Tagung

Perspektiven von Beruflichkeit - Was bedeutet moderne Beruflichkeit für Mitbestimmungspraxis und Bildungspolitik?

Veranstalter: Hans-Böckler-Stiftung, IG Metall; ver.di

Ort: Frankfurt, SAALBAU Gallus

vom: 22.01.2015, 11:00 Uhr

bis: 23.01.2015, 13:00 Uhr

Neue Formen wissensbasierter Arbeit, der wachsende Anteil von Hochschulabsolvent/innen an den Belegschaften sowie die Akademisierung als bildungspolitische Strategie werfen bildungs-,arbeits-, und betriebspolitische Fragen auf:

  • Welchen Stellenwert hat in Zukunft die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung? Wie wird diese in der betrieblichen Praxis umgesetzt?
  • Welche Rolle soll in Zukunft Beruflichkeit im Verhältnis zu Beschäftigungsfähigkeit spielen?
  • Welche Herausforderungen bzw. Gestaltungsmöglichkeiten/-erfordernisse ergeben sich für betriebliche Mitbestimmungsakteure sowie für die Gestaltung und Umsetzung von Tarifverträgen?
  • Welchen Beitrag kann Beruflichkeit für die Entwicklung europäischer Standards von Arbeit und Bildung in europäischen und transnational tätigen Unternehmen leisten?

Gefragt sind neue Formen und Wege der Beruflichkeit. Hierzu hat die IG Metall in einem Diskussionspapier ein gemeinsames Leitbild für die betrieblich-duale und hochschulische berufliche Bildung vorgelegt, das Lernort unabhängige Qualitätskriterien einer erweiterten modernen Beruflichkeit aufzeigt. Parallel dazu hat der wissenschaftliche Beraterkreis von ver.di und IG Metall gemeinsame Leitlinien für die betriebliche, schulische und hochschulische berufliche Bildung entwickelt. Anhand betrieblicher Praxisbeispiele in ausgewählten Handlungsfeldern wurde auf der Tagung diskutiert, ob die Leitlinien moderner Beruflichkeit tragfähig sind und wie sie durch Wahrnehmung betrieblicher Mitbestimmungsrechte umgesetzt und zu einer besseren Verzahnung von Bildungs- und Qualifizierungspolitik mit qualitativer Arbeits- und Tarifpolitik beitragen können.

Informationen zum Hintergrund und den diskutierten Thesen der Tagung (pdf)´

 

Inhaltliche Einführung

Petra Gerstenkorn, ver.di Bundesvorstand, Berlin: Inhaltliche Einführung (pdf)

 

Beruflichkeit und Mitbestimmung – einführende Thesen

Dr. Hans-Jürgen Urban, IG Metall Vorstand, Frankfurt am Main: Beruflichkeit und Mitbestimmung (pdf) 

Hat Beruflichkeit eine Zukunft – Welchen Beitrag leistet sie zu guter Arbeit und guter Bildung
Podiumsdiskussion mit:

Lionel Fulton, Labour Research Department, London

Petra Gerstenkorn, ver.di Bundesvorstand, Berlin

Angela Kennecke, Betriebsrätin Airbus Bremen

Prof. Dr. Rita Meyer, Leibniz Universität Hannover

Dr. Hans-Jürgen Urban, IG Metall Vorstand, Frankfurt am Main

Moderation: Susanne Ahlers, ACT-Ahlers Coaching Training, Berlin

 

Forum 1
Bildungspolitik und Mitbestimmung

Wie verändern sich Verhältnis und Formen betrieblicher, schulischer und akademischer Berufsbildung – Welche Konsequenzen hat dies für die Interessenvertretung von Personen in Aus- und Fortbildung in Betrieb und Gewerkschaft?
(Konzept: Dr. Michaela Kuhnhenne, Hans-Böckler-Stiftung)

Ein Studium ist heute einer der Hauptwege in den Beruf, inzwischen ist die Zahl der Personen, die ein Studium beginnen und die der AnfängerInnen in der dualen Ausbildung gleich hoch. Die schulische Berufsausbildung, die duale Berufsausbildung und die hochschulische Bildung sind in einem Änderungsprozess, der sowohl ihre Ausrichtung, ihre Zielgruppen, ihre Lernorte und Inhalte als auch ihr Verhältnis zueinander betrifft. Zugleich verändern sich die Arbeitsanforderungen stetig. Über diese Veränderungen und den daraus erwachsenden Anforderungen an betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretung wurde im Forum anhand von Beiträgen zu den aus moderner Beruflichkeit erwachsenden Aufgaben für die betriebliche Mitbestimmung, zu Veränderungen von Arbeitsanforderungen und Qualifikationsstrukturen, zur Studierendenarbeit der Gewerkschaften und ihren bildungspolitischen Aktivitäten diskutiert.

Prof. Dr. Rita Meyer, Leibniz Universität Hannover: Betrieb trifft auf moderne Beruflichkeit (pdf)

Heinrich Recken, Studienzentrum Hamburger Fern-Hochschule Essen und Beratungsgesellschaft Soziales und Gesundheit: Veränderungen in den Arbeits- und Qualifikationsanforderungen von Gesundheitsberufen (pdf)

Stephanie Geyer, IG Metall Vorstand, Ressort Angestellte, IT, Studierende, Frankfurt am Main: Studierende in der IG Metall – Was können Gewerkschaften für Studierende tun? (pdf)

 

Fishbowldiskussion zu Schlussfolgerungen:
Welche Konsequenzen haben die Veränderungen für die Interessenvertretung von Personen in Aus- und Fortbildung in Betrieb und Gewerkschaft? Welche Schlussfolgerungen lassen sich für die (gewerkschaftliche) Bildungspolitik ziehen?

Heinrich Recken, Studienzentrum Hamburger Fern-Hochschule Essen und Beratungsgesellschaft Soziales und Gesundheit

Thomas Ressel, IG Metall Vorstand, Ressort Bildungs- und Qualifizierungspolitik, Frankfurt am Main

Joachim Mohr, ver.di

Moderation: Dr. Michaela Kuhnhenne und Heidi Lorei, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

 

Forum 2
Betriebspolitik und Personalentwicklung

Trägt moderne Beruflichkeit zu gleichwertigen Beschäftigungs- und Entwicklungschancen von AkademikerInnen und Nicht-AkademikerInnen im Betrieb bei?
(Konzept: Eva Kuda und Dr. Bernd Kaßebaum, IG Metall Vorstand)

Sowohl Bezahlung als auch berufliche Beschäftigungs- und Aufstiegschancen von AkademikerInnen und FacharbeiterInnen entwickeln sich auseinander – so die These einer neueren OECD-Studie. Im Widerspruch dazu zielt moderne Beruflichkeit auf gleiche Qualitätsmaßstäbe in der Ausbildung und auf gleichwertige Bildungs- und Einkommenschancen für alle ArbeitnehmerInnen. Am Beispiel zweier Unternehmen, John Deere, Mannheim und T-Systems, wurden in diesem Forum Handlungsansätze und Handlungsaufgaben gewerkschaftlicher Betriebspolitik diskutiert. Es wurden die Chancen für mehr Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung sowie Hemmnisse und Barrieren erörtert.

Marlies Dorsch-Schweizer, BIBB, Bonn

Thomas Habenicht, IG Metall Bildungsstätte Bad Orb-Lohr

Birol Koca und Andre Zimmer, Betriebsräte John Deere, Mannheim: Verhältnis von Facharbeitern und Akademikern im Betrieb (pdf)

Jürgen Strauß, Sozialwissenschaftler, Berlin

Alexander Suck, Gesamtbetriebsrat T-Systems, Konzernbetriebsrat Deutsche Telekom, Bonn (pdf)

Moderation: Eva Kuda und Dr. Bernd Kaßebaum, IG Metall Vorstand, Ressort Bildungs- und Qualifizierungspolitik, Frankfurt am Main

 

Forum 3
Arbeitspolitik, Arbeitsgestaltung und Beruflichkeit

Ist Beruflichkeit ein Gestaltungsansatz für inhaltsreiche und qualifizierte Arbeit?
(Konzept: Dr. Roman Jaich und Mechthild Bayer, ver.di Bundesvorstand)

Beruflichkeit und Arbeitsgestaltung stehen in einem Wechselverhältnis. Inhaltsreiche und qualifizierte Arbeit benötigt Beruflichkeit, ebenso ist Beruflichkeit selbst ein Gestaltungsansatz für gute Arbeit. Neue Formen der Arbeit und die zunehmende Informatisierung von Arbeit verändern die Konzepte von Beruflichkeit. Die im Leitbild entwickelten Dimensionen von Beruflichkeit können auch als Anforderungen an die qualifikationsförderliche Gestaltung von Arbeit gedeutet werden. Aber: für viele gut ausgebildete junge Menschen ist der Übergang in das Beschäftigungsverhältnis mit der Erfahrung eines „unterwertigen“ Arbeitseinsatzes in zergliederter und getakteter Arbeit eine einschneidende Erfahrung. Und für diejenigen, die schon Jahre in unterwertiger Tätigkeit beschäftigt sind, wird das Konzept des Lebenslangen Lernens eher als Wunschvorstellung wahrgenommen denn als reale Möglichkeit, sich in inhaltsreiche Arbeit zu entwickeln. Strukturbildend war für dieses Forum die These, dass für die Entwicklung von Arbeitspolitik und Arbeitsgestaltung die Voraussetzungen in den Branchen unterschiedlich sind. Daher wurden im Anschluss an den Überblicksbeitrag von Prof. Sabine Pfeiffer betriebliche Beispiele aus den Branchen Metall- und Elektroindustrie, Gesundheitswirtschaft und Telekommunikation dargestellt, um branchenübergreifende wie auch branchenspezifische Handlungsstrategien für gewerkschaftliches und betriebliches Handeln zu entwickeln.

Günter Geerdes und Nicole Piechotta ,Meyer Werft, Papenburg: Arbeitspolitik, Arbeitsgestaltung und Beruflichkeit – Praxisbericht (pdf)

Christian Reinemann, Personalrat der LWL Klinik Dortmund, Wolfram Gießler, BIG – Bildungsinstitut im Gesundheitswesen, Essen: Beruflichkeit und Arbeitsgestaltung im Krankenhaus (pdf)

Wilfried Pater, Telekom, Bonn: Telekom wird strategischer Bildungsinvestor (pdf)

Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Universität Hohenheim und Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e. V., München: Arbeit 4.0 – das Ende der Beruflichkeit wie wir sie kennen? (pdf)

Moderation: Dr. Roman Jaich und Mechthild Bayer, ver.di Bundesvorstand, Bereich Weiterbildungspolitik, Berlin

 

Forum 4
Qualifizierungspolitik in transnationalen Unternehmen

Was ist fachlich kompetente Arbeit in Europa – Welche Rolle spielen dabei Beruflichkeit und Mitbestimmung?
(Konzept: Eva Ahlene, Hans-Böckler-Stiftung)

Transnational tätige Unternehmen produzieren bzw. bieten ihre Dienstleistungen an unterschiedlichen Standorten in der Welt an und müssen dabei die gleichwertige Qualität ihrer Produkte sicherstellen. Dies kann nur mit entsprechend hoch und auf gleichem Niveau qualifizierten Beschäftigten gewährleistet werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Beruflichkeit einen Beitrag für die Entwicklung standortübergreifender Standards für berufliche Aus- und Weiterbildung in solchen Unternehmen leisten kann. Hier sind Betriebs- und Personalräte bspw. in der aktiven (Mit-) Gestaltung einer strategischen Personalpolitik und Personalentwicklung gefordert. So kann transnationale Arbeitsmobilität bspw. die Absicherung beruflicher Passagen bei Auslandsentsendungen durch betriebliche Regelungen erforderlich machen. Darüber hinaus müssen betriebliche Aufstiegs- und Karrierewege im Sinne einer stärkeren Verzahnung von Aus-und Weiterbildung aufgezeigt und mit einer Personalentwicklung in internationalen Unternehmen verknüpft werden. Im Forum wurden betriebliche Fallbeispiele zu Modellen internationaler Berufsausbildung sowie der Qualifizierung und Personalentwicklung in international tätigen Unternehmen aus der IT-Branche, der Energie-, der Logistik- und Automobilbranche vorgestellt. In diesem Zusammenhang wurden die Rolle sowie zukünftige Handlungsfelder von (europäischen) Betriebs- und Personalräten beleuchtet. Mit Blick auf bestehende Ansätze und Entwicklungen zur Internationalisierung und Europäisierung der Berufsbildung wurden die damit verbundenen Konsequenzen für „moderne Beruflichkeit“ diskutiert.

Andrea Baukrowitz,Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V., München (IWP-IT – ver.di ESF Projekt): Globalisierung in der IT-Branche – Qualifizierungspolitik zwischen Beruflichkeit und Employability (pdf)

Dr. Gerd Busse, Berufsbildungsexperte, het-bureau, Dortmund: Internationale Kompetenzen in der Berufsausbildung: Perspektiven für eine moderne Beruflichkeit? (pdf)

Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Otto von Guericke Universität Magdeburg: Internationalisierung und Europäisierung der Berufsausbildung – Konsequenzen für die „moderne Beruflichkeit“ (pdf)

Karl-Heinz Hageni, IG Metall Vorstand, Ressort Angestellte, IT, Studierende, Frankfurt am Main: Duale IT-Berufe im Spannungsfeld der Akademisierung und Globalisierung (pdf)

Doris Marquardt, Personal- und Organisationsentwicklung STEAG GmbH, Essen: Auslandsentsendungen – Zielgruppen/Qualifizierung/Regelungen (pdf)

Dr. Manfred Wannöffel, Gemeinsame Arbeitsstelle Ruhr-Universität Bochum / IG Metall: Qualifizierungspolitik in transnationalen Unternehmen – Perspektiven und Gestaltungsansätze für Betriebs- und Gewerkschaftspolitik (pdf)

Moderation: Eva Ahlene, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf und Timo Gayer, IG Metall Vorstand, Ressort Bildungs- und Qualifizierungspolitik, Frankfurt am Main

 

Konsequenzen und Perspektiven erweiterter moderner Beruflichkeit für Betriebe, Gewerkschaften, Bildung und Wissenschaft

Einführende Thesen:

Prof. Dr. Peter Faulstich, Universität Hamburg: Beruflichkeit reflektieren! – Bildung orientieren! (pdf)/ PowerPoint-Präsentation (pdf)

Moderation: Susanne Ahlers, ACT-Ahlers Coaching Training, Berlin

Mechthild Bayer, ver.di Bundesvorstand, Bereich Weiterbildungspolitik, Berlin

Thomas Ressel, IG Metall Vorstand, Ressort Bildungs- und Qualifizierungspolitik, Frankfurt am Main

weitere Informationen zum Download

Kontakt:

Eva Ahlene

Veranstaltungsprogramm (pdf)


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