Drei Fragen an Silke Tober

"Richtig gefährlich wäre ein zu frühzeitiger Ausstieg aus der Nullzinspolitik"

Wir haben Silke Tober, Expertin für Geldpolitik im IMK, drei Fragen zur aktuellen Geldpolitk und der Prognose der FED gestellt.


Manipuliert die Europäische Zentralbank den Wechselkurs des Euro?

Nein, der Euro wird nicht manipuliert. Ein wichtiges Kriterium für Währungsmanipulation sind einseitige Devisenmarktmanipulationen, die aber von der EZB nicht durchgeführt werden. Daher hatte die Obama-Regierung die EZB im Oktober 2016 vom Vorwurf der Manipulation freigesprochen. Der Grund für den Verdacht einer Währungsmanipulation liegt darin, dass der Euro nun schon seit mehr als zwei Jahren relativ niedrig gegenüber dem US-Dollar bewertet ist und gleichzeitig der Euroraum und insbesondere Deutschland einen erheblichen Handelsbilanzüberschuss mit den USA aufweisen. Das Spiegelbild des schwachen Euro ist ein starker Dollar und dieser erschwert es den US-amerikanischen Unternehmen zu exportieren.

Warum ist der Euro schwach bewertet?

Die US-Wirtschaft ist mittlerweile nahezu voll ausgelastet ist. Demgegenüber ist die Produktion im Euroraum erheblich unter ihren Möglichkeiten und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Daher kann die US-amerikanische Zentralbank, die Federal Reserve, früher aus der Nullzinspolitik aussteigen. Die Fed befindet sich bereits in einer Phase moderater geldpolitischer Straffung und hat am 15. März 2017 zum dritten Mal den Leitzins angehoben. Demgegenüber kann die Europäische Zentralbank eine Straffung aktuell noch gar nicht in Erwägung ziehen. Die unterschiedliche geldpolitische Ausrichtung bewirkt ein Zinsgefälle und eine erhöhte Nachfrage nach den attraktiveren US-Anlagen und stärkt damit den Außenwert des US-Dollar. Letztlich ist der aktuell schwache Euro auch Folge von Versäumnissen in der Vergangenheit, da die EZB anders als die Fed sehr zögerlich gehandelt hat und die Fiskalpolitik im Euroraum über Jahre hinweg restriktiv war.

Ist die Nullzinspolitik der EZB gefährlich?

Es ist weitgehend unumstritten, dass die jetzt schon länger anhaltende Phase niedriger Zinsen negative Nebenwirkungen hat. Richtig gefährlich wäre es aber, zu früh aus der expansiven Geldpolitik und den derzeit stattfindenden Wertpapierkäufen auszusteigen. Die Arbeitslosigkeit im Euroraum ist mit über 9 % hoch und die Produktion bleibt noch erheblich unter ihren Möglichkeiten. Gleichzeitig liegt die Kerninflationsrate mit 0,9 % sehr deutlich unter dem Inflationsziel und die Investitionstätigkeit schwächelt – trotz der niedrigen Zinsen. Die EZB hat jetzt schon lange den Retter in der Not gespielt, die Geldpolitik ist aber nicht die einzige Makropolitik. Was der Euroraum benötigt ist ein wachstumsorientierter fiskalpolitischer Impuls. Das würde die Binnennachfrage direkt stärken, eine geldpolitische Normalisierung früher ermöglichen und die handelspolitischen Konflikte entschärfen.


Zusatzinfos

Der aktuelle IMK Report zu diesem Thema "Wird der Eurokurs manipuliert?"

Das IMK-Forum zu diesem Thema "Die Nullzinspolitik der EZB - notwendig oder gefährlich?"

Das Video zum Thema auf Youtube


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