Entgeltungleichheit

Verdienstabstand nach Erwerbsumfang und beruflicher Position 2017

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In Deutschland steigt der geschlechtsbezogene Verdienstabstand im Jahr 2017 nicht nur mit der beruflichen Position(1), sondern auch mit dem Umfang der Erwerbstätigkeit deutlich an: Unter Vollzeitbeschäftigten fällt der geschlechtsbezogene Verdienstabstand stets höher aus als unter Teilzeitbeschäftigten – und zwar auf allen beruflichen Positionsebenen.


Bei den Vollzeitbeschäftigten erzielen Frauen auf allen beruflichen Positionen geringere durchschnittliche Brutto-Stundenverdienste als Männer. Bei Teilzeitbeschäftigten trifft dies ebenfalls auf die meisten beruflichen Positionen zu, wenn auch in deutlich geringerem Maße.(2) Für beide Geschlechter gilt, dass die durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienste mit der beruflichen Position ansteigen – für Vollzeitbeschäftigte jedoch stärker als für Teilzeitbeschäftigte.

Der geschlechtsbezogene Verdienstabstand wächst zudem mit der beruflichen Position – und dem Erwerbsumfang – deutlich an. Der höchste geschlechtsbezogene Verdienstabstand findet sich unter den in Vollzeit tätigen Arbeitnehmer/innen in leitender Position. Überhaupt fällt der geschlechtsbezogene Abstand des Stundenverdienstes bei Vollzeitkräften in allen Leistungsgruppen fast doppelt so hoch aus wie bei Teilzeitbeschäftigten. Dies führt zu einem paradoxen Befund: Je besser die Frauen in den Arbeitsmarkt integriert sind – gemessen an Erwerbsumfang und beruflichen Position – desto größer fällt der Verdienstabstand gegenüber vergleichbaren Männern aus.(3)

Auffallenderweise unterscheiden sich die Verdienste zwischen teilzeit- und vollzeitbeschäftigten Frauen derselben Leistungsgruppe deutlich weniger als zwischen teilzeit- oder vollzeitbeschäftigten Männern.(4) Der vollzeitbedingte Vorsprung bei den Brutto-Stundenverdiensten fällt damit für Frauen deutlich geringer aus als für Männer.(5) (Umgekehrt könnte man auch sagen, dass der finanzielle Nachteil durch Teilzeit bei Männern deutlich größer ist als bei Frauen.)

Die geschlechtsbezogenen Verdienstunterschiede in den einzelnen Leistungsgruppen fallen allesamt geringer aus als der allgemeine Gender Pay Gap in Deutschland, der für das Jahr 2017 bei 21,0 Prozent lag.(6)

Dies ist vor allem auf zwei Ursachen zurückzuführen:

  • Frauen und Männer verteilen sich unterschiedlich auf die verschiedenen beruflichen Positionen (Leistungsgruppen). So haben Frauen etwa wesentlich seltener als Männer eine Führungsposition inne.(7)
  • Und Frauen arbeiten deutlich häufiger Teilzeit als Männer: Im Jahr 2015 war fast jede zweite Frau unter den abhängig Beschäftigten teilzeitbeschäftigt (46 Prozent), aber nur etwa jeder zehnte Mann (11 Prozent).(8).
Der regionale Vergleich belegt, dass die für Gesamtdeutschland aufgezeigten Ergebnisse (zumindest tendenziell) für beide Teile Deutschlands zutreffen.Allerdings sind auch einige Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland festzustellen:

  • Der geschlechtsbezogene Verdienstabstand fällt in Ostdeutschland fast durchgängig niedriger aus als in Westdeutschland.
  • Ein Spezifikum für Ostdeutschland sind die geringen geschlechtsspezifischen Verdienstabstände bei Fachkräften und herausgehobenen Fachkräften: Bei den teilzeitbeschäftigten Fachkräften liegen die Durchschnittslöhne der Männer sogar um mehr als 2 Prozent unter denen ihrer Kolleginnen.

 Eine Erklärung für den wesentlich geringeren geschlechtsbezogene Verdienstabstand in Ostdeutschland sind die niedrigen Verdienste der ostdeutschen Männer im Vergleich zu ihren westdeutschen Kollegen. Das West-Ost-Gefälle bei den (durchschnittlichen) Stundenlöhnen ist unter Männern stärker ausgeprägt als unter Frauen.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

BMFSFJ (2009): Der Verdienstunterschied von Frauen und Männern im öffentlichen Bereich und in der Privatwirtschaft, https://www.bmfsfj.de/blob/81814/f9355f231eeb2f43da6dd5a7d1471e30/verdienstunterschiede-oeffentlicher-dienst-data.pdf, letzter Zugriff: 22.05.2018.

Finke, Claudia (2010): Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen 2006, Wiesbaden, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VerdiensteArbeitskosten/Verdienstunterschiede/VerdienstunterschiedeMannFrau5621001069004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 22.05.2018.

Finke, Claudia / Dumpert, Florian / Beck, Martin (2017): Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen. Eine Ursachenanalyse auf der Grundlage der Verdienststrukturerhebung 2014, in: Wirtschaft und Statistik, 2/2017, Seiten 43-62, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/2017/02/Verdienstunterschiede_022017.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 22.05.2018.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018): Gender Pay Gap 2006-2017. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017a): Vertikale Segregation des Arbeitsmarktes 2016. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017b): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991-2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Klenner, Christina / Kohaut, Susanne / Höyng, Stephan (2010): Vollzeit, Teilzeit, Minijobs, in: Projektgruppe GiB: Geschlechterungleichheiten im Betrieb. Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft, Berlin, Seiten 191- 270.

Statistisches Bundesamt (2017): Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitnehmerverdienste 2016, Fachserie 16 Reihe 2.3, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VerdiensteArbeitskosten/Arbeitnehmerverdienste/ArbeitnehmerverdiensteJ2160230167004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 22.05.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Vierteljährliche Verdiensterhebung, Qualitätsbericht, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Qualitaetsberichte/VerdiensteArbeitskosten/VierteljaehrlicheVerdiensterhebung.pdf?__blob=publicationFile,
letzter Zugriff: 22.05.2018.

Statistisches Bundesamt (2012): Frauen verdienten 2010 in Führungspositionen 30 % weniger als Männer. Pressemitteilung vom 4. Oktober 2012 – 345/12.

Wolf, Elke (2010): Lohndifferenziale zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten in Ost- und Westdeutschland, WSI-Diskussionspapier, Nr. 174; Düsseldorf. https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_disp_174.pdf, letzter Zugriff: 22.05.2018.

Ziegler, Astrid / Gartner, Hermann / Tondorf, Karin (2010): Entgeltdifferenzen und Vergütungspraxis, in: Projektgruppe GiB: Geschlechterungleichheiten im Betrieb. Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft, Berlin, Seiten 271-346.

 


(1) Vgl. dazu auch Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Verdienstabstand nach beruflicher Position 2017. Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangte auch das Statistische Bundesamt bei einem Vergleich von Frauen und Männern nach Berufsgruppen: Statistisches Bundesamt (2012): Frauen verdienten 2010 in Führungspositionen 30 % weniger als Männer. Pressemitteilung vom 4. Oktober 2012 – 345/12.

(2) Einige Ausnahmen sind hierbei unter den Teilzeitbeschäftigten zu finden: In Westdeutschland erzielen teilzeitbeschäftigte Frauen, die als Un- oder Angelernte arbeiten, im Durchschnitt höhere Brutto-Stundenverdienste als Männer. Und in Ostdeutschland verdienen Frauen als teilzeitbeschäftigte Fachkräfte im Durchschnitt mehr als ihre männlichen Kollegen.

(3) Vgl. dazu auch: Klenner, Christina / Kohaut, Susanne / Höyng, Stephan (2010): Vollzeit, Teilzeit, Minijobs, in: Projektgruppe GiB: Geschlechterungleichheiten im Betrieb. Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft, Berlin, Seite 191-270, hier Seite 232 ff. Sowie: Wolf, Elke (2010): Lohndifferenziale zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten in Ost- und Westdeutschland, WSI-Diskussionspapier, Nr. 174; Düsseldorf.

(4) Unter den Frauen weichen die Verdienste in den einzelnen Leistungsgruppen nur um 0,18 Euro bis 1,85 Euro voneinander ab. Demgegenüber bewegen sich Verdienstunterschiede unter den Männern – je nach Leistungsgruppe – zwischen 1,58 Euro und 6,53 Euro.

(5) Diese Abstände würden noch größer ausfallen, wenn der Vergleich auch die geringfügig Beschäftigten umfassen würde. In dem den Analysen zugrundeliegenden Datensatz, der Vierteljährlichen Verdiensterhebung (siehe dazu: Methodische Anmerkungen), wird für geringfügig Beschäftigte nicht die Anzahl der Arbeitsstunden erhoben, sodass auch keine Angaben zu deren Brutto-Stundenverdiensten vorliegen.

(6) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018): Gender Pay Gap 2006-2017.

(7) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017a): Vertikale Segregation des Arbeitsmarktes 2016.

(8) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017b): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991-2015.


Datentabelle zu den Grafiken

 


Methodische Anmerkungen

Datenbasis der vorliegenden Ergebnisse ist die Vierteljährliche Verdiensterhebung (VVE), die vom Statistischen Bundesamt erhoben wird. Die VVE ist ine repräsentative, einstufig geschichtete Stichprobenerhebung mit Auskunftspflicht, bei der etwa 40.500 Betriebe aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen im vierteljährlichen Turnus seit 2007 befragt werden. Aus den vier Quartalsergebnissen eines Jahres werden dann Jahresdurchschnitte als gewichtetes arithmetisches Mittel berechnet.(1)

Die Datenqualität der VVE ist insgesamt als hochpräzise einzustufen, denn von den Betrieben werden Daten erhoben, die aus den Angaben des betrieblichen Rechnungswesens ableitbar sind. Zudem werden die Daten von den Statistischen Landesämtern (die auch mit der Erhebung der Daten betraut sind) im Rahmen der Aufbereitung einer umfassenden Plausibilitätsprüfung unterzogen.(2)

In den ausgewählten Betrieben werden Angaben zur Anzahl der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer/innen, den bezahlten Arbeitsstunden der Arbeitnehmer/innen (diese allerdings nicht von den geringfügig Beschäftigten) und den Brutto-Verdiensten – als durchschnittliche Bruttojahres-, Bruttomonats- und Bruttostundenverdienste – erhoben.(3)

Befragt werden in der Regel Betriebe mit zehn und mehr Arbeitnehmer/innen. Für einige Wirtschaftsbereiche werden auch Betriebe mit fünf und mehr Arbeitnehmer/innen erfasst. Die Betriebe der Wirtschaftsbereiche „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ und „Private Haushalte“ werden in der VVE nicht berücksichtigt. Die Merkmale für die Wirtschaftszweige „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ und „Erziehung und Unterricht“ werden mit der VVE nicht als Stichprobe erhoben, sondern aus der Personalstandstatistik erfasst. In diesen beiden Wirtschaftszweigen werden auch Beamte und Beamtinnen einbezogen.(4)

Erfasst werden die Angaben für den größten Teil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer/innen (außer den weiter unten genannten ausgeschlossenen Personengruppen) sowie geringfügig Beschäftigte, Saisonarbeiter/innen, Heimarbeiter/innen, und zudem Beamte und Beamtinnen in den Wirtschaftsbereichen „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ und „Erziehung und Unterricht“.(5)

Bei der VVE werden folgende Personengruppen generell nicht einbezogen: Selbstständige und mithelfende Familienangehörige ohne Arbeitsvertrag, Personen, die keinen Verdienst für ihre Leistung erhalten (z. B. ehrenamtlich Tätige und Auszubildende bzw. Praktikant/innen ohne Bezahlung), Arbeitnehmer/innen in Altersteilzeit und Personen im Vorruhestand, Honorarkräfte, Personen in berufsfördernden Maßnahmen zur Rehabilitation, Personen im Bundesfreiwilligendienst oder in einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr sowie Personen in so genannten Ein-Euro-Jobs.(6)

Die Ergebnisse der VVE werden auch für die Bestimmung des Gender Pay Gap (GPG) herangezogen: In Deutschland erfolgt die Berechnung des GPG zwar auf Datenbasis der Verdienststrukturerhebung (VSE). Diese wird aber nur alle 4 Jahre erhoben – zuletzt 2014 und 2010. In den Zwischenjahren wird der GPG mit Hilfe von Indikatoren, die aus den Daten der VVE gewonnen werden, fortgeschrieben bzw. geschätzt.(7)

Für die Interpretation der hier vorliegenden Ergebnisse – insbesondere im Vergleich zum GPG in Deutschland – ist zu beachten: Der auf Basis der VVE berechnete geschlechtsbezogene Verdienstabstand fällt in der Regel geringer aus als der GPG, der mit den Daten der VSE (Verdienststrukturerhebung) berechnet wird. Die Ursache dafür ist, dass sich die Daten der VVE in zwei Punkten systematisch von den Daten der VSE unterscheiden:

  • Bei der VVE wird die Arbeitszeit für die geringfügig Beschäftigten nicht erhoben.(8) Dadurch lassen sich für diese Beschäftigtengruppe keine durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienste berechnen, sodass die geringfügig Beschäftigten bei der Bestimmung der geschlechtsbezogenen Verdienstunterschiede nicht berücksichtigt werden können.
  • Zudem werden die durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienste in der VVE nicht mit einer Personengewichtung durchgeführt (wie bei der Berechnung des Gender Pay Gap), sondern mit einer Stundengewichtung. Die Stundenlöhne von Vollzeitbeschäftigten (die im Durchschnitt auch höher sind als jene von Teilzeit- oder geringfügig Beschäftigten) erhalten bei diesem Vorgehen ein größeres Gewicht, weil der Stundenumfang bei Vollzeitbeschäftigung größer ist als bei Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung.

Die beiden genannten Abweichungen (Nichtberücksichtigung von geringfügig Beschäftigten und Stundengewichtung statt Personengewichtung) führten zu einer Unterschätzung des GPG von 2,1 bzw. 1,3 Prozentpunkten.(9) Der mit dem VVE  berechnete geschlechtsspezifische Verdienstabstand unterschätzt den Wert des Gender Pay Gap daher um mehr als 3 Prozentpunkte. 



(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Vierteljährliche Verdiensterhebung. Qualitätsbericht, Seiten 4-7.

(2) a. a. O., Seite 5.

(3) a. a. O.

(4) a. a. O., Seiten 4 und 8.

(5) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitnehmerverdienste 2016, Fachserie 16 Reihe 2.3., S. 281.

(6) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitnehmerverdienste 2016, Fachserie 16 Reihe 2.3., Seite 281.

(7) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018): Gender Pay Gap 2006-2017.

(8) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Vierteljährliche Verdiensterhebung. Qualitätsbericht, Seite 5.

(9) Vgl. Finke, Claudia / Dumpert, Florian / Beck, Martin (2017): Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen. Eine Ursachenanalyse auf der Grundlage der Verdienststrukturerhebung 2014, in: Wirtschaft und Statistik, 2/2017, Seiten 43-62, hier Seite 52. Vgl. Dazu auch: BMFSFJ (2009): Der Verdienstunterschied von Frauen und Männern im öffentlichen Bereich und in der Privatwirtschaft, Seite 8 ff.

Geschlechtsspezifischer Verdienstabstand:

Mit dem Begriff des Gender Pay Gap (GPG) werden im Allgemeinen nur solche Ergebnissebezeichnet, die gemäß Definition des GPG gewonnen wurden.(1) Entsprechend dieser Konvention werden Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern, die nicht nach der Definition des GPG berechnet wurden, als geschlechtsspezifischer Verdienstabstand bezeichnet. Dies gilt auch für die vorliegenden Ergebnisse, die auf Basis der Daten der Vierteljährlichen Verdiensterhebung (VVE) berechnet wurden. Die Daten der VVE unterscheiden sich in zwei Punkten systematisch von den Daten der Verdienststrukturerhebung (VSE), auf deren Basis der GPG in Deutschland berechnet wird (vgl. MethodischeAnmerkungen). Aufgrund dieser Unterschiede fällt der mit dem VVE berechnete geschlechtsspezifische Verdienstabstand um etwa vier Prozentpunkte niedriger aus als der Gender Pay Gap.(2)

Berufliche Positionen

Die beruflichen Positionen stellen eine grobe Abstufung der Arbeitnehmertätigkeiten nach dem Qualifikations- und Anforderungsprofil des Arbeitsplatzes dar. Die beruflichen Positionen – auch als Leistungsgruppen bezeichnet – werden eigens zu Analysezwecken gebildet und sind vom Statistischen Bundesamt wie folgt definiert:(3)

Arbeitnehmer/innen in leitender Stellung: „Arbeitnehmer mit Aufsichts- und Dispositionsbefugnis. Hierzu zählen z. B. angestellte Geschäftsführer, sofern deren Verdienst zumindest teilweise erfolgsunabhängige Zahlungen enthält. Eingeschlossen sind auch alle Arbeitnehmer, die in größeren Führungsbereichen Dispositions- oder Führungsaufgaben wahrnehmen und Arbeitnehmer mit Tätigkeiten, die umfassende kaufmännische oder technische Fachkenntnisse erfordern. In der Regel werden die Fachkenntnisse durch ein Hochschulstudium erworben.“

Herausgehobene Fachkräfte:„Arbeitnehmer mit sehr schwierigen bis komplexen oder vielgestaltigen Tätigkeiten, für die i. d. R. nicht nur eine abgeschlossene Berufsausbildung, sondern darüber hinaus mehrjährige Berufserfahrung und spezielle Fachkenntnisse erforderlich sind. Die Tätigkeiten werden überwiegend selbstständig ausgeführt. Dazu gehören auch Arbeitnehmer, die in kleinen Verantwortungsbereichen gegenüber anderen Mitarbeiter(n) Dispositions- oder Führungsaufgaben wahrnehmen (z. B. Vorarbeiter, Meister).“

Fachkräfte: „Arbeitnehmer mit schwierigen Fachtätigkeiten, für deren Ausübung in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung, zum Teil verbunden mit Berufserfahrung, erforderlich ist.“

Angelernte Arbeitnehmer/innen: „Arbeitnehmer mit überwiegend einfachen Tätigkeiten, für deren Ausführung keine berufliche Ausbildung, aber insbesondere Kenntnisse und Fertigkeiten für spezielle, branchengebundene Aufgaben erforderlich sind. Die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten werden in der Regel durch eine Anlernzeit von bis zu zwei Jahren erworben.

Ungelernte Arbeitnehmer/innen: „Arbeitnehmer mit einfachen, schematischen Tätigkeiten oder isolierten Arbeitsvorgängen, für deren Ausübung keine berufliche Ausbildung erforderlich ist. Das erforderliche Wissen und die notwendigen Fertigkeiten können durch Anlernen von bis zu drei Monaten vermittelt werden.“

Vollzeitbeschäftigte
Vollzeittätigkeit wird im Glossar der VVE nicht eigens definiert, weil der Zeitumfang einer Vollzeittätigkeit zwischen Unternehmen stark differieren kann.

Teilzeitbeschäftigte
„Arbeitnehmer gelten als teilzeitbeschäftigt, wenn ihre regel-mäßige Wochenarbeitszeitkürzer ist als die vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer.“(4)

 

 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018): Gender Pay Gap 2006-2017.

(2) Vgl. Finke, Claudia / Dumpert, Florian / Beck, Martin (2017): Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen. Eine Ursachenanalyse auf der Grundlage der Verdienststrukturerhebung 2014, in: Wirtschaft und Statistik, 2/2017, Seiten 43-62, hier Seite 52.

(3) Alle hier zitierten Definitionen der beruflichen Positionen – bzw. der so genannten Leistungsgruppen – stammen aus: Statistisches Bundesamt (2018): Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitnehmerverdienste 2017, Fachserie 16 Reihe 2.3, Seite 282.

(4) a. a. O., S. 281.

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