Drei Fragen an Silke Tober

Die konjunkturelle Lage in Deutschland zur Jahreswende 2017/2018

Wir haben Silke Tober, Expertin für Geldpolitik im IMK, drei Fragen zur aktuellen Prognose zum Jahreswechsel 2017/2018 gestellt.


Teilt das IMK die allseits optimistischen Prognosen zur Konjunkturentwicklung 2018?

Ja. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem schon länger anhaltenden ausbalancierten und robusten Aufschwung. Für 2018 prognostiziert das IMK einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 2,3 %, nach ebenfalls 2,3 % in diesem Jahr. Der Anstieg des privaten Konsums bleibt mit einer Rate von 2 % kräftig. Die Exporte haben in diesem Jahr wegen der Erholung der Weltwirtschaft etwas an Fahrt aufgenommen und behalten ihr Tempo im kommenden Jahr bei. Und auch die Ausrüstungsinvestitionen sind endlich in Schwung gekommen. Sie wurden bereits in diesem Jahr stärker ausgeweitet und werden 2018 mit einer Rate von kräftigen 7 % zunehmen.

Ist die Binnennachfrage weiterhin die entscheidende Antriebskraft für die konjunkturelle Dynamik?

Das Besondere an diesem Aufschwung ist, dass er sogar hauptsächlich von der Binnennachfrage getragen wird. In der Vergangenheit waren es meistens die Exporte. Auch im Prognosezeitraum bleibt der private Konsum robust, weil die Einkommen und die Beschäftigung relativ stark zunehmen. Da seit diesem Jahr zudem die Investitionen an Kraft gewonnen haben, verleiht die binnenwirtschaftliche Entwicklung dem Aufschwung Stabilität. Infolge dieser günstigen Entwicklung sprudeln auch die Steuereinnahmen. Der Finanzierungsüberschuss der Gebietskörperschaften wird in beiden Jahren bei etwas über 1 % des BIP liegen, in diesem Jahr sind das 38,8 Mrd. Euro.

Besteht die Gefahr einer Überhitzung?

Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine Überhitzung der Konjunktur. Die Beschäftigung nimmt stetig zu und die Arbeitslosenquote wird im kommenden Jahr auf durchschnittlich 5,5 % sinken. Es ist aber dennoch keine beschleunigte Lohnentwicklung in Sicht. Im Gegenteil: In Deutschland und auch im übrigen Euroraum steigen die Lohnstückkosten geringer als die Zielinflationsrate der EZB und auch die Inflation bleibt darunter. Für Deutschland erwartet das IMK einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,7 % in diesem Jahr und um 1,5 % 2018.
Da es keine nennenswerten Überhitzungstendenzen gibt und der Aufschwung von seiner Zusammensetzung her stabil ist, gibt es auch keine Anzeichen für einen Abbruch der aktuell positiven Entwicklung.


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