Drei Fragen an Sebastian Gechert

Ist Ungleichheit ein Problem ?

Sebastian Gechert, Experte am IMK für Makroökonomie und Einkommensentwicklung, hat drei Fragen zum Thema "Was tun gegen Ungleichheit?" beantwortet.


Gibt es einen Konflikt zwischen dynamischem Wachstum und mehr Gleichheit?

In der Wirtschaftswissenschaft bestand lange ein Konsens, dass eine gleichere Einkommens- und Vermögensverteilung nur mit Wachstumseinbußen erkauft werden kann. In den vergangenen Jahren mehrten sich jedoch die Befunde, wonach eine hohe Ungleichheit dem Wachstum schaden und stärkere Umverteilung sogar wachstumsförderlich sein kann. In ungleicheren Gesellschaften mangelt es an Massenkaufkraft. Die soziale Spaltung erhöht die Unsicherheit von Investitionen und mangels Aufstiegschancen bleiben Potenziale der ärmeren Bevölkerungsschichten ungenutzt.

Gibt es überhaupt nationale Handlungsspielräume?

Ungleichheit wird oft als unausweichliches Schicksal, verursacht durch externe Faktoren wie Globalisierung und technischen Fortschritt, beschrieben. Dies greift jedoch zu kurz. Viele politische Entscheidungen, wie die Ausweitung des Niedriglohnsektors, Beschränkungen des gesetzlichen Rentenniveaus, Einschränkungen öffentlicher Leistungen und Steuersenkungen für hohe Einkommen und Vermögen waren steuerbar und hatten auch ihren Anteil an der zunehmenden Ungleichheit. Außerdem: auch globalen Trends kann man durch Sozialpolitik und internationale Koordination entgegentreten. Der politische Wille dazu muss nur vorhanden sein.

Mit welcher Strategie sollte man Ungleichheit bekämpfen?

Genauso stetig und ausdauernd, wie sie gekommen ist, muss man der Ungleichheit auch entgegenwirken. Dabei gilt: mit einer einzelnen Maßnahme wird man wenig ausrichten können. Es braucht ein Maßnahmenbündel, das sowohl bei den Starken, in der Mitte, als auch bei den Armen ansetzt. Es gilt, die Markteinkommen über arbeitsmarktpolitische und regulatorische Eingriffe wieder aneinander anzugleichen. Außerdem sollte die Umverteilungswirkung des Steuer- und Transfersystems wieder gestärkt werden um vor allem reichere Haushalte wieder stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens zu beteiligen. Nicht zuletzt sollte man bedenken, dass die öffentliche Daseinsfürsorge die Ungleichheit der privaten Einkommen und Vermögen abmildert. Der Staat ist das Vermögen der Ärmeren.



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