Kurzauswertungen

Flexible Schichtsysteme

Ausgewertet: 69 betriebliche Vereinbarungen aus den Jahren 1994 bis 2009


Ein Ziel flexibler Schichtsysteme sollte die Balance zwischen betrieblichen Zielen und Mitarbeiterinteressen sein, indem die Anforderungen des Betriebes mit den Bedürfnissen der Beschäftigten möglichst gut in Übereinstimmung gebracht werden. Aus unternehmerischer Sicht werden saisonale oder konjunkturelle Schwankungen in Nachfrage und Bedarf aufgefangen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auszubauen. Gleichzeitig dürfen die Bedürfnisse der Beschäftigten nicht außer Acht gelassen werden, indem sie Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung und Planbarkeit ihrer Arbeits- und Freizeiten und damit eine erhöhte Eigenverantwortlichkeit erhalten.

Häufigste Mittel einer Flexibilisierung bei Schichtarbeit sind Gleitzeit bei Schichtwechseln, einzelne Schichten zeitweise auszudehnen oder zu verkürzen, An- und Absagen von ganzen Schichten oder der Wechsel von Schichtmodellen. Arbeitszeitkonten sind begleitend notwendig, um Arbeitszeiten kontrolliert zu verwalten.

Besonders beachtet wird die Belastung der Beschäftigten durch ungünstige Arbeitszeiten. In vielen Vereinbarungen wird auf die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes und im Besonde-ren auf die Berücksichtigung der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zur Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit hingewiesen. Eine Flexibilisierung darf nicht dazu führen, dass diese Vorgaben vernachlässigt werden. Dies gilt vor allem bei Verlängerungen von Schichten, Zusatzschichten oder bei einem Wechsel zwischen verschiedenen Schichtmodellen.

Um eine für die Beschäftigten "planbare" Flexibilisierung ihrer Arbeit zu ermöglichen, se-hen viele Vereinbarungen eine Grundplanung über einen längeren Zeitraum, z.B. über ein Jahr vor. Diese kann an die jeweiligen betrieblichen Auftragsschwankungen angepasst werden. Schichtarbeit wird überschaubarer und das Familienleben sowie Freizeitaktivitä-ten können eher darauf abgestimmt werden.

Zusatz- und Ausfallschichten in einem flexiblen Schichtsystem werden zum überwiegenden Teil von der Arbeitgeberseite bestimmt, um den Personaleinsatz bedarfsgerecht zu gestalten. In einigen Vereinbarungen werden auch die Wünsche der Beschäftigten hervor-gehoben - vor allem bei der Wahl der Freischichten, deren Lage für Familie und Freizeit von Bedeutung ist.

Das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates ist gesetzlich verankert, wird jedoch im Hinblick auf die Gestaltung der flexiblen Schichtpläne häufig ausdrücklich erwähnt. Ist von einer Zustimmung oder einem Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates nicht ausdrücklich die Rede, hebelt dies das gesetzlich verbriefte Mitbestimmungsrecht nicht aus.

Möglichkeiten und Rechte der Beschäftigten, die Arbeitszeit mitzugestalten, kann nur in den Vereinbarungen selbst geregelt werden. Dies wird häufig genutzt und umfasst eine innerbetrieblich transparente Information über die Ziele einer Arbeitszeitflexibilisierung, deren Entwicklungs- und Umsetzungsprozess sowie Wahlmöglichkeiten entwickelter Schichtmodelle.

Schichtpläne, die unterschiedliche Auslastungen und Bedarfe abdecken und deren Einsatzmöglichkeiten festgelegt sind, sind häufig in den Vereinbarungen enthalten; andere als die dort festgelegten Modelle müssen neu beantragt und vom Betriebsrat genehmigt werden. Damit kann dieser seine Aufgabe wahrnehmen und zum Schutz der Arbeitnehmer für neue Schichtmodelle auf die ergonomische Gestaltung achten.


Zusatzinfos

Grzech-Sukalo, Hiltraud / Hänecke, Kerstin: Flexible Schichtsysteme (pdf)


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