WSI GenderDatenPortal: Arbeitszeiten

Arbeitszeiten im Ländervergleich 2015

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Die durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten erwerbstätiger Männer sind 2015 in allen 28 Ländern der EU länger als diejenigen der erwerbstätigen Frauen. Allerdings bestehen zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede beim Durchschnitt der wöchentlichen Arbeitszeiten: Sehr kurze durchschnittliche Arbeitszeiten haben erwerbstätige Frauen in den Niederlanden (24 Wochenstunden) und in Deutschland (30 Wochenstunden). Demgegenüber arbeiten erwerbstätige Frauen in Bulgarien und Rumänen am längsten – mit durchschnittlich mehr als 40 Stunden pro Woche. Bei den Männern ist die Spannbreite der durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten etwas schmaler: Sie reicht von 35 Stunden (Niederlande und Dänemark) bis zu 44 Stunden (Griechenland). Die Männer in Deutschland weisen hierbei mit 39,3 Stunden einen Wert auf, der fast eine Stunde unter dem Durchschnitt aller 28 EU-Länder liegt (40,1 Stunden).

Für die einzelnen Länder fällt die geschlechtsspezifische Arbeitszeitlücke - auch „Gender Time Gap“ genannt – unterschiedlich groß aus. Deutschland zählt mit den Niederlanden, Österreich und dem Vereinigten Königreich zu den Ländern mit stark ausgeprägter Arbeitszeitlücke von 9 Stunden oder mehr. Vergleichsweise geringe Abstände finden sich hingegen in Litauen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Hier unterscheidet sich die durchschnittliche Arbeitszeitdauer von erwerbstätigen Frauen und Männern jeweils höchstens um 1,5 Stunden pro Woche.

Werden für den Ländervergleich nur die Arbeitszeiten der abhängig Beschäftigten herangezogen, ergeben sich ähnliche Befunde wie für die Erwerbstätigen. Auch für die abhängig Beschäftigten gilt: Männer arbeiten in allen 28 Ländern der EU im Durchschnitt deutlich länger als Frauen. Die durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten abhängig beschäftigter Frauen variieren wiederum stark zwischen den Ländern der EU-28, und liegen zwischen 24,1 Stunden (Niederlande) und 40,4 Stunden (Rumänien) pro Woche. Im Vergleich dazu fällt die Spannbreite der Wochenarbeitszeiten für abhängig beschäftigte Männer wiederum kleiner aus. Sie reicht von 33,5 Stunden (Niederlande) bis über 41 Stunden pro Woche (Portugal, Zypern, Polen).

Die durchschnittliche Arbeitszeitdauer der abhängig beschäftigten Männer in Deutschland liegt wiederum im europäischen Mittelfeld, während die Wochenarbeitszeit der abhängig beschäftigten Frauen in Deutschland erneut zu den niedrigsten in der gesamten EU-28 zählt.

Auch bei den abhängig Beschäftigten gehört Deutschland damit zu den Ländern mit auffallend großem geschlechtsspezifischem Abstand bei den Arbeitszeiten – zusammen mit den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Österreich. Der „Gender Time Gap“ beträgt bei diesen Ländern mehr als acht Stunden pro Woche. Ein sehr geringer Time Gap ist hingegen für Rumänien und Bulgarien festzustellen. In beiden Ländern beträgt der geschlechtsspezifische Abstand der Arbeitszeiten unter abhängig Beschäftigten weniger als eine Stunde pro Woche.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

European Commission (2016): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016 Q1 onwards). Luxemburg.

Eurostat (2017): LFS series – Detailed annual survey results (lfsa). Reference Metadata in Euro SDMX Metadata Structure (ESMS). http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/DE/lfsa_esms.htm. Letzter Zugriff: 30.05.2017.

Eurostat (o.J.): Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (AKE):Beschreibung des Datenbestandes, http://ec.europa.eu/eurostat/home, Menüpunkt „Daten/Zugang zu Mikrodaten“, dort das Untermenü „Arbeitskräfteerhebung“. Letzter Zugriff: 30.05.2017.

Datentabellen zu den Grafiken

 

 


 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf dem Labour Force Survey der Europäischen Union (EULFS). Der EU-LFS ist eine in allen Mitgliedstaaten der EU jährlich durchgeführte, repräsentative Haushaltsbefragung. Zur Grundgesamtheit zählen „alle in Privathaushalten lebende Personen ab 15 Jahren. Wehrdienst- und Zivildienstleistende, sowie Personen aus institutionellen /Anstalts-Haushalten werden nicht berücksichtigt.“ 1 Der EU-LFS erfasst u. a. Daten zu Arbeitsmarkt, Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit, Arbeitszeiten und Bildung.

Die Erhebung wird vom Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) organisiert. Für die „Auswahl der Stichproben, die Ausarbeitung der Fragebögen, die Durchführung der direkten Haushaltsbefragungen und die Übermittlung der Ergebnisse an [Eurostat] (…)“ sind die jeweiligen nationalen statistischen Ämter zuständig 2. In Deutschland werden die Daten gemeinsam mit dem Mikrozensus erhoben bzw. beruhen auf den Daten des Mikrozensus.

 


(1) Eurostat (o.J.): Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (AKE): Beschreibung des Datenbestandes, http://ec.europa.eu/eurostat/home, Menüpunkt „Daten/Zugang zu Mikrodaten“, dort Untermenü „Arbeitskräfteerhebung“. Letzter Zugriff: 30.05.2017.

(2) a. a. O.

Erwerbstätige
Erwerbstätige sind Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Berichtswoche mindestens eine Stunde einer bezahlten Arbeit nachgingen. Zu den Erwerbstätigen zählen auch Personen, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben, aber in einem Beschäftigungsverhältnis standen.1 Somit umfassen Erwerbstätige sowohl abhängig Beschäftigte als auch Selbstständige und mithelfende Familienangehörige. Wehrdienstleistende werden dagegen nicht zu den Erwerbstätigen gerechnet. 2

Abhängig Beschäftigte
Abhängig Beschäftigte sind Personen, die für ihre Tätigkeit mit einem öffentlichen oder privaten Arbeitgeber in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis stehen und für ihre Arbeit mit Geld entlohnt werden. Zu den abhängig Beschäftigten zählen ebenfalls Angestellte der Armee, die nicht dienstverpflichtet sind. 3

Durchschnittliche normalerweise geleistete Wochenarbeitszeit
Die durchschnittliche normalerweise geleistete Arbeitszeit pro Woche umfasst die durchschnittliche Anzahl aller Arbeitsstunden innerhalb einer Woche über einen längeren Beobachtungszeitraum hinweg (mindestens vier Wochen und höchstens drei Monate ohne vorübergehende Abwesenheit). Das heißt es werden ebenfalls alle bezahlten und unbezahlten Überstunden berücksichtigt. Der Arbeitsweg sowie Pausenzeiten werden ausgeklammert. 4

 


(1) Vgl. Eurostat (2017): LFS series – Detailed annual survey results (lfsa). Reference Metadata in Euro SDMX Metadata Structure (ESMS). http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/DE/lfsa_esms.htm. Letzter Zugriff: 30.05.2017.

(2) Vgl. European Commission (2016): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016 Q1 onwards). Luxemburg.

(3) Vgl. European Commission (2016): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016 Q1 onwards). Luxemburg.

(4) a. a. O.

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