Auswertungen

Sucht und Suchtmittelmissbrauch

Ausgewertet: 60 Betriebs- und Dienstvereinbarungen aus den Jahren 2004-2014


Betriebliche Suchthilfe- und Präventionsprogramme regeln seit vielen Jahren den Umgang mit Risikokonsum und Suchtgefährdungen in den Betrieben und Dienststellen und dies sehr erfolgreich: Betriebe, die suchtgefährdete und -kranke Beschäftigte mit Hilfe eines gezielten Suchthilfeprogramms begleiten, können die Betroffenen adäquat unterstützen und so einen wesentlichen Impuls für den Weg zur Gesundung geben. Denn Sucht ist stets Krankheit, ein Aspekt, der oft außer Acht gelassen wird. Betriebliche Hilfeprogramme sind für die Betroffenen eine wichtige Form der Unterstützung und leisten hier einen wichtigen Beitrag, um Tabus und Stimata von Suchterkrankungen zu beseitigen.
Abhängigkeitserkrankungen und Suchtmittelmissbrauch in der Arbeitswelt nehmen zu und sind in den letzten Jahren auch mehr in den Fokus der Betriebe gerückt. Dabei sind Alkohol und Tabak nach wie vor die häufigsten Drogen. Die Nikotinabhängigkeit wird in den Altersgruppen der 18- bis 64-Jährigen auf ca. 3,5 bis 4,2 Millionen Abhängige geschätzt. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt bei der Medikamentenabhängigkeit die Zahl der Betroffenen auf ca. 1,4 bis 1,5 Millionen Abhängige. Wir müssen mit rund 8,5 Millionen Menschen rechnen, deren Alkoholkonsum den Kategorien riskanter Konsum bis Hochkonsum zuzuordnen ist. Jeder vierte Deutsche hat einmal in seinem Leben eine illegale Droge konsumiert, hierzu zählen psychoaktive Substanzen wie Cannabis, Amphetamine, Kokain, Pilze, Ecstasy und in jüngerer Zeit synthetische Drogen wie Chrystal Meth.
Der Konsum leistungssteigernder Mittel durch Gesunde ist in unserer Gesellschaft keineswegs nur ein Thema der oberen Managementebene. Und auch das Themenfeld der stoffungebundenen Abhängigkeitserkrankungen sollte nicht außer Acht gelassen werden: pathologisches Glücksspielen, exzessiver Mediengebrauch, Essstörungen und Arbeitssucht rücken in das Blickfeld.
In der vorliegenden Auswertung wurden 60 Betriebs- und Dienstvereinbarungen analysiert. In älteren Vereinbarungen gab es schwerpunktmäßig Regelungsinhalte zu alkoholbezogenen Thematiken. Diese sind dann zumeist auch reduziert auf die Themen: Konsum am Arbeitsplatz bzw. während der Arbeitszeit, Umgang im berauschten Zustand und die Vorgehensweise im Stufenplan. In neueren Vereinbarungen finden wir einen breiteren Ansatz: bei den stoffgebundenen Problematiken rücken auch Medikamentenmissbrauch und illegale Drogen in den Fokus. Darüber hinaus finden wir vermehrt Hinweise auf den betrieblichen Umgang mit stoffunabhängigen Abhängigkeitserkrankungen.
Neuere Vereinbarungen beginnen oft mit dem Themenfeld der betrieblichen Suchtprävention und definieren zunächst die betrieblichen Aktivitäten, die geeignet sind, um dem Entstehen von Suchterkrankungen vorzubeugen. Darin werden dann neben Schulungsaktivitäten und gezielter Öffentlichkeitsarbeit auch Maßnahmen im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz genannt. So finden wir mittlerweile in einigen Vereinbarungen Querverweise zur Durchführung der ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung nach §5 Arbeitsschutzgesetz. Dieses Instrument kann einen wesentlichen Beitrag zum Abbau suchtfördernder Arbeitsbedingungen leisten. Diese Verzahnung zwischen Arbeits- und Gesundheitsschutz und betrieblichen Suchthilfe- und Präventionsprogrammen ist also sehr zu begrüßen.
Ein weiterer „neuer“ Regelungspunkt, auf den wir in der vorliegenden Auswertung gestoßen sind, ist der Bezug zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) nach § 84 (2) Sozialgesetzbuch IX, indem eine systematische Begleitung bei der Rückkehr nach absolvierter Therapie geregelt wird. Dieser Punkt ist nicht ganz unproblematisch, da das BEM an sich ein freiwilliges Unterstützungsangebot nach Langzeit- oder Mehrfacherkrankung darstellt. Dies bedeutet, dass die Beschäftigten das BEM jederzeit ablehnen können. Bei suchtbedingten Erkrankungen sollte im Betrieb klar geregelt sein, dass der Stufenplan greift und eine konstruktive Wiedereingliederung nach Therapie gewährleistet ist.
Die in den Vereinbarungen identifizierten Querverweise zum Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie zum BEM machen deutlich, dass in den Betrieben und Dienststellen die Umsetzung eines ganzheitlichen und auch systematischen Betrieblichen Gesundheitsmanagements angestrebt wird.



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