Tiefe Transformation braucht mehr Demokratie

Höhn, Hilmar

Reihe: Dossier, Nr. 5.
2020, ISSN: 2628-8346. 50 Seiten


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Kurzbeschreibung:


"Computer können uns im Schach oder im Go-Spiel besiegen", ihnen fehle aber das Bewusstsein von sich selbst, sagt Technik-Ethikerin Birgit Beck in einem Interview für das HBS-Dossier. Die Digitalisierung allein bedeute keinen Epochenbruch, so der Dresdener Technik-Historiker Uwe Fraunholz ebenfalls im Gespräch für diese Ausgabe. Erleben wir also lediglich ein Technikschub und keine vierte industrielle Revolution, die vor Jahren von der Messe Hannover ausgerufen wurde? Ein Begriff wie "Künstliche Intelligenz" ist irreführend, sagt Birgit Beck. Und der Wissenschaftler Fraunholz erklärt, dass Revolutionen viel zu schnell ausgerufen werden. Oft stecke dahinter eine ganz andere, etwa eine sozialpolitische Agenda.

Doch die Vielzahl tief greifender Veränderungsprozessen zusammen könnten doch so etwas wie einen Epochenschnitt in der Geschichte der Menschheit bewirken, sagt Uwe Fraunholz. "Wenn es tatsächlich zur Dekarbonisierung kommen sollte, also die energetische Basis" sich das zweite Mal in 150 Jahren "grundlegend ändern sollte, wäre das ein revolutionärer Einschnitt".

Davon geht Armin Grunwald aus. Der Physiker, Philosoph am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sagt, die verschiedenen, gleichzeitigen Transformationen veränderten die Welt grundlegend. Keineswegs nur technisch. "Wir erleben einen Krieg der Worte, der ein Bürgerkrieg der Werte ist", sagt Grunwald, der auch Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) ist. Weil letzten Endes die Fähigkeit des Menschen zur Selbststeuerung auf dem Spiel stehe, plädiert er im Gespräch für "mehr Demokratie und Mitbestimmung".

Die Gewerkschaften stellen sich dieser Aufgabe. In Zukunftsprozessen, Beschäftigtenbefragungen und mit Mitteln der Betriebs- und Tarifpolitik haben sie begonnen, dem technologischen nun auch sozialen Fortschritt abzuringen. Bislang haben sich die Arbeitgeber darauf festgelegt, die Früchte des technischen Fortschritts ernten, den sozialen Fortschritt jedoch blockieren zu wollen. Unter anderem die Tarifrunde 2020 in der Metall- und Elektroindustrie wird zeigen, ob die Arbeitgeber bereit sind, Zukunft zu gestalten.



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