Erwerbstätigkeit

Vertikale Segregation des Arbeitsmarktes 2016

Erläuterungen      zurück zur Übersicht des Themenbereichs

Frauen in Deutschland arbeiten deutlich seltener als Männer in einer leitenden Stellung. Dies gilt sowohl für Frauen in Vollzeitbeschäftigung als auch – in noch stärkerem Maße – für teilzeitbeschäftigte Frauen. Die ungleiche Verteilung beider Geschlechter auf die fünf Leistungsgruppen ist ein Indikator für die geschlechtsspezifische vertikale Segregation des deutschen Arbeitsmarktes.(1)

Bei den Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten finden sich Anzeichen für eine vertikale Segregation zwischen den Geschlechtern vor allem bei der höchsten und der niedrigsten Leistungsgruppe:

  • In der höchsten Leistungsgruppe – den Arbeitnehmer/innen in leitender Stellung – sind nur 7 Prozent der Frauen tätig, aber mit 13 Prozent ein fast doppelt so großer Anteil der Männer.
  • In der zweiten Leistungsgruppe – den herausgehobenen Fachkräften – sind Frauen und Männer annähernd gleich häufig beschäftigt (mit jeweils mehr als einem Fünftel).
  • Als Fachkraft arbeiten Frauen hingegen sogar etwas häufiger als Männer (47 gegenüber 43 Prozent).
  • Während die Frauen etwa gleich häufig wie Männer als angelernte Arbeitnehmer/in beschäftigt sind, weisen sie bei den ungelernten Arbeitnehmer/innen mit 10 Prozent einen etwas höheren Anteil auf als Männer (6 Prozent).

Als mögliche Erklärung für die schlechtere Positionierung der Frauen wird häufig der höhere Anteil an Teilzeitbeschäftigten unter Frauen genannt: Frauen stellen mit 84 Prozent den größten Teil der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland, während ihr Anteil an den Vollzeitbeschäftigten weniger als ein Drittel beträgt (ohne Abb., vgl. Tabelle). Und tatsächlich sind insbesondere die teilzeitbeschäftigten Frauen schlechter positioniert: Im Vergleich zu den vollzeitbeschäftigten Frauen arbeiten teilzeitbeschäftigte Frauen seltener in einer leitenden Position oder als „herausgehobene Fachkraft“, jedoch deutlich häufiger als angelernte Arbeitnehmerin bzw. sogar doppelt so häufig wie vollzeitbeschäftigte Frauen als ungelernte Arbeitnehmerin.

Dennoch kann der größere Anteil an Teilzeitbeschäftigten unter den Frauen allenfalls zu einem Teil die schlechtere Positionierung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt erklären, denn auch die vollzeitbeschäftigten Frauen schneiden bei der beruflichen Positionierung schlechter ab als die Männer. Dies lässt sich insbesondere am Anteil der Frauen in leitender Stellung ablesen: Nicht einmal jede zehnte in Vollzeit tätige Frau (9 Prozent), aber jeder achte abhängig beschäftigte Mann (13 Prozent) arbeitet in der höchsten Leistungsgruppe.

Im regionalen Vergleich ergibt sich für Westdeutschland eine fast identische Verteilung beider Geschlechter auf die Leistungsgruppen wie in Gesamtdeutschland, während sich für Ostdeutschland bemerkenswerte Unterschiede zeigen:

  • In der Gesamtgruppe aller abhängig Beschäftigten (Vollzeit und Teilzeit) positionieren sich die Frauen in Ostdeutschland ähnlich gut wie die Männer: Sie arbeiten zwar etwas seltener in leitenden Stellung (7 Prozent gegenüber 10 Prozent), dafür sind sie etwas häufiger als Männer als „herausgehobene Fachkräfte“ tätig (19 Prozent gegenüber 17 Prozent).
  • Die vollzeitbeschäftigten Frauen schneiden sogar besser ab als die Gesamtheit der abhängig beschäftigten Männern (die Vollzeit oder Teilzeit arbeiten): Sie nehmen etwa gleich häufig eine leitende Position ein, und sind sogar deutlich häufiger als „herausgehobene Fachkraft“ tätig. Auf den unteren Positionen sind die vollzeitbeschäftigten Frauen dementsprechend seltener vertreten als Männer, denn zu den angelernten Arbeitnehmer/innen zählen nur 12 Prozent der Frauen, aber 17 Prozent der Männer.
  • Die teilzeitbeschäftigten Frauen in Ostdeutschland schneiden im Vergleich dazu deutlich schlechter ab. Insgesamt fällt in Ostdeutschland der Unterschied zwischen den Frauen in Vollzeit und in Teilzeit noch stärker aus als in Westdeutschland.

Damit kann festgehalten werden, dass eine Teilzeitbeschäftigung für Frauen häufiger mit einer schlechteren Positionierung einhergeht. Die insgesamt deutlich ungünstigere Positionierung der Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt kann aber nur zum Teil mit den Besonderheiten von Teilzeitarbeit erklärt werden, denn auch vollzeitbeschäftigte Frauen sind im Durchschnitt noch immer schlechter positioniert als die Männer.


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath


Literatur

Statistisches Bundesamt (2017): Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitnehmerverdienste 2016, Fachserie 16, Reihe 2.3., zum Download auf destatis.de, letzter Zugriff: 12.09.2017.

Statistisches Bundesamt (2016): Vierteljährliche Verdiensterhebung: Qualitätsbericht, zum Download auf destatis.de, letzter Zugriff: 14.09.2017.


(1) Zur inhaltlichen Definition der „Leistungsgruppen“ siehe Glossar

Datentabellen zu den Grafiken


 


 

 


 


 

Methodische Anmerkungen

Datenbasis der vorliegenden Ergebnisse ist die Vierteljährliche Verdiensterhebung (VVE), die vom Statistischen Bundesamt erhoben wird. Die VVE ist eine repräsentative, einstufig geschichtete Stichprobenerhebung mit Auskunftspflicht. Die Stichprobe umfasst etwa 40.500 Betriebe aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen, die im vierteljährlichen Turnus befragt werden.(1) Für die einzelnen Betriebe werden Angaben zur Anzahl der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer/innen, den bezahlten Arbeitsstunden der Arbeitnehmer/innen (diese allerdings nicht von den geringfügig Beschäftigten) und den Brutto-Verdiensten (als durchschnittliche Bruttojahres-, Bruttomonats- und Bruttostundenverdienste) erhoben.

Befragt werden in der Regel Betriebe mit zehn und mehr Arbeitnehmer/innen, für einige Wirtschaftsbereiche werden auch Betriebe mit fünf und mehr Arbeitnehmer/innen erfasst. Die Betriebe der Wirtschaftsbereiche „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ und „Private Haushalte“ werden in der VVE nicht berücksichtigt. Die Merkmale für die Wirtschaftszweige „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ und „Erziehung und Unterricht“ werden mit der VVE nicht als Stichprobe erhoben, sondern aus der Personalstandstatistik erfasst. In diesen beiden Wirtschaftszweigen werden auch Beamte und Beamtinnen einbezogen.(2)

Erfasst werden die Angaben für den größten Teil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer/innen, auch geringfügig Beschäftigte, Saisonarbeiter/innen und Heimarbeiter/innen, sowie Beamte und Beamtinnen in den Wirtschaftsbereichen „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ und „Erziehung und Unterricht“.(3)

Bei der VVE werden folgende Personengruppen generell nicht einbezogen: Selbstständige und mithelfende Familienangehörige ohne Arbeitsvertrag, Personen, die keinen Verdienst für ihre Leistung erhalten (z. B. ehrenamtlich Tätige und Auszubildende bzw. Praktikant/innen ohne Bezahlung), Arbeitnehmer/innen in Altersteilzeit und Personen im Vorruhestand, Honorarkräfte, Personen in berufsfördernden Maßnahmen zur Rehabilitation, Personen im Bundesfreiwilligendienst oder in einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr, sowie Personen in so genannten Ein-Euro-Jobs.(4)

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Vierteljährliche Verdiensterhebung: Qualitätsbericht, S. 6 - 7.

(2) a. a. O.

(3) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitnehmerverdienste 2016, Fachserie 16 Reihe 2.3, S. 281.

(4) a. a. O.

Vertikale Segregation:
Segregation meint eine Ungleichverteilung verschiedener sozialer Gruppen, im extremsten Fall als vollständige Trennung dieser Gruppen. Von einer vertikalen geschlechtsspezifischen Segregation des Arbeitsmarktes spricht man, wenn sich Frauen und Männer sehr ungleich auf die verschiedenen Hierarchiestufen des Arbeitsmarktes (bzw. in den Betrieben) verteilen, sodass z. B. Frauen auf den unteren Ebenen stärker und in den oberen Positionen deutlich seltener anzutreffen sind.

Leistungsgruppen:
Die Leistungsgruppen werden vom Statistischen Bundesamt durch eine grobe Abstufung der Tätigkeit der Arbeitnehmer/innen nach dem Qualifikations- und Anforderungsprofil des Arbeitsplatzes gebildet. Dem Glossar der Fachserie 16, Reihe 2.3 Arbeitnehmerverdienste zufolge werden die Leistungsgruppen durch das Statistische Bundesamt wie folgt definiert:

Leistungsgruppe 1: Arbeitnehmer/innen in leitender Stellung
Arbeitnehmer/innen mit Aufsichts- und Dispositionsbefugnis, z. B. angestellte Geschäftsführer/innen, deren Verdienst zumindest teilweise erfolgsunabhängige Zahlungen enthält. Zu dieser Gruppe zählen auch Arbeitnehmer/innen mit Tätigkeiten, die umfassende Fachkenntnisse erfordern, die in der Regel durch ein Hochschulstudium erworben wurden.

Leistungsgruppe 2: Herausgehobene Fachkräfte
Arbeitnehmer/innen mit sehr schwierigen bis komplexen und vielgestaltigen Tätigkeiten, die überwiegend selbstständig ausgeführt werden. Für diese Tätigkeiten sind neben einer abgeschlossene Berufsausbildung in der Regel eine mehrjährige Berufserfahrung und spezielle Fachkenntnisse erforderlich.

Leistungsgruppe 3: Fachkräfte
Arbeitnehmer/innen mit schwierigen Fachtätigkeiten, für deren Ausübung in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung, zum Teil verbunden mit Berufserfahrung, erforderlich ist.

Leistungsgruppe 4: Angelernte Arbeitnehmer/innen
Arbeitnehmer/innen mit überwiegend einfachen Tätigkeiten, für deren Ausführung keine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich ist, sondern Fertigkeiten und Kenntnisse, die in der Regel durch eine Anlernzeit von bis zu zwei Jahren erworben werden.

Leistungsgruppe 5: Ungelernte Arbeitnehmer/innen
Arbeitnehmer/innen mit einfachen, schematischen Tätigkeiten oder isolierten Arbeitsvorgängen für deren Ausführung keine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich ist, sondern Fertigkeiten und Kenntnisse, die in einer Anlernphase von bis zu drei Monaten vermittelt werden.(1)

Vollzeit:
Im Rahmen der Vierteljährlichen Verdiensterhebung, auf deren Daten die vorliegende Analyse beruht, werden Betriebe u. a. danach befragt, wie viele ihrer Arbeitnehmer/innen in Vollzeit, in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt sind. Die Unterscheidung zwischen Vollzeit und Teilzeit hängt von den Regelungen zur Vollzeittätigkeit im jeweiligen Betrieb ab.(2) Daher kann der zeitliche Umfang einer Vollzeitbeschäftigung zwischen Betrieben und nach Branchen erheblich variieren.

Teilzeit:
Im Glossar der vierteljährlichen Verdiensterhebung wird eine Teilzeitbeschäftigung wie folgt definiert: „Arbeitnehmer gelten als teilzeitbeschäftigt, wenn ihre regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer.“(3)

Geringfügige Beschäftigung:
„Geringfügig Beschäftigte sind Arbeitnehmer, die entweder einer geringfügig entlohnten oder einer kurzfristigen Beschäftigung nachgehen. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung regelmäßig im Monat 450 Euro nicht übersteigt. Kurzfristig Beschäftigte oder Saisonarbeiter werden entsprechend ihres Arbeitsumfangs bei den Voll- oder Teilzeitbeschäftigten erfasst, sofern sie zumindest einen Monat des Quartals entlohnt wurden.“(4)



(1) Statistisches Bundesamt (2017): Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitnehmerverdienste 2016, Fachserie 16 Reihe 2.3, S. 282.

(2) a. a. O., S. 281.

(3) a. a. O.

(4) a. a. O.

PDF-Download

Grafikblatt mit Grafiken, Tabellen und Erläuterungen herunterladen (pdf)


Download der Grafiken

Mit Klick auf eine Grafik können Sie diese in hoher Auflösung herunterladen.

Die Nutzung der Grafiken ist frei, wenn die Quelle "WSI GenderDatenPortal, Hans-Böckler-Stiftung" genannt wird
und keine Änderungen an Inhalt und Aussage der Grafiken vorgenommen werden.

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden