Bildung

Frauen- und Männeranteil an dualer Ausbildung nach Berufsbereich 2016

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Frauen absolvieren in Deutschland auch im Jahr 2016 deutlich seltener als Männer ihre Berufsausbildung im Rahmen des dualen Ausbildungssystems. Nur 4 von 10 Auszubildenden im dualen System sind weiblich.(1) Auch innerhalb der dualen Ausbildungsform
verteilen sich Frauen und Männer höchst ungleich auf die verschiedenen Berufsbereiche:

  • Gemessen an ihrem Anteil an allen Auszubildenden im dualen System sind Frauen in handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen besonders stark unterrepräsentiert, denn hier stellen sie jeweils weniger als ein Viertel der Auszubildenden.
  • In Industrie und Handel sind Frauen entsprechend ihres Gesamtanteils an allen betrieblichen Auszubildenden vertreten.
  • Stark überrepräsentiert sind weibliche Auszubildende hingegen im Öffentlichen Dienst, denn hier sind zwei Drittel der Auszubildenden des dualen Systems weiblich.
  • In der Hauswirtschaft und den Freien Berufen (z. B. Steuerfachangestellte oder medizinische Fachangestellte) dominieren weibliche Auszubildende das duale Ausbildungssystem deutlich, mit jeweils mehr als 90 Prozent.

Betrachtet man beide Geschlechtergruppen getrennt, jeweils einzeln nach den Berufsbereichen in welchen sie ihre duale Ausbildung absolvieren, so werden ausgeprägte geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Berufswahl deutlich:

  • Mehr als ein Drittel der Männer (35 Prozent) absolviert eine duale Ausbildung in einem handwerklichen Beruf und fast 60 Prozent erlernen einen Beruf im Bereich Industrie und Handel. Damit fragen Männer im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung vorrangig Berufe aus diesen beiden Bereichen nach.
  • Auch die Mehrheit der Frauen absolviert eine betriebliche Ausbildung im Bereich Industrie und Handel (57 Prozent). Allerdings erlernen Frauen nur halb so häufig wie Männer einen handwerklichen Beruf (15 Prozent). Sie fragen allerdings häufiger als Männer eine Ausbildung im Öffentlichen Dienst nach (5 Prozent gegenüber 2 Prozent). Auch eine duale Ausbildung im Bereich der Freien Berufe wird von jeder fünften Frau (21 Prozent) aber nur jedem hundertsten Mann absolviert.

Die geschlechtsspezifischen Schwerpunkte innerhalb der dualen Ausbildung sind in West- und Ostdeutschland sehr ähnlich ausgeprägt, hier zeigen sich nur wenig regionale Differenzen. Allerdings absolvieren Frauen in Westdeutschland häufiger eine Ausbildung in den Freien Berufen, während Frauen in Ostdeutschland etwas häufiger eine Ausbildung im Öffentlichen Dienst absolvieren. Die Männer in Ostdeutschland erlernen etwas seltener einen handwerklichen Beruf als die Männer in Westdeutschland, aber sie absolvieren dafür häufiger eine Ausbildung im Bereich der Industrieund des Handelsberufe.

Dass sich Frauen und Männer, die sich für eine duale Ausbildung entscheiden, so ungleich auf die Berufsbereiche verteilen, begründet sich durch stark geschlechtsspezifische Prozesse bei der Berufswahl. Diese werden auch beeinflusst durch Geschlechterstereotype und traditionelle Denkmuster, aber auch durch die jeweiligen Arbeitsbedingungen in den Berufen (z.B. der dort üblichen Arbeitszeitdauer oder den dortigen Verdienstmöglichkeiten).(2) Dies wird besonders deutlich, wenn man die 25 häufigsten Ausbildungsberufe von Frauen und Männern gegenüberstellt.(3)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2016): Bildung in Deutschland 2016. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration, Bielefeld, https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2016/pdf-bildungsbericht-2016/bildungsbericht-2016, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Bothfeld, Silke / Klammer, Ute / Klenner, Christina, / Leiber, Simone / Thiel, Anke / Ziegler (2005): WSI-FrauenDatenReport 2005. Handbuch zur wirtschaftlichen und sozialen Situation von Frauen, Berlin.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Berufsbildungsbericht 2017, Bonn, https://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2017.pdf, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S.3, https://www.boeckler.de/Impuls_2015_20_gesamtausgabe.pdf, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017a): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017b): Die 25 häufigsten Ausbildungsberufe von Frauen und Männern 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Statistisches Bundesamt (2017): Bildung und Kultur. Berufliche Bildung 2016,Fachserie 11 Reihe 3, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/BeruflicheBildung/BeruflicheBildung2110300167004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 20.11.2017

 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017a): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015. In: WSI GenderDatenPortal

(2) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S.3.

(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017b): Die 25 häufigsten Ausbildungsberufe von Frauen und Männern 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Tabellen zu den Grafiken

 

 


 

 


 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Analysen basieren auf Daten der jährlich erhobenen Berufsbildungsstatistik, deren Ergebnisse u. a. in der Fachserie 11, Reihe 3 „Bildung und Kultur. Berufliche Bildung“ vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht werden.

Die Grundgesamtheit der hier vorliegenden Analysen, die Auszubildenden, wird erfasst über „die Kammern bzw. zuständigen Stellen, bei denen Auszubildende registriert sind. Dargestellt werden Jugendliche mit Ausbildungsvertrag, die sich zum Stichtag der Erhebung in einer Ausbildung im dualen System (Betrieb, Berufsschule) befinden (…).“ Der Stichtag ist der 31. Dezember des jeweiligen Kalenderjahres.(2)

 


(1) Statistisches Bundesamt (2017): Bildung und Kultur. Berufliche Bildung 2016, Fachserie 11 Reihe 3, S. 6.

Auszubildende
„Auszubildende sind Personen, die aufgrund eines Ausbildungsvertrages nach dem Berufsbildungsgesetz eine betriebliche Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf durchlaufen. Ihre Ausbildung erfolgt durch das unmittelbare Lernen am Arbeitsplatz oder in den betrieblichen bzw. überbetrieblichen Ausbildungswerkstätten in Verbindung mit dem gleichzeitigen Besuch einer Berufsschule mit Teilzeitunterricht (Duales Ausbildungssystem). In der Zahl der Auszubildenden sind auch diejenigen Auszubildenden enthalten, die aufgrund von Sonderprogrammen des Bundes, der Länder sowie Maßnahmen der Arbeitsverwaltung bei außerbetrieblichen Stellen, z. B. Ausbildungsstätten freier Träger, ausgebildet werden. Praktikanten/Praktikantinnen, Volontäre/Volontärinnen, Umschüler/innen und Rehabilitanden, die keine Ausbildung für Jugendliche mit Behinderungen durchlaufen, sind keine Auszubildenden. Nicht zu den Auszubildenden zählen außerdem:

  • Personen, deren berufliche Ausbildung ausschließlich an beruflichen Schulen erfolgt (z. B. Schüler/innen an Berufsfachschulen oder Schulen des Gesundheitswesens);
  • Personen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis ausgebildet werden (z. B. Beamte/Beamtinnen im Vorbereitungsdienst);
  • Personen, die eine Berufsausbildung auf Handelsschiffen absolvieren, soweit es sich nicht um Schiffe der kleinen Hochseefischerei oder der Küstenfischerei handelt;
  • Personen, die an einer Berufsvorbereitung oder an einem Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) teilnehmen.

Auszubildende, die ihre Abschlussprüfung nicht bestanden haben und deren Berufsausbildungsverhältnis bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung verlängert wurde, werden miterfasst.(1)

Ausbildungsbereiche
„In der Berufsbildungsstatistik werden folgende Ausbildungsbereiche unterschieden:

  •  Industrie und Handel (einschließlich Banken, Versicherungen, Gast- und Verkehrsgewerbe),
  • Handwerk,
  • Landwirtschaft,
  • Öffentlicher Dienst,
  • Freie Berufe,
  • Hauswirtschaft.

Diese Gliederung deckt sich nicht mit der Wirtschaftsgliederung nach der Systematik der Wirtschaftszweige, da sich nach dem Berufsbildungsgesetz die Zuständigkeit für die Berufsausbildung vielfach nach der Art des Ausbildungsberufs und nicht nach der Zugehörigkeit des Ausbildungsbetriebs zu einem bestimmten Wirtschaftsbereich richtet.

Dies führt insbesondere im öffentlichen Dienst zu einer Untererfassung der Auszubildenden; alle Jugendlichen, die im öffentlichen Dienst für Berufe der gewerblichen Wirtschaft ausgebildet werden, sind in der Berufsbildungsstatistik den Bereichen ‚Industrie und Handel‘ oder ‚Handwerk‘ zugeordnet, weil sie in den Verzeichnissen der Ausbildungsverhältnisse der Industrie- und Handelskammern oder der Handwerkskammern geführt werden. (…)

Ebenfalls unvollständig dargestellt wird die Zahl der Auszubildenden des Ausbildungsbereichs ‚Freie Berufe‘, weil einige der dort angebotenen Ausbildungsberufe in den Zuständigkeitsbereich der Industrie- und Handelskammern fallen (z.B. Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement, Technische(r) Produktdesigner/in, Technische(r) Systemplaner/in, Bauzeichner/in).“(2)

Freie Berufe
Der Ausbildungsbereich Freie Berufe umfasst die Berufsausbildung von:

  • „Rechtsanwalts-, Patentanwalts- und Notarfachangestellten (...)
  • Steuerfachangestellten (...)
  • Medizinischen Fachangestellten, Zahnmedizinischen Fachangestellten, Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten und Tiermedizinischen Fachangestellten (...)“(3)

 


(1) Statistisches Bundesamt (2017): Bildung und Kultur. Berufliche Bildung 2016, Fachserie 11 Reihe 3, S.17.

(2) a. a. O., S.16.

(3) a. a. O., S.16.

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