Bildung

Teilnahme an Weiterbildung nach Alter 2012, 2014 und 2016

Erläuterungen      zurück zur Übersicht des Themenbereichs

Im Vergleich nach Altersgruppen zeigen sich bei der Weiterbildungsteilnahme erwerbstätiger Frauen und Männer in Deutschland viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede. Über alle Altersgruppen hinweg nehmen Frauen etwas häufiger an Weiterbildungsaktivitäten teil als Männer. Insgesamt fällt die Beteiligung der einzelnen Altersgruppen an Weiterbildungen vergleichbar aus, wobei sich Personen im mittleren Alter tendenziell etwas häufiger weiterbilden als die Jüngeren oder Älteren.Bei der mittleren Altersgruppe ist – verglichen mit dem Ausgangsjahr 2012 – zudem ein leichter Anstieg der Teilnahmequoten der Frauen festzustellen.

Die Unterscheidung nach Art der Weiterbildung, lässt ebenfalls deutliche geschlechtsbezogene Unterschiede erkennen:

  • An einer betrieblichen Weiterbildung hat in den letzten 12 Monaten annähernd die Hälfte der erwerbstätigen Frauen und Männer teilgenommen. Frauen und Männer aus der mittleren Altersgruppe absolvieren etwas häufiger eine betriebliche Weiterbildung als jüngere und ältere Beschäftigte. 
  • Individuelle berufsbezogene Weiterbildungen wurden in den letzten 12 Monaten etwas häufiger von Frauen als von Männern besucht. In der jüngeren Gruppe nehmen Frauen und Männer noch in vergleichbarem Umfang teil, unter Erwerbstätigen im mittleren und höheren Alter haben die Frauen die Nase vorn.
  • An individuellen Weiterbildungen ohne Berufsbezug partizipieren Frauen viel stärker als Männer: In allen Altersgruppen haben in den letzten 12 Monaten deutlich mehr Frauen als Männer an einer solchen Weiterbildung teilgenommen.

Für die Teilnahmequoten nach Altersgruppen lässt sich damit ein ähnliches Muster feststellen wie für die Gesamtgruppe der Erwerbstätigen zwischen 18 und 64 Jahren.(1) Frauen aller Altersgruppen nehmen an betrieblicher Weiterbildungen zu einem ähnlichen Anteil wie Männer oder etwas seltener teil. Bei den individuellen berufsbezogenen Weiterbildungen und den Weiterbildungen ohne (direkten) Berufsbezug weisen Frauen aber deutlich höhere Teilnahmequoten auf als Männer.

Im Zeitvergleich zwischen den Jahren 2012 und 2016 lassen sich nur geringe Veränderungen feststellen, ohne klar auszumachende Tendenz. Nur im Bereich der individuellen berufsbezogenen Weiterbildung, die selbst organisiert und auf eigene Kosten besucht wird, ist in den letzten Jahren über alle Altersgruppen hinweg eine deutliche Abnahme festzustellen.

Was sind die Gründe dafür, dass sich kein Anstieg der Weiterbildungsquoten abzeichnet, obwohl Anzahl und relativer Anteil älterer Beschäftigten steigen, während gleichzeitig der Weiterbildungsbedarf steigt (Digitalisierung etc.)? Dies liegt zum einen am geringen Anteil von Betrieben, die (ältere Beschäftigte) weiterbilden.(2) Manchmal scheint es aus Sicht der Betriebe lohnenswerter, verstärkt junge und hochqualifizierte Beschäftigte weiterbilden zu lassen, als in Ältere zu investieren.(3) Andererseits gibt es auch Hinweise darauf, dass die bestehenden Weiterbildungsangebote nicht auf die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer/innen zugeschnitten sind. Forschungen in diesem Bereich belegen, dass ältere Beschäftigte die Effektivität von Weiterbildungen daher geringer bewerten als jüngere Beschäftigte. 4 Hier liegt es an den Unternehmen, bedarfsgerechte Weiterbildungsangebote auch für ältere Beschäftigte zu entwickeln und die Teilnahme älterer Beschäftigter zu fördern.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Bellmann, Lutz / Dummert, Sandra / Leber, Ute (2014): Betriebliche Weiterbildung für Ältere: Es geht bergauf. In: IAB-Forum: das Magazin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, 1/2014, http://doku.iab.de/forum/2014/Forum1_2014_Bellmann_Dummert_Leber.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn (Bericht verfasst von Frauke Bilger / Alexandra Strauß), https://www.bmbf.de/pub/Weiterbildungsverhalten_in_Deutschland_2016.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2015): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn (Bericht verfasst von Frauke Bilger / Alexandra Strauß), https://www.bmbf.de/pub/Weiterbildungsverhalten_in_Deutschland_2014.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2018.

Deutscher Bildungsrat (1970): Strukturplan für das Bildungswesen. Stuttgart.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Teilnahme an Weiterbildung nach Art der Weiterbildung 2012, 2014 und 2016. In: WSI GenderDatenPortal.

Zwick, Thomas (2012): Effektivität der Weiterbildung aus Sicht älterer Beschäftigter. In: Berufsbildung für Wissenschaft und Praxis (BWP) 1/2012, Seiten 15-18, https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/download/6817, letzter Zugriff: 19.06.2018.


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Teilnahme an Weiterbildung nach Art der Weiterbildung 2012, 2014 und 2016. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Vgl. Bellmann, Lutz / Dummert, Sandra / Leber, Ute (2014): Betriebliche Weiterbildung für Ältere: Es geht bergauf. In: IAB-Forum: das Magazin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, 1/2014, Seiten 52-55.

(3) a. a. O.

(4) Vgl. Zwick, Thomas (2012): Effektivität der Weiterbildung aus Sicht älterer Beschäftigter. In: Berufsbildung für Wissenschaft
und Praxis (BWP) 1/2012, Seiten 15-18.

Tabelle zu den Grafiken

 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Daten stammen aus dem Adult Education Survey (AES). „Der AES ist ein Baustein im Europäischen Statistischen System (ESS) und ergänzt auf Ebene der EU im Bereich des Erwachsenenlernens die beiden anderen etablierten Studien, den Continuing Vocational Training Survey (CVTS) und den Labour Force Survey (LFS). Der AES wurde (…) als für die EU-Mitgliedstaaten verpflichtende Studie mit einem Erhebungsturnus von fünf Jahren bestimmt. Die deutsche Studie zum Weiterbildungsverhalten (BSW) sah von Beginn an kürzere Abstände zwischen den Erhebungen vor.Deutschland setzte dieses Erhebungsintervall von zwei bis drei Jahren  bislang fort, indem rein nationale AES-Erhebungen zwischen den EU-Erhebungen durchgeführt wurden (AES 2010 und AES 2014).“(1)

“Mit der Erhebung zum ‚Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016‘ setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die in Deutschland etablierte Erhebung zum Weiterbildungsverhalten nach dem Konzept des Adult Education Survey (AES) fort und schließt an das Berichtssystem Weiterbildung (BSW) an (…). Die Studie dient sowohl in der Europäischen Union (EU) als auch in Deutschland einem bildungspolitischen Monitoring Lebenslangen Lernens (…), begrenzt auf Erwachsene, im deutschen AES also Personen von 18 bis 64 Jahren.“(2)

Die Stichprobengröße des Datensatzes liegt in der Regel bei etwa 7.000 Befragten.(3) Die dargestellten Ergebnisse des Adult Education Survey wurden von Kantar Public (ehemals TNS Infratest Sozialforschung) auf Anfrage zur Verfügung gestellt.

 


(1) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 7, eigene Hervorhebung.

(2) a. a. O., Seite 6.
(3) a. a. O., Seite 12.
Eine Ausnahme hiervon stellt die AES-Erhebung 2014 dar, denn diese basierte auf einer kleineren Stichprobe (n = 3.100). Die Ergebnisse zu 2014 dienten daher auch nur als Trendberichterstattung und stellen keine Gesamtberichterstattung dar. Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2015): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 8.

Weiterbildung
Weiterbildung wird im Adult Education Survey (AES) nach den europäischen Konventionen erfasst. Weiterbildung bezeichnet „die Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase (…) Das Ende der ersten Bildungsphase und damit der Beginn möglicher Weiterbildung ist in der Regel durch den Eintritt in die volle Erwerbstätigkeit gekennzeichnet (…) Das kurzfristige Anlernen oder Einarbeiten am Arbeitsplatz gehört nicht in den Rahmen der Weiterbildung“.(1)

Die Weiterbildungsaktivitäten werden nach den Vorgaben von Eurostat definiert. Das Spektrum der Aktivitäten umfasst folgende 4 Formen:

  • „Kurse oder Lehrgänge in der Arbeits- oder Freizeit,
  • Kurzzeitige Bildungs- oder Weiterbildungsveranstaltungen, also Vorträge, Schulungen,Seminare oder Workshops,
  • Schulungen am Arbeitsplatz (z. B. geplante Unterweisungen oder Trainings durch Vorgesetzte, Kollegen, durch Trainer oder Teletutoren),
  • Privatunterricht in der Freizeit (z. B. Fahrstunden für den Führerschein, Trainerstunden im Sport, Musikunterricht, Nachhilfestunden).“(2)
In die Teilnahmequote an Weiterbildungen „geht dabei jede Person ein, die an wenigstens einer der oben genannten vier Formen von Weiterbildungsaktivitäten in den letzten 12 Monaten teilnahm.“(3)

Betriebliche Weiterbildung:
Eine betriebliche Weiterbildung wird im deutschen Adult-Education-Survey anhand von zwei Kriterien bestimmt: Die Teilnahme muss erstens „ganz oder überwiegend während der bezahlten Arbeitszeit oder einer bezahlten Freistellung für Bildungszwecke“ erfolgen. Zweitens gilt für die betrieblichen Weiterbildungen, dass „direkte Weiterbildungskosten durch den Arbeitgeber übernommen werden.“(4)


Individuelle berufsbezogene Weiterbildung: 

Als individuelle berufsbezogene Weiterbildungen werden alle Weiterbildungsaktivitäten erfasst, die „hauptsächlich aus beruflichen Gründen“ erfolgen. Anders als bei  betrieblichen Weiterbildungen finden diese Weiterbildungen aber nicht während der bezahlten Arbeitszeit statt, und die Kosten werden nicht von den Arbeitgeber/innen getragen.(5)

Nicht berufsbezogene Weiterbildung:
Als nicht berufsbezogenen Weiterbildungen gelten alle Weiterbildungsaktivitäten, die „mehr aus privaten Gründen erfolgen“. Auch bei diesen Weiterbildungen werden weder die Kosten von der Arbeitgeberin / dem Arbeitgeber übernommen, noch finden sie während der bezahlten Arbeitszeit statt.(6)

Erwerbstätige:
Die Zuordnung zu den Erwerbstätigen erfolgt im Rahmen des Adult Education Survey (AES) auf der subjektiven Selbsteinstufung der befragten Personen. Zu den Erwerbstätigen werden dabei auch Personen gezählt, die als mithelfende Familienangehörige in einem Unternehmen tätig sind (selbst wenn sie dafür keine Entlohnung erhalten), sowie alle Personen, die eine berufliche Ausbildung machen oder ein bezahltes Praktikum absolvieren.(7)

 


(1) Deutscher Bildungsrat (1970): Strukturplan für das Bildungswesen, Stuttgart, Seite 197; zitiert nach: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 6.

(2) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2017): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016. Ergebnisse
des Adult Education Survey – AES Trendbericht, Bonn, Seite 12.

(3) a. a. O.

(4) a. a. O. , S. 18.

(5) a. a. O., S. 19.

(6) a. a. O.

(7) Auskunft von Kantar Public auf eine schriftliche Anfrage von SowiTra.

PDF-Download

Grafikblatt mit Grafiken, Tabellen und Erläuterungen herunterladen (pdf)


Download der Grafiken

Mit Klick auf eine Grafik können Sie diese in hoher Auflösung herunterladen.

Die Nutzung der Grafiken ist frei, wenn die Quelle "WSI GenderDatenPortal, Hans-Böckler-Stiftung" genannt wird
und keine Änderungen an Inhalt und Aussage der Grafiken vorgenommen werden.

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden