Auswertungen

Toleranz, Respekt und Kollegialität

Ausgewertet: 144 Betriebs- und Dienstvereinbarungen aus den Jahren 1992 bis 2011


Toleranz, Respekt und Kollegialität lassen sich in vielen Vereinbarungen dem Sammelbegriff „partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz“ zuordnen. Es geht um einen respektvoll-kollegialen Umgang zwischen Beschäftigen, aber auch im Verhältnis Arbeitgeber und Beschäftigte sowie im Umgang von Betriebsangehörigen und Dritten.

Ausgangspunkt für den Abschluss von betrieblichen Vereinbarungen zu diesen Themen waren fremdenfeindliche Ausschreitungen Anfang der 90er Jahre. Im Laufe der Zeit rückte dann eine erweiterte Auffassung von Diskriminierung wegen Geschlecht, Behinderung, sexueller Orientierung etc. ins Blickfeld sowie weitere Aspekte wie Mobbing, (sexuelle) Belästigung, eskalierende Konflikte und ihre Bewältigung.
Die Auswertung von 144 Dienst- und Betriebsvereinbarungen zu diesen Themen aus den beiden vergangenen Jahrzehnten zeigt:

  • Das Spektrum dessen, was unter partnerschaftlichem Verhalten zu verstehen ist, ist breit und dynamisch: in der sich wandelnden (Arbeits-)Gesellschaft entstehen immer neue Rahmenbedingungen. Wohl auch aus diesem Grund sehen etliche Vereinbarungen vor, dass Ziele und Wirksamkeit überprüft und je nach Bedarf angepasst bzw. fortgeschrieben werden.
  • Häufig wird die Verantwortung dafür, dass es am Arbeitsplatz gut läuft, den Führungskräften und Vorgesetzten überantwortet. Offenbar auch, ohne explizit zu wissen, ob sie die dafür notwendigen Fähigkeiten haben. Allerdings werden auch entsprechende Fortbildungen, teils verpflichtend, angeboten.
  • In einem Großteil der Vereinbarungen werden für akute Situationen und Schwierigkeiten konkrete Ansprechpartner und Anlaufstellen benannt. In einigen Unternehmen werden diese gesondert für diese Aufgabe qualifiziert durch Mediation, Coaching, Supervision.
  • Kommunikation spielt in den Vereinbarungen in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Rolle und wird insofern ausführlich behandelt: zum einen als Anlass eines Problems im Sinne einer gestörten Kommunikation, zum andern als Mittel der Verständigung zwischen Unternehmen und Beschäftigten sowie der Öffentlichkeit.
  • Die meisten Vereinbarungen beschreiben auch mögliche Sanktionen gegen Störer. Oft handelt es sich um mehrstufige Verfahren, die immer wieder Gelegenheit zur Lösung und Beilegung von Konflikten geben, bevor weiter reichende Konsequenzen ergriffen werden.
  • Interessenvertretungen nutzen vielfältige Möglichkeiten, sich in diese Prozesse einzubringen: sie fungieren als Initiatoren der Vereinbarungen, nehmen ihre gesetzlichen Rechte wahr, arbeiten in Kommissionen mit etc. Als Vertreter aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können aber auch sie in Zielkonflikte geraten.

 

     


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