Auswertungen

Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit

Ausgewertet: 158 Vereinbarungen, abgeschlossen zwischen 1983 und 2011


Der Fortschritt ist eine Schnecke. Dies gilt insbesondere bei Fragen zur Gleichberechtigung von Mann und Frau und beim Thema bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf.

In der thematischen Bandbreite unterscheiden sich die ausgewerteten Dienstvereinbarungen sehr deutlich von den Betriebsvereinbarungen. Öffentliche Verwaltungen vereinbaren eher vielfältige Regelungen. Sie beschreiben viele Instrumente und Mechanismen, die Gleichberechtigung bei Bewerbungsverfahren, Stellenbesetzung, Beförderung und Weiterbildung anstreben. In der politischen Diskussion und beim Abschluss von Vereinbarungen in der Privatwirtschaft überwiegt das Thema Familienfreundlichkeit. Im Zuge des demographischen Wandels wird verstärkt das Potenzial von qualifizierten Frauen entdeckt. Sie werden mit verbesserten Möglichkeiten für eine begrenzte Freistellung, Kinderbetreuung, Rückkehr und vielleicht sogar beruflichem Aufstieg umworben.

Vereinbarungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie richten sich an Frauen und Männer gleichermaßen. Als Kernabsicht wird häufig formuliert, die Belange der Beschäftigten und betriebliche Interessen miteinander in Einklang bringen zu wollen. Nur wenige Vereinbarungen bestärken insbesondere Männer darin, ihren Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu leisten, kaum werden konkrete Anregungen gegeben.

Wichtige Regelungsbereiche sind flexible Arbeitszeiten und flexible Arbeitsorte. Familienfreundlichkeit heißt auch, Möglichkeiten zur Inanspruchnahme von Teilzeit auszuweiten. Nicht erst seit Inkrafttreten des TzBfG im Januar 2001 wird betont, dass auch Führungskräfte Teilzeit in Anspruch nehmen können. Ergänzend zur Teilzeit richten einige Unternehmen Telearbeitsplätzen ein. Meist handelt es sich dabei um alternierende Formen, d. h. man arbeitet nur zeitweise im Home-Office.

Vielfältig sind die Regelungen zur Kinderbetreuung gestaltet: flexible Arbeitszeiten, die sich nach den Öffnungszeiten der Kita richten, überbetriebliche Verbundprojekte, Notfallbetreuungen, die vom Arbeitgeber finanziert werden.

Aber nicht nur die Kinderversorgung, sondern auch die zunehmende Alterung der Bevölkerung ist ein wichtig werdender Faktor bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zwar wird die Freistellung zur Pflege von Angehörigen verstärkt in Vereinbarungen aufgegriffen. Dennoch finden sich Regelungen aus den 1990er Jahren, die fortschrittlicher gestaltet sind als die aktuellen (gesetzlichen) Möglichkeiten.

Ein weiteres „Top“-Thema sind Möglichkeiten, die gesetzliche Elternzeit durch betriebliche Elternzeiten zu verlängern. Die Zeiträume für die verlängerte Auszeit gehen von wenigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren. Einzelne Regelungen sehen vor, möglichst früh in so genannten Rückkehrgesprächen aktuelle Bedarfe beider Seiten – Eltern und Arbeitgeber – festzustellen.

Für die Rückkehr in den Beruf ist die entsprechende Qualifikation eine wichtige Voraussetzung. Vereinbarungen zur Familienfreundlichkeit nehmen das Thema Qualifikationserhalt regelmäßig in den Regelungskatalog auf. Sie versuchen durchaus, auf vielfältige Weise den Kontakt zu Beurlaubten sowie deren berufliche Qualifikation durch Stundenkontingente für Urlaubs- und Krankenvertretungen, Teilzeitarbeit oder Teilnahme an Weiterbildung zu erhalten bzw. zu verbessern.

Darüber hinaus haben auch Menschen ohne Kinder Vereinbarkeitsprobleme, wenn sie sich z. B. ehrenamtlich engagieren oder weil private Interessen nicht immer den beruflichen Belangen untergeordnet werden können und sollen.

Betriebs- und Dienstvereinbarungen sind gute Mittel, um entsprechende Inhalte und Grundsätze im Betriebsablauf stärker zu verankern. Vereinbarungen schaffen vor allem den notwendigen verbindlichen Handlungsrahmen.


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