Bildung

Höchster Schulabschluss der 20- bis 29-Jährigen 1991-2015

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Junge Frauen im Alter von 20 bis 29 Jahren haben in den letzten beiden Jahrzehnten die jungen Männer bei den Schulabschlüssen nicht nur eingeholt, sondern deutlich überholt.

Im Jahr 2015 haben 20- bis 29-jährige Frauen häufiger eine Studienzugangsberechtigung und weitaus seltener einen Hauptschulabschluss als Männer:

  • Mehr als die Hälfte aller 20- bis 29-jährigen Frauen hat das Abitur oder die Fachhochschulreife erreicht, jedoch nur 47 Prozent der Männer gleichen Alters.
  • Einen mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss) haben jeweils nur 29 Prozent der jungen Frauen und Männer.
  • Beim Hauptschulabschluss fällt der Unterschied zwischen den Geschlechtern besonders groß aus: Nur 13 Prozent der Frauen, aber 20 Prozent der Männer haben als höchsten Abschluss die Hauptschule beendet.

Der Vergleich der Schulabschlüsse der 20- bis 29-Jährigen zwischen 1991 und 2015 zeigt, wie enorm sich das schulische Bildungsniveau unter jüngeren Erwachsenen verändert hat. Besonders stark nehmen die höheren Schulabschlüsse bei den Frauen zu:
  • Der Anteil der Frauen mit Abitur oder Fachhochschulreife stieg zwischen 1991 und 2015 von 22 auf 54 Prozent an. Bei den Männern beträgt der Anstieg hingegen nur 23 Prozentpunkte.
  • Gleichzeitig ging der Anteil des Hauptschulabschlusses stark zurück: Bei beiden Geschlechtern verringerte er sich um mehr als 10 Prozentpunkte auf nunmehr 20 Prozent (Männer) bzw. sogar nur 13 Prozent (Frauen).
  • Auch der Realschulabschluss verlor im selben Zeitraum bei den Frauen stark an Bedeutung (mit einem Rückgang um mehr als zehn Prozentpunkte), während sich sein Anteil bei den Männern nur wenig veränderte.
  • Stark gesunken ist auch der Anteil an Personen ohne Schulabschluss. Er liegt im Jahr 2015 bei Frauen wie auch bei Männern bei höchstens vier Prozent.

Heute erreichen Frauen häufiger einen mittleren oder höheren Schulabschluss als Männer. Bei den älteren Generationen war dies noch umgekehrt, was sich noch anhand der schulischen Abschlüsse in der Gesamtbevölkerung ablesen lässt. Der stark ansteigende Anteil höherer schulischer Bildungsabschlüsse – eines der Kennzeichen der Bildungsexpansion - geht mit dieser Umkehrung einher.


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath


Literatur


Statistisches Bundesamt (2016): Bildungsstand der Bevölkerung.

Statistisches Bundesamt (2016): Fachserie 1, Reihe 4.1.1, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland.

Datentabelle zur Grafik


Methodische Anmerkungen

Grundlage der Analysen sind die Daten des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Sie wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus stellt u.a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen zur Verfügung. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.(1)

Die Ergebnisse basieren auf den Angaben zu den Schulabschlüssen von Personen im Alter ab 15 Jahren. Personen, die sich zum Zeitpunkt der Befragung noch in der Schulausbildung befanden, wurden dabei nicht berücksichtigt.

Bei der Interpretation der Zeitreihe sind Veränderungen in einzelnen Jahren zu berücksichtigen: In den früheren Erhebungen (1991, 1995 und auch 2000) war die Frage nach dem höchsten Schulabschluss für die Teilnehmer/innen teilweise noch freiwillig, daher kam es in diesen Jahren zu höheren Ausfällen. In den Ergebnistabellen für die Mikrozensen 1991 und 1995 wurde zudem nicht danach unterschieden, ob die Befragten keine Angaben machten oder ob sie keinen Schulabschluss hatten. Im Jahr 2015 erfolgte die Hochrechnung der Ergebnisse anhand aktueller Eckzahlen der laufenden Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Daten vom Zensus 2011.(2)

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Fachserie 1, Reihe 4.1.1, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland.

(2) Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Bildungsstand der Bevölkerung.

Abitur (allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife):
„Das Abitur erlangt man in der Regel als Abschluss eines Gymnasiums, einer Integrierten Gesamtschule, eines Abendgymnasiums oder eines Kollegs. Dieser Abschluss konnte in der ehemaligen DDR auch durch den Besuch der Erweiterten Oberschule erlangt werden. Auch durch den Abschluss eines beruflichen Gymnasiums, einer Berufsfachschule, Berufsoberschule/Technische Oberschule oder einer Fachakademie kann das Abitur (Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife) erworben werden. Darüber hinaus war dieser Abschluss in Nordrhein-Westfalen zusätzlich an Kollegschulen möglich. In der ehemaligen DDR konnte dieser Abschluss an Fachschulen im Anschluss an eine Berufsausbildung sowie in der Berufsausbildung mit Abitur erworben werden.“(1)

Fachhochschulreife:
„Die Fachhochschulreife kann erworben werden durch den Abschluss einer Fachoberschule, an einem beruflichen Gymnasium (Duale Oberschule), an einer Berufsfachschule (Sekundarschule), an einer Berufsoberschule/technische Oberschule, an einer Fachschule oder an einer Fachakademie. Auch wird die Fachhochschulreife erworben mit erfolgreichem Abschluss der 12. Klasse des (neunjährigen) Gymnasiums bzw. erfolgreichem Besuch des ersten Schuljahres der Qualifikationsphase bei G8-Gymnasien. In Nordrhein-Westfalen konnte die Fachhochschulreife auch an Kollegschulen erworben werden.“ (2)

Realschulabschluss:
Diese Kategorie umfasst den Realschulabschluss (Mittlere Reife) oder einen gleichwertigen Abschluss sowie den Abschluss der allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule der ehemaligen DDR. „Der Realschulabschluss (Mittlere Reife) wird erreicht mit einem Abschlusszeugnis der Realschule, der Abendrealschule, eines Realschulzweiges an Gesamtschulen, einer Freien Waldorfschule, einer Förderschule (Sonderschule), Schularten mit mehreren Bildungsgängen (Absolventen nach der 10. Klassenstufe mit Realschulabschluss) sowie mit Versetzungszeugnis in die 11. Klasse des Gymnasiums. In einigen Bundesländern kann der Realschulabschluss auch nach dem 10. Pflichtschuljahr an Hauptschulen erworben werden. Früher konnte der Abschluss auch an ‚Schulen mit integrierten Klassen für Haupt- und Realschüler‘ erworben werden. Die Mittlere Reife der gleichwertige Abschlüsse können auch an Berufsfachschulen oder durch den Abschluss einer Berufsaufbauschule erworben werden, außerdem an Berufsschulen, Fachschulen sowie im Berufsvorbereitungsjahr. Darüber hinaus konnte die Mittlere Reife in Nordrhein-Westfalen an Kollegschulen erworben werden.“(3)

In der ehemaligen DDR wurde „der Schulabschluss der allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule in der DDR nach erfolgreichem Absolvieren der 10. Klasse erreicht. Zum Ende der 10. Klasse erfolgte der Schulabschluss mit Abschlussprüfung, der zur Aufnahme einer Lehre und zum Fachschulstudium berechtigte. Schüler/innen, die das Abitur ablegen wollten, wechselten in der Regel nach der 8. oder auch nach der 10. Klasse an die erweiterte Oberschule.“(4)

Hauptschulabschluss:
„Dieser Abschluss kann nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht von derzeit 9 bis 10 Schuljahren an Haupt- (Volks-)schulen, Förderschulen, Freien Waldorfschulen, Realschulen, Schulen mit integrierten Klassen für Haupt- und Realschüler, Schularten mit mehreren Bildungsgängen (Absolventen der 9. oder der 10. Klassenstufe mit Hauptschulabschluss), Gesamtschulen und Gymnasien sowie nachträglich auch an beruflichen Schulen sowie an Abendhauptschulen erworben werden. Früher konnte der Abschluss auch an ‚Schulen mit integrierten Klassen für Haupt- und Realschüler‘ erworben werden.“(5)

Kein Schulabschluss:
Diese Kategorie umfasst Personen, die keinen schulischen Abschluss erworben haben sowie Personen mit Abschluss nach höchstens sieben Jahren Schulbesuch.

 


(1) Statistisches Bundesamt (2016): Bildungsstand der Bevölkerung, S.150.

(2) a. a. O., S. 151.

(3) a. a. O., S.153.

(4) a. a. O., S.150.

(5) a. a. O., S.152.

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