Erwerbstätigkeit

Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2015

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Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen und Männer verteilen sich in Deutschland nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Berufe. Neben Berufen, in denen beide Geschlechter annähernd gleich verteilt sind, lassen sich auch frauendominierte und männerdominierte Berufe ausmachen. Die starke Ungleichverteilung von Frauen und Männer auf unterschiedliche Berufe (hier: Berufssegmente) wird als „horizontale Segregation des Arbeitsmarktes“ (vgl. Glossar) bezeichnet.

In der vorliegenden Analyse werden Berufssegmente nach ihrem Frauenanteil unterschieden. Berufssegmente mit einem Frauenanteil von mehr als 70 Prozent werden als frauendominierte Berufssegmente definiert. Umgekehrt gelten Berufssegmente mit einem Frauenanteil unter 30 Prozent als männerdominierte Berufssegmente. Alle Berufssegmente, die einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent und weniger als 70 Prozent aufweisen, werden als geschlechtsunspezifische Berufssegmente bezeichnet (vgl. Glossar).

  • Frauendominierte Berufssegmente mit einem Frauenanteil von über 70 Prozent finden sich vor allem in personenbezogenen Dienstleistungsberufen. Frauen stellen den größten Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen, Reinigungsberufen und sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen.
  • Demgegenüber sind Frauen in naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen, in den Sicherheitsberufen sowie in Berufen des Land-/Forst und Gartenbau weniger stark vertreten. Diese Bereiche weisen nur einen niedrigen Anteil an Frauen auf (unter 30 Prozent) – sie gelten daher als männerdominierte Berufssegmente. Dies gilt insbesondere auch für Bau-/Ausbauberufe, fertigungstechnische Berufe und Fertigungsberufe sowie Verkehrs-/ Logistikberufe (Frauenanteil jeweils sogar nur bei maximal 20 Prozent).
  • Zu den geschlechtsunspezifischen Berufssegmenten mit relativer Gleichverteilung (und einem Frauenanteil von über 30 Prozent aber unter 70 Prozent) zählen Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe, Handelsberufe, Berufe in Unternehmensführung/ -organisation sowie unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufe.

Insgesamt stellen Frauen nur in sehr wenigen Berufssegmenten den dominierenden Anteil der Beschäftigten. Nur drei der insgesamt vierzehn Berufssegmente sind frauendominiert. Demgegenüber sind sieben Berufssegmente Männerdomänen.

Der regionale Vergleich zeigt, dass sich die Beschäftigten in Westdeutschland auf annähernd die gleichen Berufssegmente verteilen wie dies für Beschäftigte in Gesamtdeutschland gilt. Für Ostdeutschland zeigen sich hingegen leichte Abweichungen:

  • In den meisten Berufssegmenten fällt der Frauenanteil in Ostdeutschland etwas höher aus als in Westdeutschland. Dies gilt für frauendominierte ebenso wie für geschlechtsunspezifische Berufssegmente und sogar für männerdominierte Berufssegmente.
  • Daher zählen unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe in Ostdeutschland zu den frauendominierten Berufen (Frauenanteil: 73 Prozent) – in Westdeutschland jedoch zu den geschlechtsunspezifischen Berufsfeldern (Frauenanteil: 63 Prozent).
  • Zudem gehören Land-/Forst-/Gartenberufe (Frauenanteil: 34 Prozent) sowie naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe (Frauenanteil: 32 Prozent) in Ostdeutschland zu den geschlechtsunspezifischen Berufssegmenten – während ihr Frauenanteil in Westdeutschland jeweils bei weniger als 30 Prozent liegt.

Eine deutliche geschlechtsspezifische horizontale Segregation des deutschen Arbeitsmarktes kann – trotz aller Niveauunterschiede – jedoch sowohl für Westdeutschland als auch für Ostdeutschland bestätigt werden.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Achatz, Juliane / Beblo, Miriam / Wolf, Elke (2010): Berufliche Segregation, S. 89 -140 in: Projektgruppe GiB: Geschlechterungleichheiten im Betrieb. Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft.

Bundesagentur für Arbeit (2016): Qualitätsbericht. Statistik der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung. Version 7.6.

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (2016): Berufe im Spiegel der Statistik – Erläuterungen. http://bisds.iab.de/erlaeuterung.aspx.

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (2016): Berufe im Spiegel der Statistik. http://bisds.iab.de/Default.aspx.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2015): Methodenbericht. Berufssektoren und Berufssegmente auf Grundlage der KldB 2010, Nürnberg.

Datentabellen zu den Grafiken

 

 


 

 


 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Analysen basieren auf Daten, die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Rahmen des Datenportals „Berufe im Spiegel der Statistik“ veröffentlicht wurden. 1 Grundlage der hier verwendeten Daten ist die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

Die Schwerpunkte der Beschäftigungsstatistik sind die Berichterstattung über die sozialversicherungspflichtig und über die geringfügig Beschäftigten. Grundlage der Beschäftigungsstatistik bildet das „Gemeinsame Meldeverfahren zur gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung“ das mit Wirkung zum 1.1.1973 im früheren Bundesgebiet und mit der Wiedervereinigung auch in den neuen Bundesländern eingeführt wurde.

Zum 01.01.1999 wurde das Meldeverfahren gesetzlich neu geregelt. Seitdem müssen Arbeitgeber/ innen – gemäß der Datenerfassungs- und Übermittlungsordnung (DEÜV) – an die Träger der Sozialversicherung Meldungen erstatten, für alle Arbeitnehmer/ innen, die kranken- oder rentenversicherungspflichtig sind, oder der Versicherungspflicht nach dem SGBIII unterliegen. Infolge einer gesetzlichen Neuregelung zum 01.04.1999 sind Arbeitgeber/ innen verpflichtet, auch für Personen, die ausschließlich sogenannte geringfügig entlohnte Tätigkeiten ausüben, pauschalierte Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zu entrichten. Als Folge dieser Neuregelung sind geringfügig entlohnte Beschäftigte in der Beschäftigungsstatistik ab dem zweiten Quartal 1999 enthalten (Angaben zum 30. Juni). Das Meldeverfahren verlangt von den Arbeitgeber/innen Angaben zu ihren Arbeitnehmer/ innen (Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Ausbildung, ausgeübte Tätigkeit, Stellung im Betrieb, Wohnort) sowie zum Betrieb.

Die Daten für die Beschäftigungsstatistik stellen keine Primärerhebung dar, sondern werden aus dem Verwaltungsprozess zur Sozialversicherung gewonnen. Die Qualität dieser Sekundärdaten für statistische Zwecke wird als sehr gut eingeschätzt. Als wichtigste Gründe dafür werden genannt:

  • Die Beschäftigungsstatistik ist eine Totalerhebung aller sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten in Deutschland.
  • Die Auskunftspflicht der Arbeitgeber/innen über ihre sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigten garantiert weitgehend vollständige und aussagefähige Angaben.
  • Die Erhebung der Daten erfolgt als mehrstufiges Verwaltungsverfahren, bei dem die Arbeitgeber/ innen ihre Daten zunächst an die Krankenkassen melden. Von diesen werden sie an die Rentenversicherungsträger und schließlich an die Bundesagentur für Arbeit weitergegeben. Die gemeldeten Angaben bieten gute Kontrollmöglichkeiten und werden durch die Krankenkassen und die Rentenversicherung mehrfach auf inhaltliche Richtigkeit überprüft.

In der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit werden Erwerbstätigkeit und Beschäftigung nach dem Inlandskonzept (auch Arbeitsortkonzept genannt) erhoben. Danach gehören Einpendler/innen, die in Deutschland arbeiten, ihren Wohnsitz aber im Ausland haben, zu den Erwerbstätigen bzw. Beschäftigten in Deutschland, während Auspendler/innen nicht mitgezählt werden. 2

"Im Mittelpunkt von „Berufe im Spiegel der Statistik“ stehen die Erwerbsberufe im Sinne ausgeübter beruflicher Tätigkeiten, unabhängig von der absolvierten Ausbildung. D.h. jemand kann eine Tätigkeit ausüben oder anstreben, obwohl er die „dazugehörige Regelausbildung“ nicht durchlaufen hat und sich stattdessen die dafür erforderlichen Kenntnisse auf anderem Wege angeeignet hat." 3

 


(1) Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (2016): Berufe im Spiegel der Statistik. http://bisds.iab.de/Default.aspx

(2) Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2016): Qualitätsbericht. Statistik der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung. Version 7.6.

(3) Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (2016): Berufe im Spiegel der Statistik – Erläuterungen. http://bisds.iab.de/erlaeuterung.aspx

Horizontale Segregation
Unter Segregation versteht man im Allgemeinen eine Ungleichverteilung sozialer Gruppen, die im Extremfall eine vollständige Trennung dieser Gruppen darstellt. Mit horizontaler Segregation des Arbeitsmarktes bezeichnet man eine ungleiche Verteilung sozialer Gruppen auf verschiedene Berufe (bzw. Berufssegmente) und Branchen des Arbeitsmarktes. Ergeben sich bei dem Vergleich der Verteilung von Frauen und Männern auf Berufe oder Branchen Unterschiede, spricht man von horizontaler geschlechtsspezifischer Segregation.

Frauen- und männerdominierte Berufe (bzw. Berufssegmente)
Eine gängige Methode zur Kategorisierung von frauen- und männerdominierten Berufen ist die Aufteilung der Berufe (hier: Berufssegmente) in frauendominierte, männerdominierte und geschlechtsunspezifische Berufe. Die Einteilung erfolgt hier anhand des Frauenanteils in den Berufen bzw. Berufssegmenten 1. Als frauendominierte Berufe werden Berufe definiert, deren Frauenanteil bei über 70 Prozent liegt. Als männerdominierte Berufe gelten demgegenüber alle Berufe, die einen Frauenanteil aufweisen, der unter 30 Prozent liegt. Zur dritten Kategorie, den geschlechtsunspezifischen Berufen, zählen schließlich alle Berufe mit einem Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aber höchstens 70 Prozent.

Berufssegmente
Die dargestellten 14 Berufssegmente basieren auf Angaben der „Klassifikation der Berufe 2010“, und stellen eine Weiterentwicklung der Kategorien für Analysezwecke dar.

Die erste Gliederungsebene der KldB 2010 – die 10 Berufsbereiche – reichen nicht aus, um die berufsfachliche Differenzierung des Arbeitsmarktes in Deutschland abzubilden und sollten daher in der statistischen Berichterstattung und wissenschaftlichen Analysen nicht verwendet werden. Demgegenüber sind die 37 Berufshauptgruppen (2-Steller) der KldB 2010 für statistische Analysen meist zu feingliedrig. 2

Vor diesem Hintergrund hat die Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe ´Berufliche Arbeitsmärkte´ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Zwischenebene auf Basis der Berufshauptgruppen der KldB 2010 entwickelt. Die 14 Berufssegmente wurden so gebildet, dass die berufsfachliche Nähe zwischen den Tätigkeiten der einzelnen Berufssegmente so groß wie möglich ist, und die Berufssegmente zugleich gut voneinander abgegrenzt sind. 3 Die so gebildeten Berufssegmente ermöglichen qualitativ hochwertige und aussagekräftige Analysen.

 


(1) Vgl. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (2016): Berufe im Spiegel der Statistik – Erläuterungen. http://bisds.iab.de/erlaeuterung.aspx

(2) Vgl. Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2015): Methodenbericht. Berufssektoren und Berufssegmente auf Grundlage der KldB 2010, Nürnberg, S. 5.

(3) Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (2016): Berufe im Spiegel der Statistik – Erläuterungen. In (URL): http://bisds.iab.de/erlaeuterung.aspx

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