Auswertungen

Diskontinuierliche Schichtsysteme

Ausgewertet: 105 betriebliche Vereinbarungen, abgeschlossen zwischen 1979 und 2009


Bei der Gestaltung von diskontinuierlichen Schichtsystemen müssen die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes beachtet werden, was die Dauer, Lage und Verteilung der einzelnen Schichten angeht. Besonderes Augenmerk muss dabei auf die arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen gerichtet werden.
Die Einführung diskontinuierlicher Schichtsysteme zielt meist auf eine Verlängerung der Maschinenlaufzeiten und damit auf Ausdehnung der Betriebszeiten. Dadurch werden auch individuelle Arbeitszeiten ausgedehnt.
Die ausgewerteten Vereinbarungen zeigen, dass die Variationen bei diskontinuierlichen Schichtsystemen vielfältig sind. Die einfachste Form ist die Unterteilung in Früh- und Spätschichten an 5 Tagen in der Woche. Auch 3-Schicht-Systeme sind möglich mit zusätzlichen Nachtschichten an den Werktagen. In beiden Fällen kann eine Ausdehnung der Arbeitszeit auf den Samstag vorgesehen sein.
Nicht selten wird angestrebt, bestehende Arbeitsplätze zu sichern oder neue zu schaffen, wenn es z.B. gehäuft Mehrarbeit und Überstunden gibt. Häufig wird allgemein als Ziel der Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Rücksichtnahme auf soziale Belange der Beschäftigten des Betriebes genannt.
Wird in Vereinbarungen die Freiwilligkeit der Teilnahme an Schichtarbeit thematisiert, werden teilweise weitere Bedingungen genannt, wie z. B. eine berufliche Qualifikation oder Weiterbildung, die für den Einsatz im betreffenden Bereich notwendig ist. Vorgaben im Hinblick auf arbeitsmedizinische Untersuchungen und die Rahmenbedingungen für eine Umsetzung von Beschäftigten auf einen Tagarbeitsplatz werden in die meisten Vereinbarungen aufgenommen und teils im positiven Sinne für die Beschäftigten erweitert. Neben arbeitsmedizinischen Untersuchungen werden zudem Gefährdungsbeurteilungen vorgesehen, um mögliche Gefährdungen an den jeweiligen Arbeitsplätzen zu finden und zu beheben.

Mit dem Ziel, Beschäftigte zu entlasten, die an einem für Familie und soziale Aktivitäten gut nutzbaren Tag arbeiten, regeln einige Betriebsvereinbarungen Ausgleichstage. Diese werden entweder im Voraus im Schichtplan eingetragen oder können weitgehend von den Mitarbeitern bestimmt werden. Eine solche Regelung gewährt den Betroffenen mehr Zeitautonomie, während die Festlegung im Voraus eine große Planungssicherheit bedeutet. Überwiegend wird ein Freizeitausgleich für Arbeit an ungünstigen Tagen oder zu ungünstigen Zeiten gegenüber einem finanziellen Ausgleich bevorzugt.
In der Regel werden in Schichtsystemen Vollzeitkräfte eingesetzt. Teilzeitkräfte müssen jedoch nicht von vornherein von Schichtsystemen ausgeschlossen sein. Für sie wird die Arbeitszeit im Schichtsystem anteilig geregelt, andernfalls ist eine extra Betriebsvereinbarung vorgesehen. Dies erfordert einigen planerischen und organisatorischen Mehraufwand.
Besondere Personengruppen werden oft gänzlich aus dem Schichtbetrieb herausgenommen. Dennoch finden sich häufig Vereinbarungen dazu, wie Auszubildende, Jugendliche, Frauen im Mutterschutz oder ältere Beschäftigte hinsichtlich diskontinuierlicher Nacht- und Schichtarbeit zu behandeln sind. Frauen im Mutterschutz werden nicht selten vorrangig in den Frühschichten beschäftigt. Dies könnte auch für Jugendliche gelten, wurde aber so nicht gefunden.
Die Altersgrenze, ab der Mitarbeiter als ältere Beschäftigte gelten, ist in den Vereinbarungen unterschiedlich festgelegt. Meist liegt sie zwischen 50 und 55 Jahren. Gerade ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden oft von Schichtarbeit, vor allem von Nachtschichten ausgenommen und altersbezogene Schichtpläne oder Arbeitszeiten aufgenommen.
Um der Belastung durch aufeinanderfolgende Nachtschichten entgegenzuwirken ist es sinnvoll, die arbeitswissenschaftliche Empfehlung nach möglichst wenigen Nachtschichten in Folge weiter einzugrenzen. Auch eine beschränkte Gesamtanzahl von Nachtschichten über das Jahr hinweg verringert die Belastung für (ältere) Mitarbeiter. Bei solchen Regelungen werden die Schichtpläne planerisch und organisatorisch angepasst, indem zusätzliche freie Zeiten gewährt werden, z. B. in Form von Freischichten.
Bewährte Instrumente, um Schichtsysteme zu flexibilisieren, sind Gleitzeit, An- und Absage von Schichten, die vorübergehende Ausdehnung oder Verkürzung einzelner Schichten oder der Wechsel von Schichtsystemen, vor allem hinsichtlich der Schichtenzahl pro Woche. Dieser wird in den Betriebsvereinbarungen detailliert geregelt.
Bei jeder Gestaltung von Arbeitszeiten, so auch bei der Einführung von Schichtarbeit, hat der Betriebs- oder Personalrat ein Mitbestimmungsrecht. Der Betriebsrat ist generell bereits an der Ausarbeitung der vorliegenden Vereinbarungen beteiligt. Es wird jedoch häufig zusätzliches vereinbart. Das reicht von der Gestaltung des Schichtplans und dessen Änderungen über die Personalplanung bis hin zur personenbezogenen Zuweisung zu den einzelnen Schichten. Auch die Ausweitung eines einmal vereinbarten Schichtsystems auf andere Betriebsbereiche unterliegt der betrieblichen Mitbestimmung.


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