Erwerbstätigkeit

Befristete Beschäftigung nach Altersgruppen 1991-2016

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Im Jahr 2016 hatten 2,66 Millionen abhängig Beschäftigte in Deutschland einen befristeten Arbeitsvertrag. 1 Damit war die Dauer des Arbeitsverhältnisses für 8 Prozent der abhängig Beschäftigten – also etwa für jede/n zwölfte/n Beschäftigte/n – auf ein vorab festgelegtes Datum begrenzt. Von einer Befristung betroffen sind Frauen (im Alter zwischen 15 und 64 Jahren) etwas häufiger als Männer (8,3 Prozent gegenüber 7,7 Prozent).

Über den Betrachtungszeitraum der letzten 25 Jahre hinweg – besonders in den Jahren 2004 bis 2011 – ist der Anteil an befristeten Beschäftigungsverhältnissen bei beiden Geschlechtern insgesamt leicht angestiegen. Seit 2011 sind die Befristungsquoten bei Frauen wie Männern und in fast allen Altersgruppen allerdings wieder leicht rückläufig. In allen Altersgruppen weisen Frauen dabei aktuell etwas höhere Befristungsquoten auf als Männer.

Dabei variiert der Anteil befristeter Beschäftigung nicht nur mit dem Geschlecht, sondern vor allem mit dem Alter der Beschäftigten. Insbesondere Jüngere, vor allem die 15- bis 24-Jährigen, aber auch die 25- bis 34-Jährigen, arbeiten überdurchschnittlich häufig befristet. Auch die Entwicklung der befristeten Beschäftigung im Zeitverlauf fällt in Deutschland für die einzelnen Altersgruppen sehr unterschiedlich aus:

15- bis 24-Jährige Die jüngste Beschäftigtengruppe weist die höchsten Anteile an Befristungen auf, obwohl hier keine Personen berücksichtigt werden, die sich in einer schulischen, beruflichen oder universitären Ausbildung befinden (siehe methodische Anmerkungen). Die Befristungsquote ist im Beobachtungszeitraum stark angestiegen: 1991 arbeitete nur jede achte Frau und jeder elfte Mann in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis. Besonders hohe Befristungsquoten wiesen jüngere Beschäftigte in den Jahren zwischen 2005 und 2011 auf, in denen annähernd jede/r Dritte dieser Altersgruppe nur einen befristeten Arbeitsvertrag hatte. Trotz eines starken Rückgangs der Befristungsquoten nach 2011 verfügt im Jahr 2016 immer noch jede vierte Frau (24 Prozent) und jeder fünfte Mann (22 Prozent) zwischen 15 und 24 Jahren nur über einen befristeten Arbeitsvertrag.

25- bis 34-Jährige Zwischen 1991 und 2016 hat sich der Anteil an befristeter Beschäftigung bei beiden Geschlechtern fast verdoppelt: Bei den Frauen stieg der Anteil von 8 Prozent auf 14 Prozent und bei den Männern von 7 Prozent auf 14 Prozent.

35- bis 44-Jährige und 45- bis 54-Jährige In beiden Altersgruppen befinden sich Frauen durchweg etwas häufiger in befristeten Beschäftigungsverhältnissen als Männer. Allerdings liegt der Befristungsanteil in diesen Altersgruppen unter dem Gesamtdurchschnitt. Damit fällt der Anteil der Befristungen in diesen mittleren Altersgruppen für Frauen – und besonders für Männer – zugleich deutlich geringer aus als unter jüngeren Beschäftigten.

55- bis 64-Jährige Die ältesten Beschäftigten weisen fast durchgängig eine besonders niedrige Quote an Befristungen auf, die für Frauen bei 5 Prozent liegt und für Männer sogar noch darunter.

Die Vergleiche nach Altersgruppen belegen eindrücklich, dass Befristung in Deutschland überwiegend ein Problem jüngerer Beschäftigten ist. Insgesamt sind mehr als 60 Prozent der befristet Beschäftigten jünger als 35 Jahre alt. 2 Gerade für jüngere Beschäftigte birgt ein befristeter Arbeitsvertrag einige Risiken: Befristet Beschäftigte erzielen häufiger nur geringe Nettoeinkommen und sind daher häufiger von Armut bedroht als Beschäftigte in unbefristetem Arbeitsverhältnis. 3 Die feststellbaren Einkommensnachteile der befristet Beschäftigten wachsen mit der Dauer der Befristung sogar noch an, weil befristet Beschäftigte seltener einen Einkommenszuwachs erhalten. 4

Im Zusammenhang mit wiederholten Befristungen werden oftmals auch Risiken für die Lebensführung thematisiert, etwa solchen für die Familiengründung. Dies gilt besonders für die sogenannten Kettenbefristungen, die sich über Jahre und Jahrzehnte ziehen können, und damit an die Stelle von dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen treten. 5 So sind befristet Beschäftigte der Altersgruppe 20 bis 34 Jahre seltener verheiratet und haben weniger Kinder als Gleichaltrige mit unbefristetem Arbeitsvertrag.6

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

DGB (2017): Befristete Beschäftigung – Arbeiten ohne Bestandsschutz. Fakten und Forderungen, 2. Aktualisierte Auflage, Berlin.

Keller, Berndt /Seifert, Hartmut (2013): Atypische Beschäftigung zwischen Prekariat und Normalität. Entwicklung, Strukturen und Bestimmungsgründe im Überblick, Berlin, Edition Sigma.

Seils, Eric (2016): Jugend & befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus. Policy Brief WSI Nr. 8, Download (pdf), letzter Zugriff: 23.02.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, Download (pdf), letzter Zugriff: 23.02.2018.

Statistisches Bundesamt (2015): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2014. Fachserie 1 Reihe 4.1.1, Download (pdf), letzter Zugriff: 23.02.2018.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, Download (pdf), letzter Zugriff: 23.02.2018.

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, Tab. 2.14.1.

(2) Vgl. Seils, Eric (2016): Jugend & befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus. Policy Brief WSI Nr. 8, S. 2.

(3) a. a. O., S. 3.

(4) Vgl. Keller, Berndt /Seifert, Hartmut (2013): Atypische Beschäftigung zwischen Prekariat und Normalität. Entwicklung, Strukturen und Bestimmungsgründe im Überblick.

(5) Vgl. DGB (2017): Befristete Beschäftigung – Arbeiten ohne Bestandsschutz. Fakten und Forderungen, 2. Aktualisierte Auflage.

(6) Vgl. Seils, Eric (2016): Jugend & befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus. Policy Brief WSI Nr. 8, S. 4. Der Autor betont in seinem Artikel, dass es sich bei diesen Ergebnissen um deskriptive Befunde handelt, die erst noch einer multivariater Analysen bedürften, um abschließende Schlussfolgerungen zu ermöglichen.

Datentabelle zu den Grafiken

 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf Analysen des Statistischen Bundesamtes, die auf Anfrage zur Verfügung gestellt wurden. Als Datenbasis wurde dazu der Mikrozensus genutzt.

Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Erhebung wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus liefert u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt. 1 Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.

Die Grundgesamtheit der vorliegenden Analysen umfasst die zivilen abhängig Beschäftigten, aber keine Zeit- und Berufssoldat/innen oder Grundwehr- und Zivildienstleistende. Zudem wurden alle Personen ausgeschlossen, die sich in schulischer, beruflicher oder universitärer Ausbildung befinden, weil Ausbildungsverträge zumeist befristet sind und Studierende und Schüler/innen oftmals nur befristet beschäftigt werden. Würde man diese Gruppen in die Untersuchung einbeziehen, so läge der Anteil der befristeten Beschäftigungsverhältnisse bei der jüngsten Altersgruppe noch deutlich höher.

Die Frage nach der Befristung der aktuell ausgeübten Tätigkeit wird im Mikrozensus allen erwerbstätigen Personen gestellt, außer den Selbstständigen und den unbezahlt mithelfenden Familienangehörigen. Neben der Dauer der Befristung werden dabei auch mögliche Gründe für eine Befristung erhoben.

Bei den Zeitreihen zur Befristung ist zu berücksichtigen, dass die Daten für den Mikrozensus bis einschließlich 2004 jeweils in einer festen Berichtswoche, zumeist im April, erhoben wurden. Mit der Erhebung 2005 wurde der Rhythmus auf das Prinzip der Unterjährigkeit umgestellt. Seither werden die Daten kontinuierlich und gleichmäßig über alle Kalenderwochen des Jahres verteilt erhoben. 2 Die kontinuierliche Erhebung kann zu einer stärkeren Erfassung der temporären Beschäftigungsverhältnisse, insbesondere saisonaler Beschäftigungen, führen. Diese methodische Umstellung dürfte ein Grund dafür sein, dass der Anteil der befristeten Beschäftigung zwischen 2004 und 2005 stark gestiegen ist (vgl. Datentabelle zu den Grafiken).

Die Ergebnisse ab 2011 sind nur eingeschränkt vergleichbar mit den Ergebnissen aus den Jahren davor. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Ergebnisse des Mikrozensus ab dem Jahr 2011 auf einen neuen Hochrechnungsrahmen umgestellt wurden. „Grundlage hierfür sind die aktuellen Eckzahlen der laufenden Bevölkerungsfortschreibung, die auf den Daten des Zensus 2011 (Stichtag 09.05.2011) basieren.“ 3 Eine Veränderung durch diese Umstellung zeigt sich „in erster Linie in einem Niveaueffekt, der zu einem Bruch in der Zeitreihe bei den absoluten Werten führt. Auf die Berechnung von Quoten hat die Umstellung des Hochrechnungsrahmens dagegen nur einen geringen Einfluss.“ 4

Zudem wird ab 2011 den Fragen zur Erwerbstätigkeit eine neue Filterfrage zum sogenannten Hauptstatus vorgeschaltet. Personen mit geringfügiger Beschäftigung werden dadurch nun besser erfasst als zuvor. 5

Mit dem Berichtsjahr 2016 wurde schließlich die Datenbasis auf eine neue Grundlage umgestellt. Seit diesem Jahr basiert die Stichprobe des Mikrozensus auf den Daten des Zensus 2011. 6

 


(1) Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 341-343.

(2) a. a. O., S. 5.

(3) Statistisches Bundesamt (2015): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2014. Fachserie 1 Reihe 4.1.1., S. 6.

(4) Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 4.

(5) Vgl. Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011.

(6) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, S. 4. Statistisches Bundesamt (2015): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2014. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 6.

Befristung
Eine befristete Beschäftigung beinhaltet die Vereinbarung, dass das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Datum oder mit einem bestimmten Ereignis ohne Kündigung endet. Im Fragebogen des Mikrozensus werden alle Arbeitnehmer/innen und Beamte/ Beamtinnen gefragt: „Ist Ihr Arbeitsvertrag, Ihre Tätigkeit befristet? “ 1

Abhängig Beschäftigte „Personen, die ihre Haupttätigkeit auf vertraglicher Basis für eine Arbeitgeberin bzw. einen Arbeitgeber in einem abhängigen Arbeitsverhältnis ausüben und hierfür eine Vergütung erhalten. Hierzu zählen auch Personen, die vorübergehend nicht arbeiten, sofern sie formell mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind (z. B. aufgrund von Urlaub, Krankheit, Streik, Aussperrung, Mutterschafts- und Elternurlaub, Schlechtwettergeldempfang usw.). Nicht von Bedeutung ist dabei der zeitliche Umfang der ausgeübten Tätigkeit oder ob aus dieser der überwiegende Lebensunterhalt bestritten werden kann. Synonyme Begriffe sind auch abhängig Erwerbstätige oder Arbeitnehmer.“ 2

 


(1) Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1., S. 291.

(2) a. a. O., S. 6.

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