WSI GenderDatenPortal: Arbeitszeiten

Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2015

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Die Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten – hier bestimmt als der Anteil der Beschäftigten mit Arbeitszeiten unter 32 Wochenstunden 1 – sind in Deutschland von 1991 bis 2015 stark angestiegen. 2 Dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Allerdings fällt der Zuwachs bei den Frauen mit 16 Prozentpunkten deutlich stärker aus als bei den Männern mit 8 Prozentpunkten, so dass sich der Abstand zwischen den Teilzeitquoten von Frauen und Männern während des Beobachtungszeitraums deutlich vergrößert hat: Die genderspezifische Lücke bei der Teilzeitquote hat sich von 28 Prozentpunkten im Jahr 1991 auf 36 Prozentpunkte im Jahr 2015 vergrößert.

  • Frauen waren und sind deutlich häufiger in Teilzeit tätig als Männer. War im Jahr 1991 noch fast jede dritte abhängig beschäftigte Frau eine Teilzeitkraft, trifft dies im Jahr 2015 bereits auf fast jede zweite Frau zu. Dieser Anstieg erfolgte insbesondere zwischen 1991 und 2006. In den Jahren danach blieb der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen weitgehend konstant. Nach dem Jahr 2012 hat sich die Teilzeitquote der Frauen erneut leicht erhöht. Dieser Anstieg dürfte aber überwiegend methodisch bedingt sein (siehe dazu: methodische Anmerkungen).
  • Bei den Männern ist die Quote der Teilzeitbeschäftigten zwischen 1991 und 2015 fast kontinuierlich von zwei auf mehr als zehn Prozent angestiegen. Insgesamt hat sich der Anteil teilzeitbeschäftigter Männer unter den abhängig Beschäftigten damit verfünffacht, auch wenn sich ihre Teilzeitquote – im Vergleich zu den Frauen – immer noch auf niedrigem Niveau bewegt.

Der starke Anstieg der Teilzeitquoten ist auch auf die starke Zunahme geringfügiger Beschäftigung mit Wochenarbeitszeiten unter 15 Stunden zurückzuführen 3. Regionale Unterschiede bei den Teilzeitquoten zeigen sich im Vergleich von West- und Ostdeutschland:

  • Die Teilzeitquote von Frauen fällt in Ostdeutschland im Zeitverlauf durchgängig deutlich niedriger aus als in Westdeutschland. Im Jahr 2015 ist sie mit 36 Prozent immer noch um mehr als 10 Prozentpunkte niedriger als bei westdeutschen Frauen.
  • Bis zum Jahr 2003 war Teilzeit unter Männern in Ostdeutschland seltener als unter Männern in Westdeutschland. Seit 2004 fällt die Teilzeitquote ostdeutscher Männer dagegen durchgängig höher aus als bei ihren Geschlechtsgenossen in Westdeutschland.
  • Infolge der niedrigeren Teilzeitquoten von Frauen in Ostdeutschland ist hier der geschlechtsspezifische Abstand der Teilzeitquoten im Jahr 2015 (24 Prozentpunkte) immer noch deutlich geringer ausgeprägt als in Westdeutschland (39 Prozentpunkte).

 


(1) Die Festlegung der Obergrenze von Teilzeit bei 32 Stunden steht im Zusammenhang mit Datenrestriktionen der hier verwendeten Fachserie des Statistischen Bundesamtes (siehe Glossar). Allerdings wird mit dieser Abgrenzung die Teilzeitarbeit unterschätzt, denn für vollzeitnahe Teilzeit sind Arbeitszeiten im Stundenbereich von 32 bis unter 40 Stunden durchaus üblich.

(2) Die Ergebnisse für die Jahre 2013 und 2014 wurden auf einen neuen Hochrechnungsrahmen umgestellt. Grundsätzlich gilt, dass infolge des neuen Hochrechnungsrahmens die Ergebnisse vor und nach dem Jahr 2013 nur eingeschränkt vergleichbar sind (siehe auch methodische Anmerkungen).

(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Weeber, Sonja (2016): Wochenarbeitszeiten unter 15 Stunden 1991–2014. In: WSI GenderDatenPortal.

Datentabelle zu den Grafiken

 

 

Methodische Anmerkungen

Grundlage der Berechnungen sind die Daten des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Mikrozensuserhebung wird auf der Basis einer 1-Prozent- Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus stellt u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen zur Verfügung. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht. Auch die hier vorliegenden Ergebnisse basieren auf Daten, die jährlich in einer Fachserie (Fachserie 1 Reihe 4.1.1 „Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland“) veröffentlicht werden. 1

Bis einschließlich zur Erhebung 2004 bezogen sich die Angaben des Mikrozensus auf eine feste Berichtswoche für alle Befragten, die zumeist im April eines Jahres lag. Seit 2005 erfolgt die Erhebung des Mikrozensus nach dem Prinzip der Unterjährigkeit, d.h. die Befragung erfolgt über alle Wochen des Jahres verteilt. Mit der veränderten Erhebung können methodisch bedingte Veränderungen der Werte einhergehen. 2

Die zugrunde liegende normalerweise geleistete Arbeitszeit zielt eher auf durchschnittliche Werte ab und unterliegt daher nicht so starken Schwankungen wie die ebenfalls erfasste tatsächliche Arbeitszeit, mit welcher nur die Arbeitsstunden der vorangegangenen Woche erfasst werden. Die seit 2005 praktizierte unterjährige Erhebung erfasst verstärkt solche Tätigkeiten, die deutliche Jahresschwankungen aufweisen (z. B. saisonale Beschäftigungen). Dies kann auch die normalerweise geleistete Arbeitszeit beeinflussen, weil dadurch saisonale Beschäftigungen mit sehr kurzen, aber auch mit sehr langen Arbeitszeiten stärker berücksichtigt werden.

Ab 2005 werden Berlin (West) und Berlin (Ost) zusammen als ein Gebiet erfasst und – statt wie bis 2004 nur Berlin (Ost) – insgesamt den neuen Bundesländern zugerechnet. Durch diese Veränderung ist eine Vergleichbarkeit von nach Ost und West differenzierten Daten vor und nach dieser Umstellung nur bedingt gegeben. 3

Die Ergebnisse ab dem Jahr 2013 wurden „auf einen neuen Hochrechnungsrahmen umgestellt. Grundlage hierfür sind die aktuellen Eckzahlen der laufenden Bevölkerungsfortschreibung, die auf den Daten des Zensus 2011 (Stichtag 09.05.2011) basieren.“ 4 Diese Umstellung zeigt sich „in erster Linie in einem Niveaueffekt, der zu einem Bruch in der Zeitreihe bei den absoluten Werten führt. Auf die Berechnung von Quoten hat die Umstellung des Hochrechnungsrahmens dagegen nur einen geringen Einfluss.“ 5 Dennoch ergeben sich auch für einige Quoten deutliche Brüche zwischen 2012 und 2013. Grundsätzlich gilt, dass infolge des neuen Hochrechnungsrahmens die Ergebnisse ab dem Jahr 2013 nur noch eingeschränkt vergleichbar sind mit den Ergebnissen aus den Vorjahren. 6 

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1.

(2) a. a. O.

(3) Vgl. Statistisches Bundesamt (2006): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1, Band 1: Allgemeine und methodische Erläuterungen.

(4) Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1, S. 6.

(5) Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1, S. 6.

(6) a. a. O.

Teilzeitquote (abhängig Beschäftigte)
Die Teilzeitquote gibt den Anteil der abhängig Beschäftigten, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, an allen abhängig Beschäftigten wider. Im Mikrozensus wird die Unterscheidung zwischen Vollzeit- und Teilzeittätigkeiten auf der Basis der Selbsteinstufung der Befragten getroffen. 1 In den Publikationen der hier genutzten Fachserie (FS 1, Reihe 4.1.1, „Bevölkerung und Erwerbstätigkeit“) wurden bis einschließlich 2012 alle Personen mit einer normalerweise geleisteten Arbeitszeit ab 32 Stunden im Rahmen einer Plausibilitätsprüfung grundsätzlich als Vollzeitbeschäftigte gewertet. 2 Um die Vergleichbarkeit zu gewähren, wurde die Abgrenzung der Teilzeitbeschäftigten in den Jahren 2013 und 2014 analog gebildet. Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Teilzeitquoten beziehen sich jeweils auf alle abhängig beschäftigten Frauen und Männer ab 15 Jahren.

Arbeitszeit (normalerweise geleistete Arbeitszeit)
„Im Mikrozensus wird die normalerweise geleistete Arbeitszeit je Woche und die tatsächlich geleistete Arbeitszeit in der Berichtswoche erhoben. Bei der normalerweise geleisteten Arbeitszeit je Woche werden gelegentliche oder einmalige Abweichungen nicht berücksichtigt (z. B. Urlaub, Krankheit, gelegentlich geleistete Überstunden). Die ,normale‘ Arbeitszeit kann von der tariflich vereinbarten Arbeitszeit abweichen, wenn regelmäßig wöchentlich Überstunden geleistet werden. (...) Die (...) dargestellten Ergebnisse beziehen sich nur auf normalerweise (...) geleistete Arbeitszeiten aus der einzigen bzw. Haupterwerbstätigkeit.“ 3

Abhängig Beschäftigte
„Abhängig Beschäftigte sind Beamte/Beamtinnen, Angestellte, Arbeiter/-innen sowie Auszubildende, die ihre Haupttätigkeit auf vertraglicher Basis für einen Arbeitgeber in einem abhängigen Arbeitsverhältnis ausüben und hierfür eine Vergütung (Arbeitnehmerentgelt: Lohn bzw. Gehalt) erhalten. (...) Als abhängig Beschäftigte gelten auch Personen, die vorübergehend nicht arbeiten, sofern sie formell mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind (z.B. aufgrund Urlaub, Krankheit, Streik, Aussperrung, Mutterschafts- und Elternurlaub, Schlechtwettergeldempfang usw.).“ 4

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1, S. 9.

(2) Vgl. dazu Körner, Thomas und Puch, Katharina (2009): Der Mikrozensus im Kontext anderer Arbeitsmarktstatistiken. Ergebnisunterschiede und ihre Hintergründe, S. 528-552 in: Wirtschaft und Statistik, 2009, Heft 6.

(3) Statistisches Bundesamt (2016): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1, S. 7.

(4) a. a. O.

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