WSI GenderDatenPortal: Arbeitszeiten

Teilzeitquoten der Erwerbstätigen nach Alter 2016

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Die Teilzeitquoten von Erwerbstätigen variieren in Deutschland stark nach Lebensalter. Zwischen Frauen und Männern zeigen sich dabei extreme Unterschiede, und auch zwischen den Frauen in West- und Ostdeutschland differieren die Teilzeitquoten im Altersvergleich erheblich.(1)

Bei den Männern in Deutschland lässt die Teilzeitquote nach Altersgruppen für das Jahr 2016 eine deutlich „wannenartige“ Verteilung erkennen: Im Alter von 22 bis 25 Jahren ist etwa jeder fünfte erwerbstätige Mann in Teilzeit tätig. Demgegenüber arbeitet in den mittleren Altersgruppen nur eine kleine Minderheit der Männer Teilzeit, bei den 46-jährigen sind es sogar nur 5 Prozent. Erst für Männer ab 60 Jahren sind deutlich höhere Teilzeitquoten mit mehr als 10 Prozent festzustellen. Die große Mehrheit der Männer in Deutschland arbeitet damit nur phasenweise im Lebensverlauf Teilzeit, vor allem am Anfang und/oder am Ende ihres Erwerbslebens.(2)

Ein ganz anderes Bild ergibt sich für Frauen in Deutschland: Bei ihnen ist ein extremer Niveauunterschied der Teilzeitquote von Frauen Ende 20 (jede vierte Frau in Teilzeit) und Frauen Anfang 40 (mehr als jede zweite Frau in Teilzeit) festzustellen. Trotz einer leichten Abnahme der Teilzeit zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, verbleibt die Teilzeitquote für die älteren Altersgruppen auf hohem Niveau. Der überaus starke Anstieg der Teilzeitarbeit zu Beginn des mittleren Lebensalters ist vorwiegend auf die Teilzeitbeschäftigung von Frauen mit kleineren Kindern zurückzuführen.(3) Insgesamt ist ab Mitte 30 die Mehrheit der erwerbstätigen Frauen in Deutschland teilzeitbeschäftigt – was jedoch nur für eine kleine Minderheit der gleichaltrigen Männer gilt.

Auch der regionale Vergleich macht erkennbare Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sichtbar, besonders bei den Frauen: Für Frauen ab dem 30. Lebensjahr fallen die Teilzeitquoten in Westdeutschland sehr viel höher aus als in Ostdeutschland, bedingt durch den extremen Anstieg der Teilzeitquote in Westdeutschland im mittleren Lebensalter. Insgesamt zeigt sich damit für Frauen ein erhebliches West-Ost-Gefälle bei der Teilzeitarbeit. Im Vergleich dazu weisen Männer in Ost- und Westdeutschland einen recht ähnlichen Verlauf bei den altersspezifischen Teilzeitquoten auf.

Die Ursachen für das starke West-Ost-Gefälle bei den Frauen dürften zum einen auf das noch deutlich ‚nachwirkende‘ Frauenbild aus DDR-Zeiten zurückzuführen sein, bei dem Mutterschaft und Vollzeiterwerbstätigkeit von Frauen keine sich ausschließenden Alternativen darstellten, sondern in der Regel kombiniert wurden.(4) Zum anderen dürften auch strukturelle Unterschiede zum Tragen kommen, denn die Kinderbetreuungsstrukturen sind in Ostdeutschland weiterhin besser ausgebaut, sodass Frauen, wenn sie einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen wollen, häufiger auf institutionelle (ganztägige) Kinderbetreuung zurückgreifen können.(5)

Hintergrund für den Gender-Gap bei der Teilzeitarbeit im mittleren Lebensalter ist die geschlechtstypische Arbeitsteilung im Haushalt. Bei rund zwei Dritteln der Paarhaushalte mit Kindern und zwei erwerbstätigen Elternteilen sind die Männer vollzeitbeschäftigt, während die Frauen Teilzeit arbeiten.6 Dies bedeutet jedoch nicht, dass Frauen weniger Arbeit leisten als Männer, vielmehr erledigen Frauen den Großteil der unbezahlten Arbeit, kümmern sich also um den Haushalt, betreuen die Kinder sowie pflegebedürftige Angehörige.(7)

Die paarinterne Arbeitsteilung hat damit vor allem für Frauen gravierende Auswirkungen darauf, wieviel bezahlte Arbeitszeit sie leisten bzw. leisten können: „Da Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft nicht erreichbar ist, solange Frauen den übergroßen Anteil der Haus- und Sorgearbeit leisten, muss die Umverteilung der Haus- und Sorgearbeit weiterhin ein wichtiges Gleichstellungsziel sein.“(8)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2017): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler; Dietmar / Klenner, Christina / Pfahl, Svenja / Sopp, Peter / Wagner, Alexandra (2017): Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich, in: WSI-Report Nr. 35. https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_35_2017.pdf, letzter Zugriff: 07.05.2018.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017a): Gründe für Teilzeittätigkeit 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017b): Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017c): Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Sopp, Peter / Wagner, Alexandra (2017): Quote der Ganztagsbetreuung von Kindern nach Region und Alter (2016). In: WSI GenderDatenPortal.

Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/ErwerbsbeteiligungBevoelkung2010410167004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 07.05.2018.

Wenzel, Stefanie (2012): Konvergenz oder Divergenz? Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Müttern in Ost- und Westdeutschland. In: Gender, Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, Heft 3, Seite 59 - 76.

 


(1) Aufgrund von Datenrestriktionen können die Teilzeitquoten der Erwerbstätigen hier nur bestimmt werden als der Anteil der Erwerbstätigen mit Arbeitszeiten unterhalb von 32 Wochenstunden. (vgl. auch Glossar).

(2) In diese Richtung deuten auch die Begründungen, die teilzeitbeschäftigte Männer angeben. Sie begründen ihre Teilzeit – im Vergleich zu Frauen – wesentlich häufiger damit, dass sie sich in einer Aus- oder Fortbildung befinden (19 gegenüber 4 Prozent). Und auch Krankheit oder Unfall spielen für die Teilzeitbeschäftigung von Männern eine größere Rolle (8 gegenüber 3 Prozent). Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017a): Gründe für Teilzeittätigkeit 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017b): Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

(4) Vgl. Wenzel, Stefanie (2012): Konvergenz oder Divergenz? Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Müttern in Ost- und Westdeutschland. In: Gender, Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, Heft 3, Seite 72 f.

(5) Bei der Quote der Ganztagsbetreuung liegen die ostdeutschen Bundesländer auch im Jahr 2016 immer noch weit vor den westdeutschen Bundesländern, und zwar sowohl bei den Kindern unter 3 Jahren als auch bei den Kindern zwischen 3 und 6 Jahren. Vgl. Sopp, Peter / Wagner, Alexandra (2017): Quote der Ganztagsbetreuung von Kindern nach Region und Alter (2016). In: WSI GenderDatenPortal.

(6) Dabei sind erhebliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland festzustellen: In Westdeutschland ist das Zuverdiener-Modell in drei Vierteln aller Paarhaushalte mit Kindern vorherrschend. In Ostdeutschland ist eine Vollzeit- Vollzeit-Konstellation unter Eltern aus Paarhaushalten ebenso häufig anzutreffen wie das Zuverdiener-Modell. Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017c): Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

(7) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2017c): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

(8) Hobler; Dietmar / Klenner, Christina / Pfahl, Svenja / Sopp, Peter / Wagner, Alexandra (2017): Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich, in: WSI-Report Nr. 35, Seite 27.

Tabelle zu den Grafiken

 


Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Darstellungen beruhen auf Ergebnissen deskriptiver Analysen des Mikrozensus, die SowiTra auf Anfrage vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt wurden.

Datenbasis der Berechnungen sind die Daten des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Mikrozensuserhebung wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus stellt u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen zur Verfügung. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt.(1)

Mit dem Berichtsjahr 2016 wurde die Datenbasis auf eine neue Grundlage umgestellt. Die Stichprobe des Mikrozensus basiert seit dem Jahr somit auf den Ergebnissen des Zensus 2011.(2)

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1.

(2) a. a. O., S. 4

Teilzeitquote (Erwerbstätige)
Die Teilzeitquote gibt den Anteil der Erwerbstätigen, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, an allen Erwerbstätigen an. Im Mikrozensus werden die Vollzeit- und Teilzeittätigkeiten auf der Basis der Selbsteinstufung der Befragten unterschieden.(1) Bei den vorliegenden Ergebnissen ist allerdings zu beachten, dass als Teilzeitbeschäftigte alle Personen mit einer normalerweise geleisteten Wochenarbeitszeit unter 32 Stunden (inklusive Überstunden) gewertet werden..

Arbeitszeit (normalerweise geleistete Arbeitszeit)
„Im Mikrozensus wird die normalerweise geleistete Arbeitszeit je Woche und die tatsächlich geleistete Arbeitszeit in der Berichtswoche erhoben. Bei der normalerweise geleisteten Arbeitszeit je Woche werden gelegentliche oder einmalige Abweichungen nicht berücksichtigt (z. B. Urlaub, Krankheit, gelegentlich geleistete Überstunden). Die ,normale‘ Arbeitszeit kann von der tariflich vereinbarten Arbeitszeit abweichen, wenn regelmäßig wöchentlich Überstunden geleistet werden. (...) Die (...) dargestellten Ergebnisse beziehen sich nur auf normalerweise (...) geleistete Arbeitszeiten aus der einzigen bzw. Haupterwerbstätigkeit.“(2)

Erwerbstätige
„Erwerbstätige sind alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die im Berichtszeitraum mindestens eine Stunde gegen Entgelt irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer/innen einschl. Soldatinnen und Soldaten ), selbstständig ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft betreiben, einen freuen Beruf ausüben oder als mithelfende Familienangehörige im Betrieb eines Familienmitglieds mitarbeiten, ohne dafür Lohn und Gehalt zu beziehen. Daneben gelten auch Personen als erwerbstätig, die vorübergehend nicht arbeiten, sofern sie formell mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind (z.B. wegen Urlaub, Krankheit usw.). Die Bedeutung des Ertrages der Tätigkeit für den Lebensunterhalt und ob es sich um eine regelmäßige oder nur gelegentlich ausgeübte Tätigkeit handelt, ist hierbei nicht relevant.“(3)

 


(1) Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, Seite 8.

(2) a. a. O., S. 6 

(3) a. a. O., S. 7

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