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Die 25 häufigsten Ausbildungsberufe von Frauen und Männern 2015

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Frauen und Männer nehmen Ausbildungen in unterschiedlichen Berufen auf. Junge Frauen absolvieren in Deutschland nicht nur seltener eine berufliche Ausbildung im dualen System(1), sondern konzentrieren sich dabei noch stärker als Männer auf eine begrenzte Anzahl an Ausbildungsberufen. Auf die jeweils 25 häufigsten Ausbildungsberufe im Jahr 2015 entfallen rund drei Viertel (76 Prozent) aller von Frauen, aber weniger als zwei Drittel (63 Prozent) aller von Männern neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge.(2)

  • Die meisten weiblichen Auszubildenden beginnen eine Ausbildung in Dienstleistungsberufen. Darunter sind die kaufmännischen Berufe aus sämtlichen Wirtschaftsbranchen besonders stark vertreten. Die zwei häufigsten Ausbildungsberufe von Frauen im Jahr 2015 sind Kauffrau für Büromanagement und Kauffrau im Einzel-handel. Unter den Top 10 der weiblichen Ausbildungsberufe finden sich außerdem: Verkäuferin, Industriekauffrau und Bankkauffrau. Daneben gehören auch Ausbildungen zur Steuer- bzw. Rechtsanwaltsfachangestellten oder zur Hotel- oder Restaurantfachfrau zu den bevorzugt von Frauen im Dienstleistungsbereich erlernten Berufen. Frauen machen darüber hinaus häufig eine Ausbildung in einem Gesundheitsdienstberuf (medizinische oder zahnmedizinische Fachangestellte). Einen handwerklichen Beruf erlernen Frauen hingegen eher selten. Ausnahmen hiervon sind die Berufe Friseurin, Köchin, Augenoptikerin und Konditorin.
  • Bei den männlichen Auszubildenden dominieren hingegen die Fertigungsberufe in Handwerk und Industrie. An der Spitze steht bei jungen Männern der Kraftfahrzeugmechatroniker, daneben finden sich aber auch Industriemechaniker, Elektroniker sowie Anlagenmechaniker unter den zehn häufigsten Ausbildungsberufen. Im Dienstleistungsbereich erlernen Männer häufig einen kaufmännischen Beruf, als Kaufmann im Einzel- oder Großhandel, als Verkäufer, als Industrie- oder Bankkaufmann oder als Kaufmann für Büromanagement. Unter den ersten zehn Plätzen rangiert auch die Ausbildung zum Fachinformatiker.

Insgesamt ist damit auch für die jüngere Generation der Ausbildungsanfänger/innen eine starke geschlechtsspezifische Segregation entlang von beruflichen Tätigkeitsbereichen festzustellen: Frauen erlernen häufiger als Männer einen Beruf im Dienstleistungsbereich und seltener im Handwerk, außerdem konzentrieren sie sich bei ihrer Berufswahl auch stärker auf wenige Berufe.(3) Geschlechterstereotype, traditionelle Denkmuster aber auch die jeweiligen Arbeitsbedingungen in den Berufen (z. B. die dort übliche Arbeitszeitdauer oder die jeweiligen Verdienstmöglichkeiten) führen dazu, dass der Berufswahlprozess in Deutschland geschlechtsspezifisch geprägt verläuft.(4)

Das vorliegende Ergebnis reiht sich ein in den bisherigen Forschungsstand über die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Berufswahl in Deutschland: Längsschnittstudien belegten, dass diese horizontale Segregation des deutschen Arbeitsmarktes durch ein auffallend starkes Beharrungsvermögen gekennzeichnet ist.(5)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2016): Bildung in Deutschland 2016. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration, Bielefeld, https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2016/
pdf-bildungsbericht-2016/bildungsbericht-2016, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Bothfeld, Silke / Klammer, Ute / Klenner, Christina, / Leiber, Simone / Thiel, Anke / Ziegler (2005): WSI-FrauenDatenReport 2005. Handbuch zur wirtschaftlichen und sozialen Situation von Frauen, Berlin.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Berufsbildungsbericht 2017, Bonn, https://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2017.pdf, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S. 3, https://www.boeckler.de/Impuls_2015_20_gesamtausgabe.pdf, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Hausmann, Ann-Kathrin und Kleinert, Corinna (2014): Berufliche Segregation auf dem Arbeitsmarkt: Männer- und Frauendomänen kaum verändert. IAB-Kurzbericht 9/2014, http://doku.iab.de/kurzber/2014/kb0914.pdf, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Statistisches Bundesamt und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (2016): Datenreport 2016. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland, Bonn, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2016.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 20.11.2017.

Uhly, Alexandra (2017): Erläuterungen zum Datensystem Auszubildende (DAZUBI). Auszubildenden-Daten, Berufsmerkmale, Berechnungen des BIBB. Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.), Berichtsjahr: 2015, Bonn, https://www.bibb.de/dokumente/pdf/a21_dazubi_daten.pdf, letzter Zugriff: 20.11.2017.


 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Das deutlich kleinere Ausbildungsspektrum der Frauen im Bereich des dualen Systems wird noch deutlicher, wenn man vergleicht, welcher Anteil der weiblichen (bzw. männlichen) Auszubildenden auf die 10 am häufigsten von Frauen (bzw. Männern) erlernten Berufe entfällt: Im Jahr 2014 entfielen 55 Prozent der weiblichen Auszubildenden des dualen Systems darauf – im Vergleich zu ‚nur‘ 38 Prozent der männlichen Auszubildenden (vgl. Statistisches Bundesamt und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung 2016, S. 89). An dieser Verteilung hat sich im Zeitverlauf nur wenig geändert, wie der Vergleich mit empirischen Befunden aus den letzten beiden Jahrzehnten belegt (vgl. Bothfeld et al. 2005, S. 80).

(3) Der Berufsbildungsbericht verweist darauf, dass junge Männer in gewerblich-technischen Ausbildungsberufen wenig Konkurrenz durch junge Frauen erfahren, während weibliche Auszubildende in den kaufmännischen Ausbildungen und Dienstleistungsberufen durchaus in stärkerer Konkurrenz zu männlichen Auszubildenden stehen. Dies trägt dazu bei, dass die Einmündungschancen der Frauen in ihren Wunschberuf – nach der Ausbildung – schlechter sind als die der Männer (BMBF 2017, S. 42).

(4) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S. 3.

(5) Hausmann und Kleinert (2014) zufolge hat sich das starke Ausmaß der geschlechtsspezifischen horizontalen Segregation unter abhängig Beschäftigten in Westdeutschland zwischen 1976 und 2010 kaum verringert (vgl. Hausmann/Kleinert 2014, S. 8).

Tabellen zu den Grafiken

 

 


 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die Ergebnisse basieren auf dem „Datensystem Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung, das auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder erstellt wird. Der Stichtag für die Erhebung ist der 31. Dezember des betreffenden Jahres.(1)

Die 25 häufigsten Ausbildungsberufe werden anhand der Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2015 ermittelt, die bis zum Stichtag (31.12.2015) nicht vorzeitig aufgelöst wurden.(2)

 


(1) Vgl. Uhly, Alexandra (2017): Erläuterungen zum Datensystem Auszubildende (DAZUBI). Auszubildenden-Daten, Berufsmerkmale, Berechnungen des BIBB. Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.), Berichtsjahr: 2015, Bonn, S. 8 f.

(2) a. a. O., S. 12.

Auszubildende
„Auszubildende sind Personen, die aufgrund eines Ausbildungsvertrages nach dem Berufsbildungsgesetz eine betriebliche Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf durchlaufen. Ihre Ausbildung erfolgt durch das unmittelbare Lernen am Arbeitsplatz oder in den betrieblichen bzw. überbetrieblichen Ausbildungswerkstätten in Verbindung mit dem gleichzeitigen Besuch einer Berufsschule mit Teilzeitunterricht (Duales Ausbildungssystem). In der Zahl der Auszubildenden sind auch diejenigen Auszubildenden enthalten, die aufgrund von Sonderprogrammen des Bundes, der Länder sowie Maßnahmen der Arbeitsverwaltung bei außerbetrieblichen Stellen, z. B. Ausbildungsstätten freier Träger, ausgebildet werden.

Praktikanten/Praktikantinnen, Volontäre/Volontärinnen, Umschüler/innen und Rehabilitanden, die keine Ausbildung für Jugendliche mit Behinderungen durchlaufen, sind keine Auszubildenden. Nicht zu den Auszubildenden zählen außerdem:

  • Personen, deren berufliche Ausbildung ausschließlich an beruflichen Schulen erfolgt (z. B. Schüler/innen an Berufsfachschulen oder Schulen des Gesundheitswesens);
  • Personen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis ausgebildet werden (z. B. Beamte/Beamtinnen im Vorbereitungsdienst);
  • Personen, die eine Berufsausbildung auf Handelsschiffen absolvieren, soweit es sich nicht um Schiffe der kleinen Hochseefischerei oder der Küstenfischerei handelt;
  • Personen, die an einer Berufsvorbereitung oder an einem Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) teilnehmen.

Auszubildende, die ihre Abschlussprüfung nicht bestanden haben und deren Berufsausbildungsverhältnis bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung verlängert wurde, werden miterfasst.“(1)

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge
„Als neu abgeschlossene Ausbildungsverträge werden nur solche Verträge gezählt, die im Berichtsjahr (= Kalenderjahr) angetreten und bis zum 31. Dezember nicht vorzeitig gelöst wurden. Es werden demnach die Fälle (neu abgeschlossene Ausbildungsverträge) und nicht Personen gezählt. Dies hat zur Folge, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse keine Teilmenge der Zahl der Auszubildenden am 31.12. des Berichtsjahres ist.

In der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sind auch Anschlussverträge enthalten. Als Anschlussverträge werden solche Ausbildungsverträge erfasst, die in drei- oder dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufen mit Personen abgeschlossen werden, die bereits eine zweijährige Berufsausbildung absolviert haben, die angerechnet wird; die Ausbildungsordnungen müssen diese Möglichkeit der Anrechnung explizit vorsehen. (…)

Die im Ausbildungsbereich Landwirtschaft neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge für eine Fremdlehre, die im Anschluss an einen Ausbildungsabschnitt im elterlichen Betrieb angetreten werden, zählen nicht zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Dagegen kann die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge auch Auszubildende umfassen, die ein bestehendes Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst haben und nun ihre Berufsausbildung in einem anderen Ausbildungsberuf und ggf. in einem anderen Ausbildungsbetrieb weiterführen (Ausbildungswechsler); darunter fallen auch Auszubildende, die ihre Berufsausbildung im ursprünglichen Ausbildungsberuf in einem anderen Ausbildungsbetrieb fortsetzen (Betriebswechsler); außerdem werden Auszubildende, die bereits eine betriebliche Berufsausbildung abgeschlossen
haben und eine zweite betriebliche Berufsausbildung beginnen, miterfasst.“(2)

 


(1) Statistisches Bundesamt (2017): Bildung und Kultur. Berufliche Bildung 2016, Fachserie 11 Reihe 3, S. 17.

(2) a. a. O., S. 18.

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