Bildung

Teilnahme an Weiterbildung nach Art der Weiterbildung 2012, 2014 und 2016

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Erwerbstätige Frauen in Deutschland beteiligen sich in ähnlichem Umfang wie Männer an Weiterbildungen. Im Jahr 2016 hat mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 64 Jahren an einer Weiterbildung teilgenommen. Die Beteiligung variiert stark mit der Art der besuchten Weiterbildung, zudem zeigen sich teilweise stark ausgeprägte geschlechtsbezogene Unterschiede:

  • Am häufigsten werden in Deutschland betriebliche Weiterbildungen besucht, die ganz oder überwiegend in der bezahlten Arbeitszeit stattfinden oder vom Arbeitgeber finanziert werden. Obwohl Frauen insgesamt eine etwas höhere Teilnahmequote an Weiterbildung haben, nehmen sie an betrieblichen Weiterbildungen seltener teil als Männer (46 Prozent gegenüber 48 Prozent).
  • An individueller berufsbezogener Weiterbildung beteiligen sich Frauen jedoch häufiger als Männer: 7 Prozent der Frauen, aber nur 4 Prozent der Männer haben im Jahr 2016 daran teilgenommen.
  • Noch deutlicher fällt der geschlechtsspezifische Unterschied bei Weiterbildungen ins Gewicht, die keinen (unmittelbaren) Berufsbezug haben. Fast jede siebte erwerbstätige Frau (14 Prozent) aber nur jeder dreizehnte Mann (8 Prozent) absolvierte 2016 eine allgemeine Weiterbildung.

Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich die Beteiligung an Weiterbildungen im Jahr 2016 kaum geändert. An einer betrieblichen Weiterbildung nahmen 2016 Frauen wie Männer zu einem (fast) gleichen Anteil teil wie im Jahr 2012. Auch die Teilnahme an Weiterbildungen ohne Berufsbezug ist insgesamt weitgehend konstant geblieben. Deutlich zurückgegangen ist hingegen die Teilnahme an individuellen berufsbezogenenWeiterbildung sowohl bei Frauen als auch Männern.

Die Gründe für eine geringere Teilnahme von Frauen gegenüber Männern an betrieblichen Weiterbildungen könnten sich aus ungleichen Zugangschancen der Geschlechter ergeben:

  • Frauen in Deutschland arbeiten sehr viel häufiger in Teilzeit als Männer(1) – und gleichzeitig variiert die Beteiligung an Weiterbildung mit dem Umfang der Erwerbstätigkeit. Vollzeiterwerbstätige nehmen deutlich häufiger an betrieblicher Weiterbildung teil als Teilzeiterwerbstätige.(2)
  • Ähnliches gilt für die berufliche Stellung: die Teilnahme an Weiterbildungen steigt mit der beruflichen Position deutlich an(3) – und Frauen sind in Deutschland in den höheren beruflichen Positionen deutlich unterrepräsentiert.(4)
Schließlich wird das Angebot an Weiterbildungen sowie die Teilnahmequote auch durch institutionelle Faktoren auf betrieblicher Ebene geprägt. Empirische Studien belegen, dass Weiterbildungen in mitbestimmten Unternehmen häufiger angeboten (und genutzt) werden als in nicht-mitbestimmten Unternehmen. Dies gilt sowohl für Deutschland als auch für Europa.(5)

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur
Bilger, Frauke / Behringer, Friderike / Kuper, Harm / Schrader, Josef (Hg.) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey (AES), Bielefeld, https://www.die-bonn.de/doks/2017-weiterbildungsforschung-01.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn (Bericht verfasst von Frauke Bilger / Alexandra Strauß), https://www.bmbf.de/pub/Weiterbildungsverhalten_in_Deutschland_2016.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2015): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014. Ergebnisse des Adult Education Survey –AES Trendbericht, Bonn (Bericht verfasst von Frauke Bilger / Alexandra Strauß), https://www.bmbf.de/pub/Weiterbildungsverhalten_in_Deutschland_2014.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Deutscher Bildungsrat (1970): Strukturplan für das Bildungswesen. Stuttgart. Hans Böckler Stiftung (2018): Mitbestimmung qualifiziert: Um mit der Digitalisierung Schritt zu halten, müssen Beschäftigte sich weiterbilden. Dabei helfen Betriebsräte. In: Böckler Impuls 08/2018, Seite 6, https://www.boeckler.de/impuls_2018_08_6b.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Hans Böckler Stiftung (2016): Beteiligung bildet: Europäische Betriebe tun mehr für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten, wenn es eineArbeitnehmervertretung gibt. In: Böckler Impuls 15/2016, Seite 1, https://www.boeckler.de/Impuls_2016_15_1.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2016. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Horvath, Sandra (2018): Betriebliche Führungspositionen nach Führungsebene 2004-2016. In: WSI GenderDatenPortal.

 


(1)Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2016. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 26 f.

(3) Vgl. Bilger, Frauke / Behringer, Friderike / Kuper, Harm / Schrader, Josef (Hg.) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey (AES), Bielefeld, Seite 64.

(4) Vgl. Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Horvath, Sandra (2018): Betriebliche Führungspositionen nach Führungsebene 2004-2016. In: WSI GenderDatenPortal.

(5) Vgl. Hans Böckler Stiftung (2018): Mitbestimmung qualifiziert. In: Böckler Impuls 08/2018, Seite 6, sowie: Hans Böckler Stiftung (2016): Beteiligung bildet. In: Böckler Impuls 15/2016, Seite 1.

Datentabelle zur Grafik

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Daten stammen aus dem Adult Education Survey (AES). „Der AES ist ein Baustein im Europäischen Statistischen System (ESS) und ergänzt auf Ebene der EU im Bereich des Erwachsenenlernens die beiden anderen etablierten Studien, den Continuing Vocational Training Survey (CVTS) und den Labour Force Survey (LFS). Der AES wurde (…) als für die EU-Mitgliedstaaten verpflichtende Studie mit einem Erhebungsturnus von fünf Jahren bestimmt. Die deutsche Studie zum Weiterbildungsverhalten (BSW) sah von Beginn an kürzere Abstände zwischen den Erhebungen vor. Deutschland setzte dieses Erhebungsintervall von zwei bis drei Jahren bislang fort, indem rein nationale AES-Erhebungen zwischen den EU-Erhebungen durchgeführt wurden (AES 2010 und AES 2014).“(1)

“Mit der Erhebung zum ‚Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016‘ setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die inDeutschland etablierte Erhebung zum Weiterbildungsverhalten nach dem Konzept des Adult Education Survey (AES) fort und schließt an das  Berichtssystem Weiterbildung (BSW) an (…). Die Studie dient sowohl in der Europäischen Union (EU) als auch in Deutschland einem bildungspolitischen Monitoring Lebenslangen Lernens (…), begrenzt auf Erwachsene, im deutschen AES also Personen von 18 bis 64 Jahren.“(2)

Die Stichprobengröße des Datensatzes liegt in der Regel bei etwa 7.000 Befragten.(3) Die dargestellten Ergebnisse des Adult Education Survey wurden von Kantar Public (ehemals TNS Infratest Sozialforschung) auf Anfrage zur Verfügung gestellt.

 


(1) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 7, eigene Hervorhebung.

(2) a. a. O., S. 6.

(3) a. a. O., S. 12.
Eine Ausnahme hiervon stellt die AES-Erhebung 2014 dar, denn diese basierte auf einer kleineren Stichprobe (n = 3.100). Die Ergebnisse zu 2014 dienten daher auch nur als Trendberichterstattung und stellen keine Gesamtberichterstattung dar. Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2015): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014.Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 8. 

Weiterbildung
Weiterbildung wird im Adult Education Survey (AES) nach den europäischen Konventionen erfasst. Weiterbildung bezeichnet „die Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase (…) Das Ende der ersten Bildungsphase und damit der Beginn möglicher Weiterbildung ist in der Regel durch den Eintritt in die volle Erwerbstätigkeit gekennzeichnet (…) Das kurzfristige Anlernen oder Einarbeiten am Arbeitsplatz gehört nicht in den Rahmen der Weiterbildung.“(1)

Die Weiterbildungsaktivitäten werden nach den Vorgaben von Eurostat definiert. Das Spektrum der Aktivitäten umfasst folgende 4 Formen: 

  • „Kurse oder Lehrgänge in der Arbeits- oder Freizeit,
  • Kurzzeitige Bildungs- oder Weiterbildungsveranstaltungen, also Vorträge, Schulungen, Seminare oder Workshops, 
  • Schulungen am Arbeitsplatz (z. B. geplante Unterweisungen oder Trainings durch Vorgesetzte, Kollegen, durch Trainer oder Teletutoren),
  • Privatunterricht in der Freizeit (z. B. Fahrstunden für den Führerschein, Trainerstunden im Sport, Musikunterricht, Nachhilfestunden).“(2)
In die Teilnahmequote an Weiterbildungen „geht dabei jede Person ein, die an wenigstenseiner der oben genannten 4 Formen von Weiterbildungsaktivitäten in den letzten 12 Monaten teilnahm.“(3)

Betriebliche Weiterbildung:
Eine betriebliche Weiterbildung wird im AES anhand von zwei Kriterien bestimmt: Die Teilnahme muss erstens „ganz oder überwiegend während der bezahlten Arbeitszeitoder einer bezahlten Freistellung für Bildungszwecke“ erfolgen. Zweitens gilt für die betrieblichen Weiterbildungen, dass „direkte Weiterbildungskosten durch den Arbeitgeber übernommen werden.“(4)

Individuelle berufsbezogene Weiterbildung:
Als individuelle berufsbezogene Weiterbildungen werden alle Weiterbildungsaktivitäten erfasst, die „hauptsächlich aus beruflichen Gründen“ erfolgen.Anders als bei betrieblichen Weiterbildungen finden diese Weiterbildungen aber nicht während der bezahlten Arbeitszeit statt, und die Kosten werden nicht von den Arbeitgeber/innen getragen.(5)

Nicht berufsbezogene Weiterbildung: 
Als nicht berufsbezogene Weiterbildungen gelten alle Weiterbildungsaktivitäten, die „mehr aus privaten Gründen“ erfolgen. Auch bei diesen Weiterbildungen werden weder die Kosten von der Arbeitgeberin /dem Arbeitgeber übernommen, noch finden sie während der bezahlten Arbeitszeit statt.(6)

 Erwerbstätige

Die Zuordnung zu den Erwerbstätigen erfolgt im Rahmen des Adult Education Survey (AES) auf der subjektiven Selbsteinstufung der befragten Personen.Zu den Erwerbstätigen werden dabei auch Personen gezählt, die als mithelfende Familienangehörige in einem Unternehmen tätig sind (selbst wenn sie dafür keine Entlohnung erhalten), sowie alle Personen, die eine berufliche Ausbildung machen oder ein bezahltes Praktikum absolvieren.(7)


(1) Deutscher Bildungsrat (1970): Strukturplan für das Bildungswesen, Stuttgart, Seite 197, zitiert nach: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 6.

(2) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 12.

(3) a. a. O.

(4) a. a. O., Seite 18

(5) a. a. O., Seite 19

(6) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 19.

(7) Auskunft von Kantar Public auf eine schriftliche Anfrage von SowiTra. 

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