Kurzauswertungen

Bildungszeitkonten


Diese aktualisierte Auswertung bildet zunächst den Stand von 2009 ab und stützt sich auf konzeptionelle Vorschläge, Vereinbarungen und Fallstudien, die bis dahin vorlagen. In den Folgejahren ist es ruhig geworden um dieses Thema; Vorschläge einer großen Lösung für außerbetrieblich geführte Bildungszeitkonten wurden bislang nicht aufgegriffen.

Auch die betriebliche Praxis hat sich kaum weiterentwickelt. Eine Untersuchung in 10 „Vorreiterbetrieben“ mit guter Weiterbildungspraxis im Jahre 2010 zeigte allerdings, dass in einigen von ihnen Jahreszeit-, Langzeit- oder Lebenszeitkonten „explizit als Instrument für die Bereitstellung von Weiterbildungszeiten begriffen“ wurden; inwieweit diese Möglichkeit tatsächlich genutzt wurde, ist nicht untersucht worden.

Einen neuen Anstoß für Bildungszeitkonten geben neuere Tarifverträge: Ein Betriebstarifvertrag für die VW-Vertriebszentren eröffnet den Beschäftigten seit 2014 die Möglichkeiten, Arbeitszeit und Geld auf einem Konto anzusparen und für Weiterbildung, Familienzwecke oder längeren Urlaub anzusparen; die Konten werden vom Unternehmen verzinst und sind gegen Insolvenz gesichert.

Einen Durchbruch stellen die regionalen Qualifizierungs- und Bildungstarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie vom Frühjahr 2015 dar: Sie ermöglichen neben der bisher schon bekannten Freistellung ohne Bezüge für persönliche Weiterbildung jetzt auch eine Teilzeitarbeit von bis zu sieben Jahren Dauer für diesen Zweck. Ziel der Tarifverträge ist sowohl die Verwirklichung individueller Bildungswünsche als auch ein Beitrag gegen drohenden Fachkräftemangel.

Im Tarifbezirk Nordrhein-Westfalen wurden Regelungen zu Bildungskonten getroffen, an die sich auch einige andere Bezirke anlehnen: Die Bedingungen für Entwicklungsqualifizierung, die zur Übernahme höherwertiger Arbeitsaufgaben im Betrieb befähigt und für persönliche berufliche Weiterbildung (für die es im Betrieb aktuell keinen Bedarf gibt) sind in individuellen Bildungsvereinbarungen festzulegen. Dabei können für die Freistellung auch Lohn- und Zeitanteile auf individuellen Bildungskonten angespart werden: „Für die Beschäftigten kann im Rahmen der Bildungsvereinbarung ein zweckgebundenes persönliches Bildungskonto errichtet werden... Damit wird über die Auflösung eines vorher gebildeten Wertguthabens des Beschäftigten eine (Teil)Vergütung der Bildungsfreistellung ermöglicht.“ Auf dem persönlichen Bildungskonto können „vorgearbeitete“ Arbeitszeiten, Urlaubsvergütungen und Jahressonderzahlungen angespart werden; außerdem sind Zeiten von Arbeitszeitkonten bis max. 152 Stunden pro Jahr übertragbar. Bis zu 10 Prozent der für Bildung anzusparenden Arbeitsleistung können auch nach der Weiterbildung erbracht werden. Die Wertguthaben auf den Bildungskonten sind nach den Regelungen des Sozialgesetzbuches gegen Insolvenz geschützt.

Die Regelung der betrieblichen Bedingungen für solche Bildungskonten ist in freiwilligen Betriebsvereinbarungen möglich. Das zeigt eine Vereinbarung bei einem Automobilhersteller aus 2012: Sie regelt die Möglichkeit einer befristeten Teilzeitbeschäftigung, neben der eine persönliche Weiterbildung absolviert werden kann. Dafür kann auch ein Blockmodell genutzt werden, in dem die Freistellungszeit ähnlich wie bei der verblockten Altersteilzeit „vorgearbeitet“ wird. Beschränkt ist das in dieser Vereinbarung allerdings auf einen kleinen Anteil der Beschäftigten.

Wichtig für die Praxis ist bei Zeitwertkonten die Sicherung gegen Insolvenz und die Möglichkeit der Auszahlung bei einem Betriebswechsel. Das Sozialgesetzbuch regelt seit 2009 die Bedingungen dafür (SGB IV, §§ 7 ff.). Das kann durch Betriebsvereinbarung näher ausgestaltet werden.


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