißt wir sollten auch einen digitalen Euro haben. Hierfür sprechen Nutzenvorteile wie etwa geringere Transaktionskosten. Die Frage ist dabei vielmehr, wer die digitalen Währungen kontrolliert. Für die Geldpolitik wird die Einführung einer digitalen Währung wiederum mit deutlichen Veränderungen im Transmissionsmechanismus einhergehen, weil Banken an Bedeutung verlieren könnten. Für die Finanzmarktstabilität gilt es zu beachten, dass die Geschwindigkeit, mit der sich Erwartungsänderungen ausbreiten, weiter zunehmen wird.


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