Bildung

Teilnahme an Weiterbildung nach Art der Weiterbildung 2012 - 2018

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Erwerbstätige Frauen in Deutschland beteiligen sich in ähnlichem Umfang wie Männer an Weiterbildungen. Im Jahr 2018 hat jeweils mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 64 Jahren an einer Weiterbildung teilgenommen. Die Beteiligung variiert stark mit der Art der besuchten Weiterbildung, und hierbei zeigen sich teilweise stark ausgeprägte geschlechtsbezogene Unterschiede:

  • Am häufigsten werden in Deutschland betriebliche Weiterbildungen besucht, die ganz oder überwiegend in der bezahlten Arbeitszeit stattfinden oder vom Arbeitgeber finanziert werden An den betrieblichen Weiterbildungen nehmen Männer häufiger als Frauen teil (55 Prozent gegenüber 48 Prozent).
  • Individuelle berufsbezogene Weiterbildung absolvieren Frauen und Männer in ähnlichem Umfang (mit 6 Prozent bzw. 5 Prozent).
  • Ausgeprägte geschlechtsbezogene Unterschiede zeigen sich bei den Weiterbildungen, die keinen (unmittelbaren) Berufsbezug haben. Jede zehnte erwerbstätige Frau (11 Prozent) aber nur jeder dreizehnte Mann (8 Prozent) absolviert 2018 eine allgemeine Weiterbildung.
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Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich die Beteiligung an Weiterbildungen im Jahr 2018 etwas erhöht, insbesondere bei Männern. Besonders deutlich ist der Anstieg bei den betrieblichen Weiterbildungen: Im Vergleich zu 2012 stieg der Anteil bei Frauen und Männern in ähnlichem Umfang (um 4 bzw. 5 Prozentpunkte). Deutlich abgenommen hat die Teilnahme an individuellen berufsbezogenen Weiterbildungen – sowohl bei Frauen als auch Männern. Demgegenüber sind bei den Weiterbildungen ohne Berufsbezug nur leichte Veränderungen festzustellen.

Die Gründe für eine geringere Teilnahme an betrieblichen Weiterbildungen von Frauen (im Vergleich zu Männern) ergeben sich aus unterschiedlichen berufsbezogenen Bedingungen. So „unterscheiden sich die (außer-)beruflichen Kontexte von Männern und Frauen z. B. hinsichtlich Umfang, beruflicher Position, Beschäftigungsverhältnis und Intensität der Erwerbstätigkeit.“ (1) Generell gilt, dass berufsbezogene Aspekte die Teilnahmemöglichkeit an Weiterbildung mit beeinflussen:

  • Mit Blick auf den Umfang der Erwerbstätigkeit lassen sich folgende Aspekte hervorheben: In Deutschland arbeiten Frauen sehr viel häufiger in Teilzeit als Männer, wohingegen Männer häufiger in Vollzeit arbeiten. (2) Obwohl im Jahr 2018 erstmals keine Unterschied in der Weiterbildungsbeteiligung zwischen den Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätigen insgesamt festzustellen sind (3), variiert die Beteiligung an Weiterbildung systematisch mit dem Erwerbsumfang – bei Frauen und Männern allerdings in unterschiedlicher Richtung. Vollzeitbeschäftigte Männer machen im Vergleich zu Teilzeit arbeitenden Männern häufiger betriebliche Weiterbildungen. Bei Frauen ist es umgekehrt: Teilzeitbeschäftigte Frauen beteiligen sich häufiger an Weiterbildungsangeboten als Frauen, die Vollzeit arbeiten. (4)
  • Auch die berufliche Stellung wirkt sich auf die Weiterbildungsaktivitäten aus: Mit der beruflichen Position steigt die Teilnahme an Weiterbildungen deutlich an (5). Im Ergebnis wirkt sich dies nachteilig für Frauen aus, die in Deutschland in den höheren beruflichen Positionen deutlich unterrepräsentiert sind. (6)
Der Unterschied in der Weiterbildungsbeteiligung zwischen Frauen und Männern kann nach dem AES-Trendbericht der Bundesregierung nicht allein durch den Umfang der Erwerbstätigkeit erklärt werden. Auch die Höhe des Schulabschlusses, ein Meister oder Fachschulbesuch und die Lage der Betriebe (in urbanen Regionen oder ländlichen Gebieten) wirken sich zusätzlich auf die verschiedenen Beteiligungsverhalten aus. (7)

Schließlich wird das Angebot an Weiterbildungen sowie die Teilnahmequote auch durch institutionelle Faktoren auf betrieblicher Ebene geprägt. Empirische Studien belegen, dass Weiterbildungen in mitbestimmten Unternehmen häufiger angeboten (und genutzt) werden als in nicht-mitbestimmten Unternehmen. Dies gilt sowohl für Deutschland als auch für Europa insgesamt. (8).

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Julia Spitznagel

 

Literatur
Bilger, Frauke / Behringer, Friderike / Kuper, Harm / Schrader, Josef (Hg.) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey (AES), Bielefeld, https://www.die-bonn.de/doks/2017-weiterbildungsforschung-01.pdf, letzter Zugriff: 27.11.2019.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2019): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2018. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Weiterbildungsverhalten_in_Deutschland_2018.pdf, letzter Zugriff: 26.11.2019.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2015): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn http://doku.iab.de/externe/2015/k150407r07.pdf, letzter Zugriff:27.11.2019.

Deutscher Bildungsrat (1970): Strukturplan für das Bildungswesen. Stuttgart.

Hans Böckler Stiftung (2018): Mitbestimmung qualifiziert: Um mit der Digitalisierung Schritt zu halten, müssen Beschäftigte sich weiterbilden. Dabei helfen Betriebsräte. In: Böckler Impuls 08/2018, S. 6, https://www.boeckler.de/impuls_2018_08_6b.pdf, letzter Zugriff: 27.11.2019.

Hans Böckler Stiftung (2016): Beteiligung bildet: Europäische Betriebe tun mehr für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten, wenn es eine Arbeitnehmervertretung gibt. In: Böckler Impuls 15/2016, S. 1, https://www.boeckler.de/Impuls_2016_15_1.pdf, letzter Zugriff: 27.11.2019.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja/ Spitznagel, Julia (2019): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung (2019): Trendbericht. Betriebliche Weiterbildung. In: Hans Böckler Stiftung: Mitbestimmungspraxis 08/2019, Nr. 24, https://www.boeckler.de/pdf/p_mbf_praxis_2019_24.pdf letzter Zugriff: 27.11.2019

Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Spitznagel, Julia (2020): Betriebliche Führungspositionen nach Führungsebene 2004-2018. In: WSI GenderDatenPortal.

 


(1)Vgl. BMBF (2019): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2018, S. 33.
(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2019): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2018.
(3) Vgl. BMBF (2019): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2018, S. 26f.
(4) Vgl. ebd. S. 33f.
(5) Vgl. ebd. S. 28.
(6) Vgl. Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Spitznagel, Julia (2020): Betriebliche Führungspositionen nach Führungsebene 2004-2018.
(7) Vgl. BMBF (2019): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2018, S. 39f.
(8) Vgl. Hans Böckler Stiftung (2018): Mitbestimmung qualifiziert, S. 6, sowie Hans Böckler Stiftung (2016): Beteiligung bildet, S. 1 und Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans Böckler Stiftung (2019): Trendbericht. Betriebliche Weiterbildung. In: Hans Böckler Stiftung: Mitbestimmungspraxis 08/2019, Nr. 24.

Datentabelle zur Grafik

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Daten stammen aus dem Adult Education Survey (AES). „Der AES ist ein Baustein im Europäischen Statistischen System (ESS) und ergänzt auf Ebene der EU im Bereich des Erwachsenenlernens die beiden anderen etablierten Studien, den Continuing Vocational Training Survey (CVTS) und den Labour Force Survey (LFS). Der AES wurde (…) als für die EU-Mitgliedstaaten verpflichtende Studie mit einem Erhebungsturnus von fünf Jahren bestimmt (…). Die deutsche Studie zum Weiterbildungsverhalten (BSW) sah von Beginn an kürzere Abstände zwischen den Erhebungen vor. Deutschland setzte dieses Erhebungsintervall von zwei bis drei Jahren bislang fort, indem rein nationale AES-Erhebungen zwischen den EU-Erhebungen durchgeführt wurden.“ (1)

“Mit der Erhebung zum Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2018 setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die in Deutschland etablierte Erhebung zum Weiterbildungsverhalten nach dem Konzept des Adult Education Survey (AES) fort und schließt an das Berichtssystem Weiterbildung (BSW) an (…). Die Studie dient sowohl in der Europäischen Union (EU) (…) als auch in Deutschland einem bildungspolitischen Monitoring Lebenslangen Lernens (…), begrenzt auf Erwachsene, im deutschen AES also Personen von 18 bis 64 Jahren.“ (2)

Die Stichprobengröße des Datensatzes für 2018 liegt bei 5.836 Befragten. (3). Zu beachten ist zudem, dass in der Erhebung der persönlichen Angaben Geschlecht nur als binäre Kategorie erfasst wird. Das bedeutet, dass lediglich „Frauen“ und „Männer“ als Analysekategorien vorliegen.
Die dargestellten Ergebnisse des Adult Education Survey wurden von Kantar Public (ehemals TNS Infratest Sozialforschung) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Verfügung gestellt und veröffentlicht.


(1) BMBF (2019): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2018, S. 7, Hervorhebung im Original.
(2) a. a. O., S. 6, Hervorhebung im Original.
(3) a. a. O., S. 5. Eine Ausnahme hiervon stellt die AES-Erhebung 2014 dar, denn diese basierte auf einer kleineren Stichprobe (n = 3.100). Die Ergebnisse zu 2014 dienten daher auch nur als Trendberichterstattung und stellen keine Gesamtberichterstattung dar (vgl. BMBF (2015): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014, S. 8).

Weiterbildung

Weiterbildung wird im Adult Education Survey (AES) nach den europäischen Konventionen erfasst. Weiterbildung bezeichnet „die Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase (…) Das Ende der ersten Bildungsphase und damit der Beginn möglicher Weiterbildung ist in der Regel durch den Eintritt in die volle Erwerbstätigkeit gekennzeichnet (…) Das kurzfristige Anlernen oder Einarbeiten am Arbeitsplatz gehört nicht in den Rahmen der Weiterbildung.“ (1)

Die Weiterbildungsaktivitäten werden nach den Vorgaben von Eurostat definiert. Das Spektrum der Aktivitäten umfasst folgende vier Formen:
  • „Kurse oder Lehrgänge in der Arbeits- oder Freizeit,
  • Kurzzeitige Bildungs- oder Weiterbildungsveranstaltungen, also Vorträge, Schulungen, Seminare oder Workshops,
  • Schulungen am Arbeitsplatz (z.B. geplante Unterweisungen oder Trainings durch Vorgesetzte, Kollegen, durch Trainer oder Teletutoren),
  • Privatunterricht in der Freizeit (z.B. Fahrstunden für den Führerschein, Trainerstunden im Sport, Musikunterricht, Nachhilfestunden)“ (2)
Die genannten vier Formen bilden verschiedene Bereiche ab, „um die in den vergangenen zwölf Monaten besuchten Weiterbildungsaktivitäten möglichst umfassend in Erfahrung zu bringen“. (3)

Betriebliche Weiterbildung
Eine betriebliche Weiterbildung wird im AES anhand von zwei Kriterien bestimmt: Die Teilnahme muss erstens „ganz oder überwiegend während der bezahlten Arbeitszeit oder einer bezahlten Freistellung für Bildungszwecke“ erfolgen. Zweitens gilt für die betrieblichen Weiterbildungen, dass „direkte Weiterbildungskosten durch den Arbeitgeber übernommen werden.“ (4)

Individuelle berufsbezogene Weiterbildung
Als individuelle berufsbezogene Weiterbildungen werden alle Weiterbildungsaktivitäten erfasst, die „hauptsächlich aus beruflichen Gründen“ erfolgen. Anders als bei betrieblichen Weiterbildungen finden diese Weiterbildungen aber nicht während der bezahlten Arbeitszeit statt, und die Kosten werden nicht von den Arbeitgeber*innen getragen. (5)

Nicht berufsbezogene Weiterbildung
Als nicht berufsbezogene Weiterbildungen gelten alle Weiterbildungsaktivitäten, die „mehr aus privaten Gründen“ erfolgen. Auch bei diesen Weiterbildungen werden weder die Kosten von den Arbeitgeber*innen übernommen, noch finden sie während der bezahlten Arbeitszeit statt. (6)

Erwerbstätige
Die Zuordnung zu den Erwerbstätigen erfolgt im Rahmen des Adult Education Survey (AES) auf der subjektiven Selbsteinstufung der befragten Personen. Zu den Erwerbstätigen werden dabei auch Personen gezählt, die als mithelfende Familienangehörige in einem Unternehmen tätig sind (selbst wenn sie dafür keine Entlohnung erhalten), sowie alle Personen, die eine berufliche Ausbildung machen oder ein bezahltes Praktikum absolvieren. (7)


(1) Deutscher Bildungsrat (1970): Strukturplan für das Bildungswesen, Stuttgart, S. 197, zitiert nach: BMBF (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016, S. 25.
(2) BMBF (2019): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2018, S. 12.
(3) a. a. O.
(4) a. a. O., S. 20.
(5) BMBF (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016, S. 19.
(6) a. a. O.
(7) Auskunft von Kantar Public auf eine schriftliche Anfrage von SowiTra. 

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