Bildung in Europa

Frauen-/Männeranteil an Studierenden im Ländervergleich 2012

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Der Vergleich der Frauen- und Männeranteile an den Studienfächergruppen belegt, dass Frauen und Männer unterschiedliche Fächer studieren, sowohl in Deutschland als auch im Durchschnitt der EU-28-Länder:

  • Frauen sind in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern stark unterrepräsentiert: In den Naturwissenschaften stellen Frauen nur knapp über ein Drittel der Studierenden in Deutschland (35 Prozent) und im europäischen Durchschnitt (38 Prozent). Noch geringer ist der Frauenanteil in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern, wobei der Frauenanteil in Deutschland noch geringer ausfällt als im europäischen Durchschnitt (20 gegenüber 27 Prozent).
  • Im Bereich der Dienstleistungen und bei den Agrar- und Veterinärwissenschaften entspricht der Anteil der weiblichen Studierenden – mit 47 bis 52 Prozent – annähernd ihrem Anteil an allen Studierenden – sowohl in Deutschland als auch im europäischen Durchschnitt.
  • Einen etwas überproportionalen Anteil stellen Frauen in den Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Dies gilt für Deutschland (52 Prozent) und ebenso für die Gesamtheit der europäischen Länder (58 Prozent).
  • Stark überrepräsentiert sind Frauen in den Studiengängen der Geisteswissenschaften und der Künste: Hier stellen sie mit rund zwei Dritteln die Mehrheit der Studierenden – in Deutschland wie Geim Durchschnitt der EU-28 (jeweils 66 Prozent).
  • Am stärksten sind Frauen im akademischen Bereich aber in der Lehrerausbildung, den Erziehungswissenschaften, sowie in den sozialen und den Gesundheitsberufen. Mit einem Anteil von annähernd drei Vierteln sind diese Fächergruppen im europäischen Durchschnitt sogar noch stärker weiblich dominiert als in Deutschland, wo der Frauenanteil bei zwei Dritteln liegt.

Trotz leicht unterschiedlicher Frauenanteile in einzelnen Fächergruppen, ergeben sich im Vergleich zwischen Deutschland und der Gesamtheit der 28 europäischen Staaten überaus starke Parallelen bei der Verteilung beider Geschlechter auf die Studienfächer. Auffällige Diskrepanzen zeigen sich nur in zwei Fächergruppen: In den Ingenieurswissenschaften sind die Frauen in Deutschland noch stärker unterrepräsentiert als im Durchschnitt aller 28 europäischen Länder. Hingegen sind die akademischen Lehr- und Erziehungsberufe im europäischen Durchschnitt weitaus stärker als in Deutschland eine Domäne der Frauen.

Der in Deutschland geringere Frauenanteil in der akademischen Lehrerausbildung und Erziehungswissenschaft ist zum Teil auf Besonderheiten des deutschen Berufsausbildungssystems zurückzuführen: In Deutschland werden viele Berufe in der Erziehung und Pflege (Erzieher/innen, Krankenpfleger/ in etc.) durch eine berufliche Ausbildung beispielsweise an einer Fachschule erlernt, während diese Berufe in den meisten anderen Ländern Europas als akademische Ausbildungsgänge organisiert sind (vgl. BI-EU Studierende im Ländervergleich und im Zeitverlauf).

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Eurostat (2014): Education (educ). Reference Metadata in Euro EDMX Metadata Structure (ESMS).
URL: http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/de/educ_esms.htm. Letzter Zugriff: 25.02.2015.

OECD (ohne Jahr): Directorate for Education and Skills. Online Education Database.
URL: http://www.oecd.org/edu/database.htm. Letzter Zugriff: 28.11.2014.

Statistisches Bundesamt (2011): Bildung auf einen Blick 2011. Methodische Informationen zum internationalen Vergleich.

UNESCO-UIS (2013): International Standard Classification of Education. ISCED 1997. Ohne Ort.

UNESCO-UIS, OECD, Eurostat (2013): UOE data collection on education systems.
Volume 1. Manual. Concepts, definitions and classifications. Montreal/Paris/Luxemburg.

Datentabelle zur Grafik

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf einer Datenerhebung zu Bildungssystemen, die jährlich von den statistischen Ämtern von UNESCO und OECD und von Eurostat in mehr als 45 Ländern durchgeführt wird. Die Daten werden von den Bildungsministerien oder statistischen Institutionen der beteiligten Länder zur Verfügung gestellt. Die Datenbasis liefert Informationen über Bildungseinrichtungen, über in Bildung investierte personelle und finanzielle Ressourcen sowie über strukturelle Merkmale der Bildungssysteme. (1)

Die Grundgesamtheit dieser Analysen sind Personen, die an formeller Bildung im schulischen oder universitären Kontext teilnehmen. Die Schüler/innen und Studierenden müssen in das jeweilige Bildungsprogramm eingeschrieben sein, um erfasst zu werden. (2)

Da die Informationen über eingeschriebene Studierende von den jeweiligen Ländern zur Verfügung gestellt werden, sind die Daten teilweise nur eingeschränkt vergleichbar. Beispielsweise wird die Anzahl der eingeschriebenen Studierenden in einigen Ländern zu bestimmten Stichtagen erfasst, während in anderen Ländern Jahresdurchschnittswerte ermittelt werden. (3)

 


(1) Vgl. OECD (ohne Jahr): Directorate for Education and Skills. Online Education Database. URL: http://www.oecd.org/edu/database.htm. Letzter Zugriff: 28.11.2014.

(2) Vgl. Eurostat (2014): Education (educ). Reference Metadata in Euro EDMX Metadata Structure (ESMS). URL: http://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/de/educ_esms.htm. Letzter Zugriff: 25.02.2015.

(3) Vgl. UNESCO-UIS, OECD, Eurostat (2013): UOE data collection on education systems. Volume 1. Manual. Concepts, definitions and classifications. Montreal/Paris/Luxemburg.

Studierende:
Als Studierende werden alle Personen bezeichnet, die in den Programmen der theorie- bzw. forschungsorientierten tertiären Bildungsstufe (ISCED 1997, Stufe 5A) eingeschrieben sind. (1) In Deutschland umfasst dies Frauen und Männer, die an einer Universität, einer Fachhochschule oder Hochschule, sowie Musik- oder Kunstakademie eingeschrieben sind. (2) Aufgrund von unterschiedlichen Bildungssystemen und der gesonderten Stellung des dualen Ausbildungssystems in Deutschland ist die Vergleichbarkeit zu anderen Ländern der Europäischen Union nur bedingt gegeben. So werden beispielsweise die Ausbildungen in den Pflegeberufen sowie die Erzieher/innen-Ausbildung in einigen Ländern in universitären Bildungsprogrammen absolviert, während dies in Deutschland im Rahmen der höheren beruflichen Bildung (ISCED 1997, Stufe 5B) geschieht.

Fächergruppen:
Um die internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden die Fächergruppen auf der Basis der Internationalen Standardklassifikation des Bildungswesens (ISCED 1997) gebildet. Die Zuordnung zu den jeweiligen Fächergruppen erfolgt über das Hauptfach. (3) Von Eurostat werden die hier genutzten übergeordneten Kategorien wie folgt bezeichnet: (4)

  • Lehrerausbildung und Erziehungswissenschaft: Lehrerausbildung und Erziehungswissenschaft umfasst beispielsweise die Ausbildung von Lehrkräften für die Vorschule und die Grundbildung.
  • Geisteswissenschaften und Künste: Zur Fächergruppe für Geisteswissenschaften und Künste zählen auch sprachwissenschaftliche Fächer sowie Theologie.
  • Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften: Diese Fächergruppe umfasst neben den bereits in der Bezeichnung genannten Fächer auch Politik- und Verwaltungswissenschaften, Psychologie und Journalismus.
  • Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik: Zur Fächergruppe Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik zählen beispielsweise Fächer wie Physik, Chemie und Statistik, aber auch Geowissenschaften und Umweltforschung.
  • Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe: Die Gruppe Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe umfasst unter anderem die Fächer Berg- und Maschinenbau, Elektrotechnik sowie Architektur.
  • Agrarwissenschaft und Veterinärwissenschaft: Zu der oben genannten Fächergruppe zählen unter anderem Gartenbau, Fischerei- und Forstwissenschaft.
  • Gesundheit und soziale Dienste: Zu Gesundheit und sozialen Diensten zählen die Fächer Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie sowie Sozialwesen.
  • Dienstleistungen: Unter Dienstleistungen fallen unter anderem Gastgewerbe, Hauswirtschaft, Sport, Umweltschutz, Verkehrsdienstleistungen und Sicherheitsdienstleistungen.

 


(1) Vgl. UNESCO-UIS, OECD, Eurostat (2013): UOE data collection on education systems. Volume 1. Manual. Concepts, definitions and classifications. Montreal/Paris/Luxemburg.

(2) Vgl. Statistisches Bundesamt (2011): Bildung auf einen Blick 2011. Methodische Informationen zum internationalen Vergleich.

(3) Vgl. UNESCO-UIS, OECD, Eurostat (2013): UOE data collection on education systems. Volume 1. Manual. Concepts, definitions and classifications. Montreal/Paris/Luxemburg.

(4) Vgl. UNESCO-UIS (2006): International Standard Classification of Education. ISCED 1997. Ohne Ort.

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