Auswertungen

Entgeltgestaltung für außertariflich Beschäftige am Beispiel der chemischen Industrie

Ausgewertet: Vereinbarungen aus 19 Unternehmen


 Die AT-Beschäftigten gewinnen in vielen Unternehmen an Bedeutung – als betriebliche Experten und auch als Wähler für den Betriebsrat. Da tarifliche Regelungen für AT-Beschäftigte definitionsgemäß nicht gelten, liegt die Aufgabe, den hochkomplexen Gegenstand der AT-Entgelte auszugestalten, in den Händen der Betriebsräte. Einerseits geht es dabei um das konfliktträchtige Thema Entgelt an sich, andererseits um die Einbindung von AT-Beschäftigten in die Kommunikation und das Aushandeln von Regelungen.
Auf der Grundlage einer Analyse von Betriebsvereinbarungen aus 19 Unternehmen stellt die vorliegende Analyse betriebliche Regelungen zu AT-Entgeltsystemen in ihrer Unterschiedlichkeit vor. Sie identifiziert wichtige Eckpunkte, die für die Funktionsfähigkeit und Qualität der Systeme entscheidend sind. Dabei wird deutlich: Bei den meisten dieser Eckpunkte existiert kein „one best way“ – vielmehr gibt es häufig Alternativen, die zum Erfolg führen. Zudem wird klar: AT-Entgeltsysteme sind komplex. Daher macht es wenig Sinn, lediglich einzelne Passagen zu kopieren, wenn nicht die Logik der gesamten Regelung übernommen wird. Hauptaugenmerk liegt auf den Regelungsgegenständen Stellenbewertung und Entgeltsystematik.
Bei der Stellenbewertung ist entscheidend, dass die Betriebsparteien ein eindeutiges Verfahren festschreiben, sodass ein fester und transparenter Bezugsrahmen entsteht. Zweitens ist es wichtig, die Anlässe für Stellenbewertungen dergestalt zu regeln, dass ein Initiativrecht des Betriebsrats festgeschrieben wird. Damit hat er die Möglichkeit, das Stellenbewertungsverfahren unabhängig in Gang zu setzen. Der dritte entscheidende Punkt ist, die Beteiligung des Betriebsrats an der Stellenbewertung verbindlich zu regeln. In den vorliegenden Vereinbarungen lassen sich zwei Wege unterscheiden: a) über eine gemeinsame Stellenbewertungskommission, in der Vertreter von Unternehmen und Betriebsrat die Bewertungen gemeinsam und gleichberechtigt vornehmen. b) Regelungen für Konfliktfälle ermöglichen es dem Betriebsrat, vom Unternehmen allein durchgeführte Bewertungen gegebenenfalls anzufechten.
Ein neuralgischer Punkt bei der Regelung der AT-Entgelte ist die Formulierung eines eindeutigen Zusammenhangs zwischen Stellenbewertung und Entgeltsystematik, damit diese beiden Elemente nicht in einen willkürlichen Zusammenhang gesetzt werden können. Bei der Regelung des Entgeltsystems wird unterschieden zwischen Entgeltgruppen und -bändern. In der chemischen Industrie sind Bänder der Standard, ihre Regulierung ist komplexer als die von Entgeltgruppen. Bei Bandsystemen sind verschiedene Aspekte relevant, z. B. die Anzahl der Bänder sowie deren absolute Definition – also die Festschreibung von Bandober- und Untergrenzen, in denen die Entgelte der einzelnen AT-Beschäftigten liegen müssen. Ausnahmen sind explizit zu regeln. Ein weiterer zentraler Regelungsgegenstand ist der Tarifabstand. Denn er gewährleistet ein Verhältnis zwischen dem höchsten Tarifentgelt und den AT-Entgelten, das die unterschiedlichen Tätigkeitsanforderungen der beiden Beschäftigtengruppen abbildet.
Für die Entwicklung der AT-Entgelte im Zeitablauf sind insbesondere zwei Faktoren von Bedeutung: die Anpassung der Bänder an sich, also des „Entgeltgerüsts“, sowie die individuelle Entgeltentwicklung. Aus der Perspektive der Betriebsräte kommt es darauf an, Regelungen auszuhandeln, die dem Betriebsrat ein Recht auf Mitwirkung an der Entscheidung ermöglichen; die einen festen Rhythmus festlegen, sodass Anpassungen nicht jahrelang ausgesetzt werden können; die möglichst eindeutige Kriterien für die Entscheidung über die Höhe der Anpassung festschreiben.
Die Analyse der Betriebsvereinbarungen wird ergänzt um Beispiele zur Verhandlungs- und Umsetzungspraxis aus sieben betrieblichen Fallstudien. Dabei wird deutlich: Eine nicht zu unterschätzende Ressource für die Betriebsräte kann die Beteiligung der AT-Beschäftigten sein, denn sie kann bei der Aushandlung der Betriebsvereinbarungen deutliche Vorteile für die Betriebsräte mit sich bringen. Die beteiligungsorientierte Strategie trägt dazu bei, die Gräben zu überwinden, die AT-Angestellte und Betriebsräte womöglich voneinander trennen.


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