Auswertungen

Freiwillige betriebliche Sozialleistungen

Ausgewertet: 239 Vereinbarungen von Anfang der 70er Jahre bis 2008


Betriebliche Sozialleistungen gehören in den Bereich der betrieblichen Sozialpolitik. Diese entstand in den Anfängen der Industrialisierung, als ein staatlicher (Sozial-) Rahmen noch weitgehend fehlte. Man unterscheidet grob drei Bereiche:

  • Gesetzlich geregelte betriebliche Sozialleistungen
  • Tariflich geregelte betriebliche Sozialleistungen und
  • Freiwillige betriebliche Sozialleistungen

Die Analyse von 239 Betriebsvereinbarungen zu freiwilligen betrieblichen Sozialleistungen aus vier Jahrzehnten zeigt:

  • Freiwillige betriebliche Sozialleistungen werden von Unternehmen in unterschiedlichen Formen gewährt. Zu den bekannten Einrichtungen gehören Kantinen, Betriebskindergarten, Werkswohnungen, Jubiläumsgeschenke, zusätzliche freie Tage anlässlich familiärer Ereignisse wie Geburten oder Hochzeitsfeier. Oft basieren sie auf Vereinbarungen, die zwischen Unternehmensleitung und betrieblichen Interessenvertretung getroffen werden.
  • Betriebliche Sozialpolitik wandelt sich in Abhängigkeit von den betrieblichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beständig. Z. B. sind Maßnahmen zur Gesundheitsförderung oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf erst in neuerer Zeit Gegenstand von entsprechenden Betriebs- und Dienstvereinbarungen geworden.
  • Unternehmen und betriebliche Interessenvertretungen können entsprechend den betriebsspezifischen Voraussetzungen Sozialpolitik betreiben. Im Idealfall ergänzen die angebotenen freiwilligen Leistungen Defizite im gesetzlichen oder tariflichen Bereich.
  • Zwischen staatlicher und betrieblicher Sozialpolitik besteht eine Wechselwirkung: Viele ehemals freiwillige betriebliche Sozialleistungen sind inzwischen gesetzlich geregelt. Gelegentlich berührt betriebliche Sozialpolitik auch gesamtgesellschaftliche Aspekte, etwa bei der Bezuschussung von Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. Klar ist aber, dass Unternehmen zunächst eigene Vorteile bzw. die ihrer Beschäftigten im Auge haben. Seitens der Unternehmen kann das etwa der Wunsch sein, für potentielle Fachkräfte attraktiv zu sein.
  • Die faktischen Gestaltungsspielräume der betrieblichen Interessenvertretung sind eher gering, aber es gibt sie - trotz finanzrechtlicher Begrenzungen und prinzipieller Freiwilligkeit der Leistungen (Freiwilligkeitsvorbehalt). Bestimmte Leistungen, wie z. B. Deputat oder Personalkauf, sind für Unternehmen interessanter und mit geringeren Kosten verbunden als Beiträge für eine zusätzliche Rente etc.
  • Betriebsräte haben die Möglichkeit, mit Arbeitgebern auf einigen Gebieten soziale Leistungen zu vereinbaren, die nicht unbedingt eine große, firmeneigene Infrastruktur benötigen, sondern bei Bedarf auch von externen Dienstleistern erbracht werden (z. B. Maßnahmen der Gesundheitsförderung, Sozialberatungen etc.).


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