Drei Fragen an Ulrike Stein

Die Rolle der Ungleichheit der Erwerbseinkommen

Ulrike Stein, Expertin im IMK unter anderem für Einkommensverteilung und Arbeitsmarkt, erklärt die Ursachen der Erwerbsungleichheit.


Was lernt man von einer Dekomposition der Ungleichheit der Erwerbseinkommen?

Die Dekompositionsanalyse leistet einen zweifachen wissenschaftlichen Beitrag: Man erhält durch sie ein besseres Verständnis wie sich die Ungleichheit der Erwerbseinkommen im zeitlichen Verlauf entwickelt hat. Zudem kann damit herausgearbeitet werden, wieviel des Ungleichheitsanstiegs auf die verschiedenen Beschäftigungsgruppen des Arbeitsmarktes zurückzuführen ist. Die Ungleichheit der Erwerbseinkommen in Deutschland ist zwischen 1995 und 2010 insgesamt spürbar angestiegen.
Man kann mit dieser Analyse zusätzlich aufschlüsseln, wieviel des gesamten Ungleichheitsanstiegs erstens auf die unterschiedliche Entwicklung der durchschnittlichen Entlohnung verschiedener Beschäftigungsgruppen zurückzuführen ist, zweitens wieviel darauf zurückzuführen ist, dass sich die Spreizung der Entlohnung der Beschäftigten innerhalb der einzelnen Gruppen unterschiedlich verändert hat und drittens welchen Beitrag die veränderte Beschäftigtenstruktur auf die Ungleichheitsentwicklung hatte.

Was ist der treibende Faktor der Erwerbseinkommensungleichheit?

Hauptursachen für den Ungleichheitsanstieg zwischen 1995 und 2010 waren eine Mischung aus den fortwährend auseinander entwickelnden Durchschnittseinkommen zwischen den verschiedenen Beschäftigungsgruppen und der gleichzeitig zunehmenden Lohnspreizung innerhalb der betrachteten Gruppen. Bemerkenswert ist, dass ohne Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur die Ungleichheit der Erwerbseinkommen auch nach dem Jahr 2010 weiter zugenommen hätte.

Hat der starke Zustrom von Frauen auf den Arbeitsmarkt die Ungleichheit der Erwerbseinkommen erhöht?

In der Summe lassen sich keine großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf den allgemeinen Ungleichheitsanstieg ausmachen, da sowohl die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Vollzeit als auch insbesondere die in Teilzeit zugenommen haben. Eine große Rolle spielt allerdings der Faktor Arbeitszeit. Der Ungleichheitsanstieg wird maßgeblich durch die zahlenmäßig größte Gruppe der Vollzeitbeschäftigten bestimmt, sowohl durch die überdurchschnittlichen Steigerungen der Erwerbseinkommen von Vollzeitbeschäftigten im Vergleich zu den anderen Beschäftigtengruppen als auch durch die Zunahme der Spreizung der Erwerbseinkommen innerhalb der Gruppe der Vollzeitbeschäftigten. Dagegen hat die Zunahme von Teilzeitarbeit, die vor allem von Frauen geleistet wird, für sich genommen die Ungleichheit reduziert.


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