Auswertungen

Ideenmanagement und betriebliches Vorschlagswesen

Ausgewertet: 105 Vereinbarungen, abgeschlossen zwischen 1993 und 2011


Innovative Unternehmen nutzen schon sehr lange gute und hilfreiche Vorschläge ihrer Beschäftigten, um die Wirtschaftlichkeit, Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Diese außerhalb der eigentlichen Arbeitsaufgabe erbrachten Leistungen von Beschäftigten bedürfen einer fairen Würdigung und Bewertung und verdienen eine Beteiligung am wirtschaftlichen Ertrag der Vorschläge. Auf Basis dieser Erkenntnis haben inzwischen viele Unternehmen und auch öffentliche Verwaltungen ein genau definiertes betriebliches Vorschlagswesen etabliert.

Die Bezeichnung „Ideenmanagement“ erweitert inzwischen das Vorschlagswesen zu einem System, das die Entwicklung von Ideen und ihre Abgabe als Verbesserungsvorschläge an entsprechende Beauftragte des Arbeitgebers aktiv fördern soll. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Führungskräfte oder Vorgesetzten, die häufig auch als Erste die Vorschläge bewerten. Dies wird oft ergänzt durch gezielte Werbemaßnahmen sowie Preisverleihungen oder Tombolas für Beschäftigte, die sich am Ideenmanagement beteiligen.

In Deutschland liefern das Betriebsverfassungsgesetz und die Personalvertretungsgesetze des Bundes und der Länder die rechtliche Grundlage dafür, dass Betriebs- oder Personalräte mitzubestimmen haben, wie mit Verbesserungsvorschlägen umgegangen wird und wie sie bewertet und prämiert werden. Ein weiterer wichtiger Rahmen ist das Arbeitnehmererfindungsgesetz (ArbnErfG). Es regelt den Umgang mit patentfähigen Erfindungen der Beschäftigten und gibt Hinweise für die Prämierung „einfacher“ Verbesserungsvorschläge.

In den ausgewerteten Vereinbarungen werden vor allem Verfahren, beteiligte Personen und Bewertungsregeln beim Umgang mit Verbesserungsvorschlägen beschrieben. Ein wichtiger Grundsatz ist die faire Behandlung der Ideengeber und die Sicherung der Mitbestimmung in den verschiedenen Phasen.

In vielen Regelungen erhalten die Betriebs- und Personalräte weitgehende Mitsprache- und Mitwirkungsrechte, wie z.B. bei der Beschlussfassung in paritätisch besetzten Kommissionen oder bei der Bestellung von Beauftragten/Ideenmanagern. Manche Regelungen gewähren den Interessenvertretungen allerdings erheblich weniger Einflussmöglichkeiten. Besonders beim so genannten Vorgesetztenmodell ist es wichtig, dass die Transparenz und Einflussmöglichkeiten der Interessenvertretungen gewahrt bleiben. Auch, dass auf Wunsch die Anonymität der einreichenden Person gewahrt bleibt bei der Bewertung durch Vorgesetzte, ist ein wichtiger Baustein zum Schutz vor unfairer Behandlung.

Die thematische Bandbreite der Vorschläge ist sehr offen. Neben der Einsparung von Arbeit und Kosten sind immer auch Verbesserungen der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes, des Umweltschutzes oder auch der Prozess-, Produkt- und Leistungsqualität erwünscht.

Ob Verbesserungsvorschlagswesen oder Ideenmanagement, die wesentliche Substanz ist die Bewertung und Prämierung der Vorschläge.

Bei der Prämierung von Vorschlägen unterscheidet man meist zwei Verfahren:

a) Vorschläge mit einem rechenbaren Nutzen, d.h. mit einem objektiv bestimmbaren wirtschaftlichen Vorteil für die Organisation. Prämien werden dann überwiegend mit einem festen oder degressiven Prozentsatz als Anteil vom ermittelten Nutzen errechnet.

b) Vorschläge ohne rechenbaren Nutzen, z.B. Verbesserungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie des Umweltschutzes. Sie werden über Einschätzungen ermittelt, wieweit verschiedene Bewertungsaspekte erfüllt sind. Die Prämien werden dann in abgestuften Festbetrags- oder Punktesystemen jeweils in Stufen ermittelt.

In beiden Fällen kommen häufig zusätzliche Abstufungen durch so genannte Korrekturfaktoren zum Einsatz. Besonders bei nicht-rechenbarem Nutzen ist die persönliche Beteiligung der Interessenvertretungen an der Bewertung wichtig, um die Einheitlichkeit und Fairness der Bewertung zu garantieren. Dazu tragen auch verständlich formulierte Bewertungsmaßstäbe und -beispiele bei.

Bei den Vorschlägen mit rechenbarem Nutzen ist dagegen von großer Bedeutung, dass die vereinbarten Prämiensätze und auch die Berechnungswege des Nutzens einen fairen Anteil der Beschäftigten am wirtschaftlichen Ertrag ihrer guten Ideen sicherstellen. Hier werden oft nur niedrige Prozentsätze von 10 oder 20 Prozent des Nutzens an die Ideengeber weiter gereicht. Häufig wird sogar nur der Nutzen des ersten Einsatzjahres des Vorschlags berücksichtigt, obwohl viele Vorschläge den Unternehmensertrag über längere Zeit steigern. Eine faire Beteiligung sollte sich eher an Prozentsätzen von 30 bis 40 Prozent des Nutzens über mehrere Jahre hinweg orientieren, wie dies auch die Regelungen des ArbnErfG nahelegen.

Da allerdings das Bundesarbeitsgericht 1981 ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bei der Festlegung des Anteilssatzes verneint hat, bleibt es Aufgabe der Sozialpartner, hier mit Bezug auf § 20.2 ArbnErfG Mindeststandards zu setzen.


Zusatzinfos

Ausführlich zum Thema Prämienberechnung ist auch ein Trendbericht des Autors erschienen. Download

Mehr Informationen zur Auswertung Betriebliches Verbesserungsvorschlagswesen


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