WSI GenderDatenPortal: Arbeitszeiten

Arbeitszeit nach Anzahl der Kinder 2001 und 2015

Erläuterungen      zurück zur Übersicht des Themenbereichs

Zahl und Alter der im Haushalt lebenden Kinder beeinflussen die Arbeitszeiten der Frauen erheblich, während die Arbeitszeiten der Männer durch Kinder kaum beeinflusst werden. Die Unterschiede zwischen den Arbeitszeiten abhängig beschäftigter Frauen und Männer sind deutlich größer, wenn Kinder im Haushalt leben. Der mit der Kinderzahl wachsende Unterschied bei den Arbeitszeiten zwischen Männern und Frauen ist nahezu ausschließlich durch die kürzeren Arbeitszeiten der Frauen begründet: Je mehr Kinder im Haushalt leben, desto kürzer sind die Arbeitszeiten der Frauen. Die Arbeitszeiten der Familienväter bleiben hingegen relativ stabil, unabhängig davon ob bzw. wie viele Kinder im Haushalt leben.

Dies gilt insbesondere für Westdeutschland: Bereits bei einem Kind verdoppelt sich der Unterschied bei den Arbeitszeiten von 7 Stunden (bei Frauen und Männern ohne Kinder) auf ca. 14 Stunden. Bei zwei bzw. drei und mehr Kindern liegt er bei 18 bzw. 20 Stunden.

Auch wenn sich in Ostdeutschland ähnliche Tendenzen beobachten lassen, so sind die Unterschiede hier jedoch deutlich geringer, weil die Arbeitszeiten der Frauen länger sind als in Westdeutschland. Dies trifft auch auf Familienhaushalte mit Kindern zu, wo ostdeutsche Mütter deutlich längere Arbeitszeiten aufweisen als die in vergleichbaren Haushalten lebenden westdeutschen Mütter. Die Differenz in der Arbeitszeit liegt zwischen abhängig beschäftigten Männern und Frauen in Ostdeutschland ohne Kinder bei 4 Stunden, mit einem Kind bei 6,5 Stunden, mit zwei Kindern bei 8 Stunden und mit drei und mehr Kindern bei 10 Stunden. Ausschlaggebend für die im Vergleich zu Westdeutschland längeren Arbeitszeiten der Frauen mit Kind/ern dürfte zum einen das in den neuen Bundesländern breitere Angebot an Kinderbetreuung sein. Zum anderen trägt dazu wohl auch bei, dass in der DDR die Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern, auch in Vollzeit, selbstverständlich und akzeptiert war. Trotz erheblicher Veränderungen scheinen diese Erfahrungen zumindest partiell weiter zu wirken.

Die strukturellen Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Typen von Familienhaushalten bleiben im Zeitverlauf relativ stabil. Leichte Veränderungen zeigen sich allerdings im Niveau, d. h. in der Dauer der Arbeitszeiten: Abhängig beschäftigte Frauen mit Kind/ern hatten im Jahr 2015 kürzere Arbeitszeiten als 2001. Dies trifft auf West- und Ostdeutschland gleichermaßen zu. Allerdings spiegelt sich hierin auch der allgemeine Trend der Zunahme von Teilzeitarbeit und geringfügiger Beschäftigung bei Frauen wider, sodass die durchschnittlichen Arbeitszeiten sich aufgrund von mehr Teilzeit verkürzen. Demgegenüber ist die Arbeitszeit der abhängig beschäftigten Männer mit Kind/ern im Jahr 2015 in Westdeutschland sogar länger als 2001.

 

Bearbeitung: Dr. Peter Sopp, Dr. Alexandra Wagner

 

Literatur

BMFSFJ (Hg.) (2012): Ausgeübte Erwerbstätigkeit von Müttern. Erwerbstätigkeit, Erwerbsumfang und Erwerbsvolumen 2010. Dossier, Berlin. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Ausge_C3_BCbte-Erwerbst_C3_A4tigkeit-von-M_C3_BCttern,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Keller, Matthias / Haustein, Thomas (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013. In: Wirtschaft und Statistik, Dezember 2014, Wiesbaden, S. 733-753. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Bevoelkerung/VereinbarkeitFamilieBeruf_122014.pdf?__blob=publicationFile

Statistisches Bundesamt (2016): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Haushalte und Familien. Ergebnisse des Mikrozensus 2015. Fachserie 1 Reihe 3, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2015): Erwerbstätige Mütter sind im Schnitt 27 Stunden pro Woche berufstätig. Pressemitteilung vom 12. Mai. https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2015/05/PD15_171_122pdf.pdf?__blob=publicationFile

Tabellen zu den Grafiken

 

 


 

 


 

 

 

Methodische Anmerkungen

Die dargestellten Befunde basieren auf Sonderauswertungen des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Er wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus stellt u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen zur Verfügung. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.

Bis einschließlich zur Erhebung 2004 bezogen sich die Angaben des Mikrozensus auf eine feste Berichtswoche für alle Befragten, die zumeist im April eines Jahres lag. Seit 2005 erfolgt die Erhebung des Mikrozensus nach dem Prinzip der Unterjährigkeit, d. h. die Befragung erfolgt über alle Wochen des Jahres verteilt. Mit der veränderten Erhebung können methodisch bedingte Veränderungen der Werte einhergehen.

Ab 2005 werden Berlin (West) und Berlin (Ost) zusammen als ein Gebiet erfasst und – statt wie bis 2004 nur Berlin (Ost) – insgesamt den neuen Bundesländern zugerechnet. Durch diese Veränderung ist eine Vergleichbarkeit von nach Ost und West differenzierten Daten vor und nach dieser Umstellung nur bedingt gegeben.

Im Rahmen des Mikrozensus sind so genannte Proxy-Interviews zulässig, d. h. ein erwachsenes Haushaltsmitglied darf stellvertretend für andere Haushaltsmitglieder antworten. Der Anteil dieser Interviews im Gesamtsample liegt für Personen über 15 Jahre nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes bei ca. 25 bis 30 Prozent.

Die Frage nach der durchschnittlichen normalerweise geleisteten Arbeitszeit hat sich im Jahr 2010 geändert. Bisher wurde gefragt: „Wie viele Stunden arbeiten Sie normalerweise pro Woche (gegebenenfalls gerundet)?“ Ab dem Jahr 2010 lautete die Frage hingegen: „Wie viele Stunden arbeiten Sie normalerweise pro Woche, einschließlich regelmäßiger Mehrstunden und Bereitschaftszeiten?“

Normalerweise geleistete Arbeitszeit pro Woche:
Im Mikrozensus wird die normalerweise geleistete Arbeitszeit je Woche und die tatsächlich geleistete Arbeitszeit in der Berichtswoche erhoben. Bei der normalerweise geleisteten Arbeitszeit je Woche werden gelegentliche oder einmalige Abweichungen nicht berücksichtigt (z. B. Urlaub, Krankheit, gelegentlich geleistete Überstunden). Die „normale“ Arbeitszeit kann von der tariflich vereinbarten Arbeitszeit abweichen, wenn regelmäßig wöchentlich Überstunden geleistet werden. Die dargestellten Ergebnisse beziehen sich nur auf normalerweise geleistete Arbeitszeiten aus der einzigen bzw. Haupterwerbstätigkeit. Die Frage lautete: „Wie viele Stunden arbeiten Sie normalerweise pro Woche, einschließlich regelmäßiger Mehrstunden und Bereitschaftszeiten?“

Personen mit Kindern:
Personen mit Kind(ern) (Mütter, Väter, Eltern) sind volljährige Personen, die mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt leben. Das heißt: Personen, deren Kinder älter als 18 Jahre sind und/oder nicht mehr im selben Haushalt leben, werden nicht als Eltern (Mütter/Väter) definiert.

PDF-Download

Grafikblatt mit Grafiken, Tabellen und Erläuterungen herunterladen (pdf)


Download der Grafiken

Mit Klick auf eine Grafik können Sie diese in hoher Auflösung herunterladen.

Die Nutzung der Grafiken ist frei, wenn die Quelle "WSI GenderDatenPortal, Hans-Böckler-Stiftung" genannt wird
und keine Änderungen an Inhalt und Aussage der Grafiken vorgenommen werden.

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden