Böckler Impuls Ausgabe 07/2015

Atypische Beschäftigung

Öffentlicher Dienst: Qualifiziert und befristet

Atypische Beschäftigung ist heute auch beim Staat, dem einstigen Musterarbeitgeber, gang und gäbe. Allerdings unterscheiden sich Jobs mit unsicherer Perspektive oder geringer Stundenzahl im öffentlichen Dienst deutlich von denen in der Privatwirtschaft.

Neben der Teilzeitarbeit sind es vor allem befristete Arbeitsverträge, die im Staatsdienst besonders häufig sind. Gerade gut Qualifizierte im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30 müssen häufig mit einer Stelle auf Zeit vorlieb nehmen, wie eine Analyse der Arbeitsmarktexperten Berndt Keller und Hartmut Seifert zeigt.

In den stabilen Kern des öffentlichen Dienstes vorzudringen, gelingt gut ausgebildeten jungen Leute immer seltener. Die Wissenschaftler fürchten daher, dass der Staatsdienst „in Zukunft kaum noch konkurrenzfähig bei der Rekrutierung Hochqualifizierter sein wird“. Die restriktive Einstellungspraxis sei die Folge einer Sparpolitik, die den öffentlichen Dienst seit den frühen 1990er-Jahren bereits von 6,7 auf 4,6  Millionen Beschäftigte schrumpfen ließ – etwa die Hälfte des Personalabbaus ging auf Privatisierungen zurück – und sich angesichts der Schuldenbremse auf Bundes- und Länderebene noch verschärfen könnte.

Etwas mehr als ein Drittel der Stellen beim Staat sind heute atypische Beschäftigungsverhältnisse. Das ist dieselbe Größenordnung wie in der Privatwirtschaft. Im Vergleich zu den privaten Unternehmen spielen Minijobs und Leiharbeit im öffentlichen Dienst allerdings eine eher geringe Rolle. Und dank der relativ hohen Tarifabdeckung von über 90 Prozent sind Niedriglöhne im Staatsdienst die Ausnahme. In den Worten der Arbeitsmarktexperten: Atypische Beschäftigung ist hier nicht automatisch prekäre Beschäftigung.

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Quellen

Berndt Keller und Hartmut Seifert: Atypische Beschäftigungsverhältnisse im öffentlichen Dienst, in: WSI-Mitteilungen 8/2014


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