Erwerbstätigkeit

Erwerbstätigenquote nach Elternschaft und Alter der Kinder 2017

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In Deutschland haben Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes einen großen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern: Im Jahr 2017 sind Mütter seltener aktiv erwerbstätig als Frauen ohne Kinder. Bei den Männern ist es umgekehrt, denn hier sind Väter häufiger aktiv erwerbstätig als Männer ohne Kinder.(1)

Bei Müttern und Vätern nimmt das Alter des jüngsten Kindes unterschiedlichen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung. Die Erwerbstätigenquote der Väter wird kaum durch das Alter des jüngsten Kindes beeinflusst, und liegt bei allen Väter-Gruppen über 80 Prozent. Am ehesten sind es Väter mit Kindern unter drei Jahren, deren Erwerbstätigkeitsquote etwas geringer ausfällt. Hier macht sich vermutlich bereits die gestiegene Inanspruchnahme von Elternzeit und Elterngeld unter Vätern in den letzten Jahren bemerkbar.(2) Demgegenüber steigt die Erwerbstätigenquote der Mütter sehr stark mit dem Alter des jüngsten Kindes an: Nur ein Drittel der Mütter mit Kindern unter drei Jahren ist aktiv erwerbstätig, aber fast zwei Drittel der Mütter mit Kindern im Grundschulalter und annähernd drei Viertel derjenigen mit jugendlichen Kindern im Alter zwischen 15 und 17 Jahren.

Die Ursachen für die große Diskrepanz zwischen der Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern liegen vor allem in der paarinternen Arbeitsteilung bei der Kinderbetreuung: Während Väter in Deutschland immer noch in hohem Maße erwerbstätig sind und damit die Rolle des Familienernährers einnehmen, ist die Erwerbstätigkeit der Mütter stark davon abhängig, wie intensiv die Kinder betreut werden müssen. Mütter (insbesondere solche mit kleinen Kindern unter 6 Jahren) übernehmen einen deutlich größeren Anteil der unbezahlten Arbeit für Kinderbetreuung und Hausarbeit als Väter.(3) Daher weisen die Mütter mit den jüngsten Kindern auch die niedrigste Erwerbstätigenquote auf. Mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes – und mit zu- nehmender institutioneller Kinderbetreuung durch Kita, Schule und/oder Hort – steigt auch die Erwerbstätigenquote der Mütter wieder an.

Der regionale West-Ost-Vergleich zeigt, dass die Abstände zwischen den Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern in Ostdeutschland geringer ausfallen als in Westdeutschland: Mütter mit Kindern unter 14 Jahren in Ostdeutschland weisen et- was höhere Erwerbstätigenquoten auf als Mütter in Westdeutschland. Demgegenüber haben Väter in Ostdeutschland durchgängig etwas niedrigere Erwerbstätigenquoten als Väter in Westdeutschland.

Der Zeitvergleich der Jahre 2010 und 2017 (vgl. Tab.) zeigt, dass sich innerhalb der 7 Jahre des Beobachtungszeitraums leichte Veränderungen bei den Müttern, aber auch den Vätern, abzeichnen: Insbesondere bei Müttern mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter (3 bis 9 Jahre), aber auch bei Müttern mit jugendlichen Kindern zwischen 10 und 17 Jahren ist ein Anstieg der Erwerbstätigenquoten um 2 bis 3 Prozent festzustellen. Ein geringer Zuwachs der Erwerbstätigenquoten zeigt sich zwischen 2010 und 2017 auch für Mütter mit Kleinkindern unter 3 Jahren. Gleichzeitig ist die Erwerbstätigenquote von Vätern mit Kleinkindern (unter 3 Jahren) im gleichen Zeitraum um knapp 3 Prozent zurückgegangen. Die Regelungen zum Elterngeld seit 2007 haben hier mit dazu beigetragen, dass eine Erwerbsunterbrechung von 12 Monaten für Mütter und von 2 Monaten für Väter nach der Geburt eines Kindes zur neuen sozialen Norm geworden sind.(4)

Die Hauptursachen für die leicht steigenden Erwerbstätigenquoten von Müttern und die leicht sinkenden Erwerbstätigenquoten von Vätern mit kleinen Kindern (unter 3 Jahren) dürften insgesamt sein(5): der Ausbau der institutionellen Betreuungskapazitäten für Kinder im Vorschulalter(6), das steigende Angebot an Ganztagsschulen, die sich weiter wandelnden Einstellungen von Vätern und Mütter zur Frage von Müttererwerbstätigkeit und externer Kinderbetreuung(7), sowie die steigende Nutzung von Elterngeld und Elternzeit nach der Geburt auch durch Väter.(8)



Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Linda Hentschel


Literatur


Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2017): Familienleitbilder. Alles wie gehabt? Partnerschaft und Elternschaft in Deutschland, Wiesbaden. www.bib.bund.de/DE/Forschung/Familie/Projekte/Familienleitbilder-in-Deutschland.html, letzter Zugriff: 29.08.2018

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018a): Elterngeldbezug in Deutschland 2008 – 2015 In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar/ Pfahl, Svenja (2018b): Ganztagsbetreuungsquote von Kindern nach Alter 2008 – 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar/ Pfahl, Svenja (2017): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit im mittleren Lebensalter 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

Keller, Matthias / Haustein, Thomas (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013. In: Wirtschaft und Statistik 2014, Heft 12,
S. 733 -753, www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Bevoelkerung/VereinbarkeitFamilieBeruf_122014.pdf?blob=publicationFile, letzter Zugriff: 29.08.2018.

Lietzmann, Torsten / Wenzig, Claudia (2017): Arbeitszeitwünsche und Erwerbstätigkeit von Müttern. Welche Vorstellungen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bestehen. In: IAB-Kurzbericht Nr. 10/2017, IAB Nürnberg. http://doku.iab.de/kurzber/2017/kb1017.pdf, letzter Zugriff: 29.08.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/ErwerbsbeteiligungBevoelkung2010410167004.pdf?blob=publicationFile, letzter Zugriff: 29.08.2018.

Unterhofer, Ulrike/ Welteke, Clara/ Wrohlich, Katharina (2017): Elterngeld hat soziale Normen verändert. In: DIW Wochenbericht Nr. 34/2017, DIW Berlin, Seiten 659 - 667, www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.563411.de/17- 34.pdf, letzter Zugriff: 29.08.2018.




(1) Vgl. Definition der „aktiven Erwerbstätigkeit“ im Glossar.
(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018a): Elterngeldbezug in Deutschland 2008 – 2015. In: WSI GenderDatenPortal.
(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2017): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit im mittleren Lebensalter 2012 / 2013. In: WSI GenderDatenPortal.
(4) Vgl. Unterhofer, Ulrike / Welteke, Clara / Wrohlich, Katharina (2017): Elterngeld hat soziale Normen verändert. In: DIW Wochenbericht Nr. 34/2017, DIW Berlin.
(5) Vgl. Lietzmann, Torsten / Wenzig, Claudia (2017): Arbeitszeitwünsche und Erwerbstätigkeit von Müttern. Welche Vorstellungen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bestehen. In: IAB-Kurzbericht, Nr. 10/2017.
(6) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018b): Ganztagsbetreuungsquote von Kindern nach Alter 2008 – 2017. In: WSI GenderDatenPortal.
(7) Forschungen aus dem Jahr 2016 zu Elternleitbildern in Deutschland belegen, dass die große Mehrheit die Ansicht teilt, dass Mütter mit Kleinkindern arbeiten sollten. Jüngere Frauen und Männern (im Alter von 24 bis 43 Jahren) sind beson- ders häufig dieser Ansicht. Mehr als vier von fünf befragten dieser Altersgruppe halten sogar eine Vollzeiterwerbstätigkeit für eine Mutter mit einem 2-jährigen Kleinkind für vertretbar. Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2017): Familienleitbilder. Alles wie gehabt? Partnerschaft und Elternschaft in Deutschland. Wiesbaden, Seite 24 ff.
(8) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018a): Elterngeldbezug in Deutschland 2008 – 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

 

Datentabelle zu den Grafiken

Methodische Anmerkungen

 

Grundlage der Analysen sind die Daten des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in  Deutschland. Die Mikrozensuserhebung wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus stellt u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen zur Verfügung. Grundgesamtheit ist dabei die Wohnbevölkerung in Deutschland, sodass Personen ohne festen Wohnsitz nicht in die Erhebung eingehen. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.(1)

 

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1.

Elternschaft:
Als Mütter und Väter werden in den vorliegenden Analysen Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren entsprechend dem Lebensformen-Konzept definiert. Als Eltern gelten demzufolge alle Erwachsenen, die in einem Haushalt mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren zusammen leben. Unerheblich ist dabei, ob es sich um leibliche Kinder oder Stief-, Pflege- oder Adoptivkinder handelt. Mit dieser Definition werden Personen, deren Kinder älter als 18 Jahre sind und/oder deren Kinder nicht mehr im selben Haushalt leben, nicht als Eltern (Mütter/Väter) definiert. Kinder, die bereits verheiratet sind, oder in einer Lebensgemeinschaft leben, oder bereits ein eigenes Kind haben, bilden nach dem Lebensformen- Konzept eine eigene Familie, und werden daher nicht mehr den Eltern zugeordnet, selbst wenn sie noch keine 18 Jahre alt sind.(1)

Aktiv Erwerbstätige:
Als aktiv Erwerbstätige gelten Personen, „ […] die in der Berichtswoche, also der letzten Woche vor der Befragung, gearbeitet haben. In der Berichtswoche vorübergehend Beurlaubte zählen nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zwar auch zu den Erwerbstätigen, jedoch nicht zu den hier betrachteten aktiv Erwerbstätigen.“(2)

Quote der aktiv Erwerbstätigen:
Die Quote der aktiv Erwerbstätigen gibt den prozentualen Anteil der aktiv Erwerbstätigen an der Bevölkerung im Alter zwischen 15 bis unter 64 Jahre wieder. (3)

Vorübergehend Beurlaubte:
„Zu den vorübergehend Beurlaubten gehören alle Erwerbstätigen, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben (unter anderem wegen Mutterschutz, Elternzeit, Krankheit, Kur, (Sonder-)Urlaub, Altersteilzeit, Dienstbefreiung, Streik, Schlechtwetterlage oder Kurzarbeit).“(4)

 


(1) Vgl. Keller, Matthias und Thomas Haustein (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013, in: Wirtschaft und Statistik 2014, Heft 12, S. 733 - 753.
(2) Vgl. Keller, Matthias und Thomas Haustein (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013, in: Wirtschaft und Statistik 2014, Heft 12, Seite 734.
(3) a. a. O.
(4) a. a. O., S. 734.

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