Erwerbstätigkeit

Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991-2017

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Frauen sind in Deutschland immer noch seltener erwerbstätig als Männer, allerdings hat sich die Teilhabe am Erwerbsleben beider Geschlechter zwischen 1991 und 2017 stark angeglichen. Dies zeigt sich sehr deutlich an der Erwerbstätigenquote:

  • Die Erwerbstätigenquote der Frauen nahm bereits Ende der 1990er Jahre und dann erneut in den Jahren seit 2005 stark zu. Über den gesamten Zeitraum von 1991 bis 2017 stieg sie von 57 Prozent auf fast 72 Prozent an.
  • Bei den Männern sank die Erwerbstätigenquote zwischen 1991 und 2003 von 78 Prozent auf 71 Prozent stark ab. Seitdem legte sie wieder deutlich zu und liegt im Jahr 2017 mit 79 Prozent erstmals wieder höher als zu Beginn der 1990er Jahre.
  • Aufgrund dieser Veränderungen hat sich der Abstand der Erwerbstätigenquoten zwischen Frauen und Männern innerhalb von 25 Jahren um zwei Drittel verringert – von 21 Prozentpunkten auf 7 Prozentpunkte.

Auch bei der Erwerbsquote, die den Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung im Erwerbsalter erfasst 1, zeigt sich eine deutliche Tendenz zur Angleichung beider Geschlechtergruppen:

  • Bei den Frauen stieg die Erwerbsquote zwischen 1991 und 2017 fast kontinuierlich an, von 62 Prozent auf den bisherigen Höchstwert von 74 Prozent.
  • Demgegenüber veränderte sich die Erwerbsquote der Männer nur leicht: Von fast 83 Prozent im Jahr 1991 ging sie bis 2000 auf 80 Prozent zurück. In den Jahren nach 2005 stieg sie wieder auf 82 Prozent an und blieb seither fast konstant auf diesem Niveau.

Der regionale Vergleich zeigt, dass die Entwicklungen in Westdeutschland nur geringfügig von jenen für Deutschland insgesamt abweichen, während für Ostdeutschland gravierende Unterschiede festzustellen sind:

  • In Ostdeutschland sank die Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern zu Beginn der 1990er Jahre innerhalb weniger Jahre drastisch ab.
  • Unter den ostdeutschen Frauen stieg die Erwerbstätigenquote seit 2005 jedoch wieder stark an. Im Jahr 2017 erreichte sie 73 Prozent und liegt damit immer noch höher als die Erwerbstätigenquote der Frauen in Westdeutschland.
  • Auch die Erwerbstätigenquote der Männer in Ostdeutschland stieg seit 2005 wieder an, blieb aber bis 2017 (77 Prozent) noch unter dem Höchstwert aus dem Jahr 1991 (79 Prozent).
  • Damit fällt auch der geschlechtsspezifische Abstand der Erwerbstätigenquoten in Ostdeutschland über den gesamten Zeitraum deutlich kleiner aus als in Westdeutschland. Im Jahr 2017 ist der geschlechtsspezifische Abstand in Ostdeutschland (4 Prozent) nur halb so hoch wie in Westdeutschland (8 Prozent).

Der geringere geschlechtsspezifische Abstand in Ostdeutschland ist nur zu einem kleinen Teil auf die etwas höhere Erwerbsbeteiligung der ostdeutschen Frauen zurückzuführen. Hauptursache ist die (immer noch) angespanntere Lage auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt, die zu einer deutlich niedrigeren Erwerbstätigenquote der Männer führt. Die schlechteren Bedingungen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt lassen sich auch daran ablesen, dass der Abstand zwischen Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten bei Frauen und Männern in Ostdeutschland deutlich höher ausfällt als in Westdeutschland.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Julia Spitznagel

 

Literatur

Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410177004.pdf?__blob=publicationFile&v=4, letzter Zugriff: 13.05.2019.

Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00033338/2010410167004_korr19122017.pdf, letzter Zugriff: 13.05.2019

Statistisches Bundesamt (2015): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2014. Fachserie 1 Reihe 4.1.1.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00031125/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf, letzter Zugriff: 13.05.2019.

 


(1) Zur Definition der Erwerbsquote siehe Glossar.

Datentabellen zu den Grafiken

 

 


 

 


 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf Arbeitstabellen des Statistischen Bundesamtes, die auf Anfrage zur Verfügung gestellt wurden.

Grundlage der Berechnungen sind die Daten des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Erhebung wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus liefert u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt.6 Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.

Bis einschließlich zur Erhebung 2004 bezogen sich die Angaben des Mikrozensus auf eine feste Berichtswoche für alle Befragten, die zumeist im April eines Jahres lag. 2005 wurde der Erhebungsrhythmus auf das Prinzip der Unterjährigkeit umgestellt. Seither werden die Daten kontinuierlich und gleichmäßig über alle Kalenderwochen des Jahres verteilt erhoben. Damit liegen für die Erhebungsjahre ab 2005 echte Jahresdurchschnittswerte vor.7 Die kontinuierlich über das gesamte Kalenderjahr verteilte Erhebung kann zu einer stärkeren Erfassung der temporären Beschäftigungsverhältnisse, insbesondere saisonaler Beschäftigungen, führen. Dies kann zu einer höheren Zahl der Erwerbstätigen, und damit auch zu höheren Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten bei Männern und Frauen in Deutschland führen.

Die Ergebnisse ab 2011 sind nur eingeschränkt vergleichbar mit den Ergebnissen aus den Jahren davor. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Ergebnisse des Mikrozensus ab dem Jahr 2011 auf einen neuen Hochrechnungsrahmen umgestellt wurden. „Grundlage hierfür sind die aktuellen Eckzahlen der laufenden Bevölkerungsfortschreibung, die auf den Daten des Zensus 2011 (Stichtag 09.05.2011) basieren.“ 8 Eine Veränderung durch diese Umstellung zeigt sich „in erster Linie in einem Niveaueffekt, der zu einem Zeitreihenbruch bei den absoluten Werten führt. Auf die Berechnungen von Quoten hat die Umstellung dagegen nur einen geringen Einfluss.“ 9 Zudem wird ab 2011 den Fragen zur Erwerbstätigkeit eine neue Filterfrage zum sogenannten Hauptstatus vorgeschaltet. Personen mit geringfügiger Beschäftigung werden dadurch nun besser erfasst als zuvor. 10

Mit dem Berichtsjahr 2016 wurde schließlich die Datenbasis auf eine neue Grundlage umgestellt. Seit diesem Jahr basiert die Stichprobe des Mikrozensus auf den Ergebnissen des Zensus 2011.11

Seit dem Berichtsjahr 2017 dient nur noch die Bevölkerung am Hauptwohnsitz in Privathaushalten als Bezugsgröße, denn für Personen in Gemeinschaftsunterkünften liegen infolge einer Neuregelung des Mikrozensusgesetzes nur noch eingeschränkte Daten vor.12

Auch wenn die zeitliche Vergleichbarkeit infolge der geänderten Methodik stark eingeschränkt ist, so ändert dies nichts am langfristigen Trend zu höheren Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern in Deutschland.

 


(6) Vgl. Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 264-266.

(7) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 5.

(8) Statistisches Bundesamt (2015): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2014. Fachserie 1 Reihe 4.1.1, S. 6.

(9) Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 4.

(10) Vgl. Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011.

(11) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 4.

(12) Vgl. Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 4.

Erwerbstätigenquote
Die Erwerbstätigenquote gibt die Beteiligung am Erwerbsleben an. Sie bemisst den prozentualen Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung, in der Regel bezogen auf die Bevölkerung im Erwerbsalter von 15 bis 64 Jahren.2 Die Erwerbstätigenquote kann auch auf andere Grundgrößen, z. B. Geschlechter- oder Altersgruppen, bezogen werden.

Erwerbsquote
Die Erwerbsquote bemisst den prozentualen Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung. Zu den Erwerbspersonen zählen neben den Erwerbstätigen auch die Erwerbslosen. Die Erwerbsquote wird (ähnlich wie die Erwerbstätigenquote) in den meisten Fällen für die Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren ausgewiesen. 3 Sie kann auch auf andere Grundgrößen, z. B. Geschlechter- oder Altersgruppen, bezogen werden.

Erwerbstätige
Das Statistische Bundesamt definiert Erwerbstätige wie folgt: „Erwerbstätige sind alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die im Berichtszeitraum mindestens eine Stunde gegen Entgelt irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer/innen einschl. Soldatinnen und Soldaten), selbständig ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft betreiben, einen freien Beruf ausüben oder als mithelfende Familienangehörige im Betrieb eines Familienmitglieds mitarbeiten, ohne dafür Lohn und Gehalt zu beziehen. Daneben gelten auch Personen als erwerbstätig, die vorübergehend nicht arbeiten, sofern sie formell mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind (z. B. wegen Urlaub, Krankheit usw.).4

Erwerbslose
„Erwerbslose sind Personen ohne Erwerbstätigkeit, die sich in den letzten vier Wochen aktiv um eine Arbeitsstelle bemüht haben und sofort, d. h. innerhalb von zwei Wochen, für die Aufnahme einer Tätigkeit zur Verfügung stehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie bei einer Arbeitsagentur als Arbeitslose gemeldet sind. Zu beachten ist, dass das Verfügbarkeitskriterium bei den veröffentlichten Erwerbslosenzahlen der Mikrozensusdaten bis einschließlich 2004 nicht berücksichtigt wurde. Die Unterschiede zwischen den Erwerbslosen und den Arbeitslosen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind erheblich. Einerseits können nicht bei den Arbeitsagenturen registrierte Arbeitsuchende erwerbslos sein. Andererseits zählen Arbeitslose, die eine geringfügige Tätigkeit ausüben, nach ILO-Definition nicht als Erwerbslose, sondern als Erwerbstätige.“ 5 2 Vgl. Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 8. 3 a.

 


(2) Vgl. Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 8.

(3) a. a. O.

(4) a. a. O.

(5) a. a. O.

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