Im Geltungsbereich des Montanmitbestimmungsgesetzes und des Mitbestimmungsgesetzes von 1976 wird der Arbeitsdirektor als gleichberechtigtes Mitglied des Vorstands bzw. der Geschäftsführung vom Aufsichtsrat bestellt (Ausnahme: KGaA). Er ist in erster Linie für das Personal- und Sozialwesen zuständig.

Rolle und Aufgaben der Arbeitsdirektoren

Die kleinste Definitionsebene der arbeitsdirektorialen Rolle bleibt die Ressortverantwortung im Personalwesen in Arbeitgeberfunktion – im besten Falle getragen vom Vertrauen beider Seiten. Formalrechtlich sind Arbeitsdirektoren in der überwiegenden Anzahl der Unternehmen nach dem 76er Mitbestimmungsgesetz also oberste Personalfachleute und koordinieren die operative Personalarbeit. Gewerkschaftlich geprägte und von ihr getragene Arbeitsdirektoren auf dieser Rechtsgrundlage haben ein deutlich weiteres Portfolio, vor allem im Sinne eines (gesellschafts-) politischen Selbstverständnisses.

Zur Rolle des Arbeitsdirektors

Magazin Mitbestimmung, Interview Harald Schartau: Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen für die Stahlindustrie

Als Mitglieder der Kommission „Zukunft der Arbeit“ setzen sich Arbeitsdirektoren auch im Stiftungskontext mit den Arbeitsbedingungen der Zukunft auseinander. Hier einige Einschätzungen:
Alfred Geißler, Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied, STEAG GmbH
Lothar Herbst, Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied Mainova AG
Oliver Burkhard, Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied ThyssenKrupp AG

Die Mitbestimmungsinstitution Arbeitsdirektor zählt in seiner ursprünglichen und idealtypischen Ausgestaltung des Montanmitbestimmungsgesetzes vom 21.05.1951, zu den anspruchsvollsten, weitreichendsten aber auch umstrittensten Funktionen der Mitbestimmung. Vorgeschlagen durch die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat ist der Arbeitsdirektor Träger der institutionalisierten Mitbestimmung auf der Ebene der Unternehmensleitung und durch das kollegiale Prinzip der Unternehmensführung (§ 76 AktG) gleichberechtigtes Vorstandsmitglied. Im dualistischen System der Organisationsverfassung ist der Arbeitsdirektor somit neben dem Aufsichtsrat die zweite Einflussebene der Arbeitnehmerseite in der Unternehmensführung. Die gleichzeitige Wahrnehmung einer unternehmerischen Rolle stellt hohe Anforderungen an die Arbeitsdirektorinnen und Arbeitsdirektoren in der Praxis.

Jan-Paul Giertz: Der Kollege im Vorstand

Rolf Reppel: Von der Montanmitbestimmung lernen

Der Arbeitsdirektor steht in vielen Unternehmen für eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretung. Diese sogenannte „Mitbestimmte Personalarbeit“ steht im Ergebnis für die Vermittlung unterschiedlicher Interessen und die Beteiligung der Arbeitnehmer an relevanten Unternehmensentscheidungen. Die Protagonisten dieser besonderen „Schule der Personalarbeit“ sind in branchenbezogenen Netzwerken vernetzt. Die „Engeren Mitarbeiter“ der Arbeitsdirektoren Stahl und ver.di sowie ein vergleichbares Netzwerk im Organisationsbereich der IG BCE sind die „Arbeitsebenen“ der arbeitsdirektorialen Bereiche in stark mitbestimmten Unternehmen. Insbesondere die Engeren Mitarbeiter der Stahlindustrie zeigen sich als Aktivposten der Erarbeitung spezifischer personalpolitischer Expertise.

Otto, Klaus-Peter: Montanmitbestimmte Personalarbeit
Wissen ist Macht - Wissen teilen ist Kultur (pdf)
Merkmale guter mitbestimmter Personalarbeit (pdf)

Vollkonferenz 2015
Vollkonferenz 2016

 


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