Auswertungen

Duale Berufsausbildung

Ausgewertet: 305 betriebliche Vereinbarungen aus dem Zeitraum von 1971 bis 2010


Kaum ein Gegenstand ist so umfassend, detailliert und klar geregelt ist wie die duale Ausbildung. Das liegt im Wesentlichen daran, dass diese Form der "Lehrlingsausbildung" zum Alltagsgeschäft vieler Betriebe in Deutschland gehört und einen wichtigen Gegenstand von Aushandlungsprozessen zwischen den Betriebsparteien bildet.

Das Regelungsspektrum reicht von der Festlegung der Anzahl Ausbildungsplätze bzw. der Ausbildungsquote über die Planung und Durchführung des betrieblichen Teils der dualen Berufsausbildung bis hin zu Fragen der Übernahme von Auszubildenden in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis. Daneben werden in den Vereinbarungen viele Einzelaspekte geregelt: etwa die Auswahl und Einstellung von Auszubildenden, die Ausstattung der Ausbildungsplätze und der Einsatz der Auszubildenden, die Arbeits- und Urlaubszeiten, das Beurteilungs- und Förderwesen, Vergütungen und Zuwendungen oder die Einhaltung von Schutzvorschriften. In einer großen Zahl von Vereinbarungen werden zudem die Rechte und Pflichten sowohl des Auszubildenden wie des Ausbildenden definiert. Schließlich werden in den Vereinbarungen auch Fragen der Integration von schwerbehinderten Auszubildenden in den Betrieb sowie der Gleichbehandlung aller Auszubildenden unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer Herkunft angesprochen.

Die Regelungen lassen erkennen, dass die Rechte des Betriebsrats bzw. der Jugend- und Auszubildendenvertretung - entsprechend den Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes - weitgehend ausgeschöpft werden, wenn es um die Belange der Ausbildung bzw. der Auszubildenden geht. Dies gilt sowohl für die Bereiche, in denen die Arbeitnehmervertretung lediglich ein Mitwirkungsrecht hat, als auch für die betrieblichen Themen, die der Mitbestimmung unterliegen.

Umfassende Regelungen zur dualen Berufsausbildung finden sich jedoch nicht nur auf gesetzlicher und betrieblicher Ebene. Häufig wird in den Vereinbarungen auf Tarifverträge Bezug genommen, die einzelne Aspekte der Ausbildung wie etwa Arbeitszeiten oder Übernahmeregelungen betreffen oder die sich auf die Ausbildung insgesamt beziehen.

Die Erleichterungen, die das novellierte BBiG aus dem Jahre 2005 im Hinblick beispielsweise auf Verbund- und Stufenausbildungen, regionale Kooperationen zwischen Betrieben und Schulen oder die Anrechnung von Auslandsaufenthalten auf die Ausbildung zu Hause bietet, finden in den untersuchten Vereinbarungen bislang noch keinen Widerhall. Doch die Erfahrung lehrt, dass geänderte Gesetzeslagen - wie auch Entwicklungen in der Arbeitswelt oder der Gesellschaft - erst mit einem zeitlichen Verzug von mehreren Jahren Eingang in die formalen betrieblichen Regelungsverfahren finden.


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