Bildung

Frauen und Männer in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen 2017

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Frauen und Männer nehmen im Jahr 2017 Ausbildungen in unterschiedlichen Berufen auf. Junge Frauen absolvieren in Deutschland nicht nur seltener eine berufliche Ausbildung im dualen System 1, sondern konzentrieren sich dabei noch stärker als Männer auf eine begrenzte Anzahl an Ausbildungsberufen. In den 25 häufigsten Ausbildungsberufen beginnen mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Frauen, aber nur 57 Prozent der Männer, eine Ausbildung. 2

Der Vergleich der 25 häufigsten Ausbildungsberufe in Deutschland belegt eindrücklich, dass die meisten dieser Berufe (18 von 25) entweder überwiegend von Frauen oder überwiegend von Männern ergriffen werden:

  • 12 Berufe sind (stark) von Männern dominiert, mit einem Frauenanteil unter 30 Prozent (in den ausgewählten Berufen variiert der Frauenanteil zwischen nur 1 Prozent und 22 Prozent). Bei diesen Berufen handelt es sich überwiegend um technische oder mechanische Berufe in Industrie und Handwerk. Besonders häufig bleiben Männer dabei in den Berufen unter sich, in denen zugleich auch jeweils besonders viele Männer eine Ausbildung beginnen (d. h. Berufe mit über 10.000 männlichen Azubis): Unter den Kraftfahrzeugmechatroniker/innen, Elektroniker/ innen, Fachinformatiker/innen, Industrie- und Anlagenmechaniker/innen liegt der Frauenanteil gerade einmal zwischen einem und sieben Prozent.
  • Nur 6 Berufe sind (stark) von Frauen dominiert, mit einem Frauenanteil von 71 Prozent bis 98 Prozent. Bei diesen Berufen handelt es sich um kaufmännische oder Verwaltungsberufe, sowie die beiden Handwerksberufe Friseur/in und Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk. Fast ausschließlich von Frauen werden Berufsausbildungen im medizinischen Bereich ergriffen: 98 Prozent der Auszubildenden im Bereich der medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellten sind Frauen.
  • Und lediglich 7 Berufe unter den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in Deutschland können als geschlechtsunspezifisch gelten, mit einem mittleren Frauenanteil zwischen 30 Prozent und 70 Prozent. Zu den Berufen, die nicht geschlechtsbezogen sind, zählen vor allem kaufmännische Berufe, in denen Frauen dann meist eine leichte Mehrheit unter den Auszubildenden stellen (zwischen 52 Prozent und 69 Prozent). Zu diesen Berufen zählen z. B. Verkäufer/innen und Kaufleute im Einzelhandel, Industriekaufleute und Steuerfachangestellte. Nur bei den Kaufleuten im Groß und Außenhandel sind die männlichen Auszubildenden leicht in der Überzahl, hier beträgt der Frauenanteil 39 Prozent. Hinzu kommen aus dem Bereich der Handwerksberufe die Hotelfachleute, als ebenfalls geschlechtsunspezifischen Ausbildungsberuf. Auch hier stellen Frauen mit 62 Prozent eine leichte Mehrheit der Auszubildenden.

Insgesamt ist damit auch für die jüngere Generation der Ausbildungsanfänger/innen eine starke geschlechtsbezogene Segregation entlang von beruflichen Tätigkeitsbereichen festzustellen: Frauen erlernen häufiger als Männer einen Beruf im Dienstleistungsbereich und seltener im Handwerk, außerdem konzentrieren sie sich bei ihrer Berufswahl auch stärker auf wenige Berufe. Letztlich ergeben sich daraus geringere Einmündungschancen für Frauen in eine betriebliche Ausbildung. 3 Weitere Ursachen für die in Deutschland immer noch stark geschlechterspezifisch geprägte Berufswahl sind Geschlechterstereotype, traditionelle Denkmuster und die jeweiligen Arbeitsbedingungen in den Berufen (z.B. die dort übliche Arbeitszeitdauer oder die jeweiligen Verdienstmöglichkeiten). 4

Das vorliegende Ergebnis reiht sich ein in den Forschungsstand über die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Berufswahl in Deutschland. Vorliegende Längsschnittstudien lassen zudem befürchten, dass schnelle Veränderungen nicht zu erwarten sind, denn die horizontale Segregation des deutschen Arbeitsmarktes entlang von Berufsfeldern ist durch ein auffallend starkes Beharrungsvermögen gekennzeichnet. 5

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Julia Spitznagel

 

 

Literatur

Bothfeld, Silke / Klammer, Ute / Klenner, Christina, / Leiber, Simone / Thiel, Anke / Ziegler, Astrid (2005): WSI-FrauenDatenReport 2005. Handbuch zur wirtschaftlichen und sozialen Situation von Frauen, Berlin.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2018): Berufsbildungsbericht 2018, Bonn, https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Berufsbildungsbericht_2018.pdf, letzter Zugriff: 11.06.2019.

Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt. In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S. 3, https://www.boeckler.de/Impuls_2015_20_gesamtausgabe.pdf, letzter Zugriff: 11.06.2019.

Hausmann, Ann-Kathrin und Kleinert, Corinna (2014): Berufliche Segregation auf dem Arbeitsmarkt: Männer- und Frauendomänen kaum verändert. IAB-Kurzbericht 9/2014.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Statistisches Bundesamt (2018): Bildung und Kultur. Berufliche Bildung 2017, Fachserie 11 Reihe 3, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Berufliche-Bildung/Publikationen/Downloads-Berufliche-Bildung/berufliche-bildung-2110300177004.pdf?__blob=publicationFile&v=4, letzter Zugriff: 11.06.2019.

 

 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Das deutlich kleinere Ausbildungsspektrum der Frauen im Bereich des dualen Systems wird noch deutlicher, wenn man vergleicht, welcher Anteil der weiblichen bzw. männlichen Auszubildenden auf die 10 am häufigsten von Frauen bzw. Männern erlernten Berufe entfällt: Im Jahr 2016 konzentrieren sich 54 Prozent der weiblichen Auszubildenden des dualen Systems auf die 10 häufigsten Ausbildungsberufe für Frauen – im Vergleich zu ‚nur’ 38 Prozent der männlichen Auszubildenden auf die 10 häufigsten Ausbildungsberufe für Männer (vgl. Statistisches Bundesamt und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung 2018, S.111). An dieser Verteilung hat sich im Zeitverlauf nur wenig geändert, wie der Vergleich mit empirischen Befunden aus den letzten beiden Jahrzehnten belegt (vgl. Bothfeld et al. 2005, S. 80).

(3) „Innerhalb der dualen Berufsausbildung ist das unterschiedliche Berufswahlspektrum von jungen Frauen und Männern eine wesentliche Ursache für die geringere Wahrscheinlichkeit von jungen Frauen, in eine betriebliche Ausbildung einzumünden. (…) Während die Berufswünsche junger Frauen im dualen System vor allem auf Dienstleistungs- und kaufmännische Berufe zielen, streben junge Männer häufig eine Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen an“ (BMBF 2018: Berufsbildungsbericht 2018, S. 43). Dies bedeutet: Junge Männer erfahren in den gewerblich-technischen Berufen kaum Konkurrenz durch junge Frauen. In den Dienstleistungs- und kaufmännischen Berufen konkurrieren junge Frauen jedoch mit jungen Männern um die Ausbildungsplätze.

(4) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt. In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S. 3.

(5) Hausmann und Kleinert (2014) belegen in ihrer Längsschnittstudie, dass sich das starke Ausmaß der geschlechtsbezogenen horizontalen Segregation unter abhängig Beschäftigten in Westdeutschland zwischen 1976 und 2010 kaum verringert hat (vgl. Hausmann / Kleinert 2014, S. 8).

Datentabelle zur Grafik

 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die Ergebnisse basieren auf dem „Datensystem Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung, das auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder erstellt wird. Der Stichtag für die Erhebung ist der 31. Dezember des betreffenden Jahres. 8

Die 25 häufigsten Ausbildungsberufe werden anhand der Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2017 ermittelt, die bis zum Stichtag (31.12.2017) nicht vorzeitig aufgelöst wurden. 9

 

 


(8) Vgl. Uhly, Alexandra (2017): Erläuterungen zum Datensystem Auszubildende (DAZUBI). Auszubildenden-Daten, Berufsmerkmale, Berechnungen des BIBB. Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.), Berichtsjahr: 2015, Bonn, S. 6 f.

(9) a. a. O., S. 12.

Auszubildende
„Auszubildende sind Personen, die aufgrund eines Ausbildungsvertrages nach dem Berufsbildungsgesetz eine betriebliche Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf durchlaufen. Ihre Ausbildung erfolgt durch das unmittelbare Lernen am Arbeitsplatz oder in den betrieblichen bzw. überbetrieblichen Ausbildungswerkstätten in Verbindung mit dem gleichzeitigen Besuch einer Berufsschule mit Teilzeitunterricht (Duales Ausbildungssystem). In der Zahl der Auszubildenden sind auch diejenigen Auszubildenden enthalten, die aufgrund von Sonderprogrammen des Bundes, der Länder sowie Maßnahmen der Arbeitsverwaltung bei außerbetrieblichen Stellen, z. B. Ausbildungsstätten freier Träger, ausgebildet werden.

Praktikanten/Praktikantinnen, Volontäre/Volontärinnen, Umschüler/innen und Rehabilitanden, die keine Ausbildung für Jugendliche mit Behinderungen durchlaufen, sind keine Auszubildenden. Nicht zu den Auszubildenden zählen außerdem:

  • Personen, deren berufliche Ausbildung ausschließlich an beruflichen Schulen erfolgt (z. B. Schüler/innen an Berufsfachschulen oder Schulen des Gesundheitswesens);
  • Personen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis ausgebildet werden (z. B. Beamte/Beamtinnen im Vorbereitungsdienst);
  • Personen, die eine Berufsausbildung auf Handelsschiffen absolvieren, soweit es sich nicht um Schiffe der kleinen Hochseefischerei oder der Küstenfischerei handelt;
  • Personen, die an einer Berufsvorbereitung oder an einem Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) teilnehmen.

Auszubildende, die ihre Abschlussprüfung nicht bestanden haben und deren Berufsausbildungsverhältnis bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung verlängert wurde, werden miterfasst.“ 6

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge
„Als neu abgeschlossene Ausbildungsverträge werden nur solche Verträge gezählt, die im Berichtsjahr (= Kalenderjahr) angetreten und bis zum 31. Dezember nicht vorzeitig gelöst wurden. Es werden demnach die Fälle (neu abgeschlossene Ausbildungsverträge) und nicht Personen gezählt. Dies hat zur Folge, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse keine Teilmenge der Zahl der Auszubildenden am 31.12. des Berichtsjahres ist.

In der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sind auch Anschlussverträge enthalten. Als Anschlussverträge werden solche Ausbildungsverträge erfasst, die in drei- oder dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufen mit Personen abgeschlossen werden, die bereits eine zweijährige Berufsausbildung absolviert haben, die angerechnet wird; die Ausbildungsordnungen müssen diese Möglichkeit der Anrechnung explizit vorsehen. (…)

Die im Ausbildungsbereich Landwirtschaft neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge für eine Fremdlehre, die im Anschluss an einen Ausbildungsabschnitt im elterlichen Betrieb angetreten werden, zählen nicht zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Dagegen kann die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge auch Auszubildende umfassen, die ein bestehendes Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst haben und nun ihre Berufsausbildung in einem anderen Ausbildungsberuf und ggf. in einem anderen Ausbildungsbetrieb weiterführen (Ausbildungswechsler); darunter fallen auch Auszubildende, die ihre Berufsausbildung im ursprünglichen Ausbildungsberuf in einem anderen Ausbildungsbetrieb fortsetzen (Betriebswechsler); außerdem werden Auszubildende, die bereits eine betriebliche Berufsausbildung abgeschlossen haben und eine zweite betriebliche Berufsausbildung beginnen, miterfasst.“ 7

 


(6) Statistisches Bundesamt (2018): Bildung und Kultur. Berufliche Bildung 2017, Fachserie 11 Reihe 3, S. 6.

(7) a. a. O., S. 7.

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