Entgeltungleichheit in Europa

Gender Pay Gap im Ländervergleich 2014

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In allen 28 Ländern der EU verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer. Allerdings variiert der Gender Pay Gap – der Unterschied der durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienste abhängig beschäftigter Frauen und Männer – zwischen den Ländern beträchtlich: Am kleinsten ist er in Slowenien (knapp 3 Prozent) und am größten in Estland (28 Prozent).

Deutschland weist im europäischen Vergleich einen auffallend großen Gender Pay Gap von fast 22 Prozent auf. Damit liegt Deutschland hinsichtlich der Entgeltgleichheit von Frauen und Männern an viertletzter Stelle in Europa. Nur in der Tschechischen Republik, in Österreich und in Estland fällt der Gender Pay Gap noch größer aus.

Bei der Interpretation des Gender Pay Gap im Ländervergleich ist generell zu beachten, dass dieser jeweils das Resultat einer Vielzahl länderspezifischer Faktoren ist: Ein hoher Gender Pay Gap stellt zwar einen wichtigen Indikator für die Schlechterstellung von Frauen auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt dar. Für eine inhaltliche Interpretation sollten jedoch weitere Indikatoren herangezogen werden.(1) Beispielsweise kann ein geringer Gender Pay Gap auch mit einer insgesamt niedrigen Erwerbstätigenquote von Frauen in diesem Land einhergehen, wie es in Malta, Polen oder Italien der Fall ist. (2) Der geringe Gender Pay Gap in diesen Ländern ist dann teilweise darauf zurückzuführen, dass Frauen in der Familienphase (wenn die Kinder noch klein sind) zumeist gar nicht arbeiten, während sie in vielen anderen Ländern hingegen nur in geringfügigem Umfang erwerbstätig sind, und dadurch im Durchschnitt geringere Stundenlöhnen erzielen als Männer.

Insgesamt weist Eurostat bezüglich möglicher Ursachen des Gender Pay Gap auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Familienarbeit, der Erwerbsbeteiligung und der Teilzeitbeschäftigung hin. Zudem werden Unterschiede bei der Entlohnung zwischen den überwiegend von Frauen ausgeübten Berufen im Vergleich zu männlich dominierten Berufen als Ursache angeführt.(3)


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath


Literatur

Eurostat Statistics Explained: Löhne und Arbeitskosten. http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Wages_and_labour_costs/de, letzter Zugriff: 24.06.2016.

Eurostat: Gender pay gap in unadjusted form - NACE Rev. 2 (earn_grgpg2). http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/EN/earn_grgpg2_esms.htm#freq_coll, letzter Zugriff: 24.06.2016.

Eurostat Statistics Explained: Gender pay gap statistics. http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Gender_pay_gap_statistics, letzter Zugriff: 24.06.2016.

Hobler, Dietmar/Pfahl, Svenja/Horvath, Sandra (2016): Erwerbstätigenquoten im Ländervergleich 2014. In: WSI GenderDatenPortal. http://www.boeckler.de/64615.htm, letzter Zugriff: 27.06.2016.

 


(1) Dieses Vorgehen wird auch von Eurostat empfohlen. Vgl. Eurostat Statistics Explained: Gender pay gap statistics, S.6. http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Gender_pay_gap_statistics, letzter Zugriff: 24.06.2016.

(2) Vgl. dazu die länderspezifischen Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern in: Hobler, Dietmar/Pfahl, Svenja/Horvath, Sandra (2016): Erwerbstätigenquoten im Ländervergleich 2014. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Vgl. Eurostat Statistics Explained: Löhne und Arbeitskosten. http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Wages_and_labour_costs/de, letzter Zugriff: 24.06.2016.

Datentabelle zur Grafik

Methodische Anmerkungen

Die Datenbasis für die Berechnung des Gender Pay Gap in den Ländern der EU ist die Verdienststrukturerhebung (Structure of Earnings Survey). Mit der Verdienststrukturerhebung (VSE) werden die Brutto-Verdienste abhängig Beschäftigter alle vier Jahre erhoben – 2002, 2006, 2010 und zuletzt 2014. In die Bestimmung der Brutto-Stundenverdienste gehen auch bezahlte Überstunden ein, während Sonderzahlungen (z. B. Weihnachtsgeld) nicht berücksichtigt werden.(1)

Bei der Grundgesamtheit der VSE sind wichtige Einschränkungen zu berücksichtigen:

  • (a) Die VSE umfasst nur abhängig Beschäftigte – also keine Selbständigen oder mithelfenden Familienangehörigen. Die Gruppe der abhängig Beschäftigten ist wegen der in Hinblick auf das Alter noch die geleisteten Arbeitsstunden eingegrenzt, sodass die Daten auch Beschäftigte umfassen, die über 65 Jahre alt sind oder die nur eine Stunde pro Woche arbeiten.
  • (b) Allerdings werden nur Beschäftigte aus Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeiter/innen erfasst. Kleinbetriebe werden hingegen nicht berücksichtigt.
  • (c) In allen Ländern werden die Beschäftigten aus den Wirtschaftsbereichen B bis S (ausgenommen O) nach der Klassifikation der Wirtschaftsbereiche – NACE Rev.2 – erfasst.(2)
  • (d) In den meisten Ländern werden keine Beschäftigten aus folgenden Wirtschaftsbereichen der NACE erfasst:
    • „Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei“ (NACE Rev. 2, Abschnitt A),
    • „Öffentl. Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherungswesen“ (NACE Rev. 2, Abschnitt O),
    • „Private Haushalte“ (NACE Rev. 2, Abschnitt T),
    • „Exterritoriale Organisationen und Körperschaften“ (NACE Rev. 2, Abschnitt U).

Nur in einzelnen Ländern werden auch Angaben zu den Beschäftigten aus den genannten Wirtschaftsbereichen erhoben.

Seit 2008 wird für die VSE die Klassifikation der Wirtschaftsbereiche NACE Rev.2 genutzt. Im Gegensatz zur bis dahin genutzten NACE Rev.1.1 bildet die NACE Rev.2 die Wirtschaftsbereiche des Dienstleistungssektors deutlich differenzierter ab, während sie die Wirtschaftsbereiche des Produzierenden Gewerbes weniger genau erfasst. Beide Klassifikationen sind nur eingeschränkt vergleichbar, sodass für Zeitreihenanalysen empfohlen wird, nur auf die Daten ab 2008 zurückzugreifen.

 


(1) Vgl. hierzu – wie zu allen nachfolgenden Angaben im Text: Eurostat: Gender pay gap in unadjusted form - NACE Rev. 2 (earn_grgpg2). http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/EN/earn_grgpg2_esms.htm#freq_coll, letzter Zugriff: 24.06.2016.

(2) NACE ist die Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (französisch: Nomenclature statistique des activités économiques dans la Communauté européenne).

Gender Pay Gap:

Der Gender Pay Gap (GPG), auf den deutschen Seiten von Eurostat auch als „geschlechtsspezifisches Verdienstgefälle“ bezeichnet, wird für alle Länder der EU wie folgt definiert:

„Das geschlechtsspezifische Verdienstgefälle (in unbereinigter Form) ist definiert als Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst männlicher und weiblicher Beschäftigter und wird in Prozent des durchschnittlichen Bruttostundenverdiensts der männlichen Beschäftigten angegeben. Die Methodik zur Erstellung dieses Indikators beruht auf Daten aus der Verdienststrukturerhebung (VSE), die alle vier Jahre überarbeitet wird, wenn VSE-Daten verfügbar werden. (…) Nach der verwendeten Methodik umfasst der Indikator für das unbereinigte geschlechtsspezifische Verdienstgefälle alle Beschäftigten (ohne Beschränkungen hinsichtlich des Alters und der geleisteten Arbeitsstunden) von Unternehmen (mit mindestens zehn Beschäftigten) der Wirtschaftszweige Industrie, Bau und Dienstleistungen (der NACE Rev. 2, Abschnitte B bis S ohne O).“ (1)

Der GPG wird als „unbereinigter“ Indikator bezeichnet, weil er keine individuellen Eigenschaften der Arbeitnehmer/innen oder der von ihnen ausgeübten Tätigkeiten berücksichtigt, die einen Einfluss auf das geschlechtsspezifische Verdienstgefälle haben können. Mit dem Gender Pay Gap liegt damit ein Indikator vor, der gleichsam als Globalmaß für die Geschlechterungleichheit bei der Entlohnung fungiert. (2) Der GPG zählt zu den europäischen Indikatoren über eine nachhaltige Entwicklung (European Sustainable Development Indicators), und stellt für die Europäische Kommission einen der Hauptindikatoren für die Beurteilung der Gleichheit zwischen Frauen und Männern dar. (3)

Die Durchschnittswerte für den GPG auf europäischer Ebene – z. B. für die EU-28 – werden auf Basis der GPG der einzelnen Mitgliedsstaaten berechnet. Die Angaben der einzelnen Länder werden dabei mit der Anzahl der Beschäftigten aus dem jeweiligen Land gewichtet. (4)

Bei der Interpretation des GPG sind wichtige Einschränkungen der Grundgesamtheit zu berücksichtigen: Es werden nur abhängig Beschäftigte aus Unternehmen mit zehn oder mehr Beschäftigten befragt. Ausgeschlossen sind zudem die Beschäftigten aus den Wirtschaftsbereichen „Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei“, und „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherungswesen“, sowie die Beschäftigten in „privaten Haushalten“ oder in „exterritorialen Organisationen und Körperschaften“. (5)

Die VSE, mit deren Daten die Berechnung des GPG erfolgt, wird alle vier Jahre erhoben (zuletzt 2014). Für diese Jahre wird der Gender Pay Gap auf Basis der VSE berechnet. In den dazwischen liegenden Jahren erhält Eurostat von den einzelnen EU-Ländern Angaben zum Gender Pay Gap, die in den meisten Fällen auf der Grundlage vergleichbarer Datensätze geschätzt werden. Diese Schätzungen können auf Basis der nächsten VSE nachträglich angepasst oder revidiert werden. Einige Länder berechnen den Gender Pay Gap auf Basis einer jährlichen VSE, sodass ihre Daten keiner Anpassung oder Revision bedürfen. (6)

In Deutschland erfolgt die Fortschreibung des Gender Pay Gap in den Jahren zwischen den Erhebungen der VSE anhand der Veränderungsraten der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Männern und Frauen auf Basis der Daten der Vierteljährlichen Verdiensterhebung. Beim Vorliegen einer neuen VSE wird, in Abstimmung mit Eurostat, ein Benchmarking der Indikatorwerte der Zwischenjahre vorgenommen. Hierbei werden die fortgeschriebenen Werte des GPG an die tatsächliche Entwicklung, wie sie die VSE darstellt, angeglichen. Allerdings korrespondieren hierdurch die aktualisierten Werte des Verdienstunterschieds nicht mehr mit den Stundenverdiensten der erfolgten Fortschreibungen. (7)

Die Berechnung und Lieferung des GPG durch die einzelnen Länder ist weder gesetzlich fixiert noch durch Verordnungen geregelt, sondern basiert auf einer nichtrechtlichen Verabredung der EU-Staaten.(8)


(1) Eurostat Statistics Explained: Löhne und Arbeitskosten. S.7. http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Wages_and_labour_costs/de, letzter Zugriff: 24.06.2016.

(2) Vgl. Eurostat Statistics Explained: Gender pay gap statistics. http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Gender_pay_gap_statistics, letzter Zugriff: 24.06.2016.

(3) Vgl. ebenda.

(4) Vgl. Eurostat: Gender pay gap in unadjusted form - NACE Rev. 2 (earn_grgpg2). http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/EN/earn_grgpg2_esms.htm#freq_coll, letzter Zugriff :24.06.2016.

(5) Vgl. ebenda. Siehe dazu auch die methodischen Anmerkungen.

(6) Vgl. ebenda.

(7) Die Angaben entstammen einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage an das Statistische Bundesamt.

(8) Vgl. Eurostat: Gender pay gap in unadjusted form - NACE Rev. 2 (earn_grgpg2). http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/EN/earn_grgpg2_esms.htm#freq_coll, letzter Zugriff: 24.06.2016.

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